Hier kommt der einzige Newsletter, der euch mal kurz ins heiße, volle Venedig entführt. Damit ihr seht, dass ich nicht nur am Strand von Grado herumstreunere und Muscheln sammle. Grado wird allerdings – weiter unten – auch ein großes Thema in diesem Newsletter werden, wie könnte es anders sein?
Montag, 2. September
Bevor ich euch mein Fotoalbum von der Eröffnungsparty des Filmfests zeige, kommt ein Geständnis: Ich hielt mich immer für einen Venedig-Kenner und habe wieder und wieder behauptet, dass die Stadt unbedingt zu Fuß erkundet werden müsse. Aber nachdem ich nun ein paar Mal eine Gondelfahrt unternommen habe, muss ich mich korrigieren. Denn die nobili von damals gingen nicht zu Fuß, sondern ließen sich von ihren Privat-Gondolieri von Palazzo zu Palazzo bringen. (Damals waren es noch zwei Gondolieri pro Boot, weil die asymmetrische Gondel, die gut von einer Person zu steuern ist, erst Ende des 19. Jahrhunderts erfunden wurde.) Und das bedeutet, dass wir zu Fuß sozusagen nur den Dienstbotenblick haben und den Hintereingang sehen. Die Palazzi wirken vom Wasser aus noch einmal ganz anders, viel repräsentativer. Und so war das auch beabsichtigt.
Ein wichtiger Tipp: Lasst euch nicht über den Canal Grande schippern, sondern durch die Nebenkanäle. Ansonsten ist es ein ungemütliches Geschaukel ohne Wert.








Dienstag, 3. September
Zurück nach Grado: Zwei kulinarische Leuchttürme der Insel haben sich umarmt – okay, ganz komisches Bild, aber ihr wisst gleich, was ich meine. Denn vor zwei Jahren brachte Riccardo Gaddi von der exzellenten Trattoria »De Toni« den »Gintonego« auf den Markt, einen Gin, der mit Kräutern aus der Lagune angereichert ist. Einzelheiten stehen hier. Und Eisvizeweltmeister Antoniazzi hat nun aus dem Gintonego ein Eis kreiert.

Da gefriert zusammen, was zusammengehört!
Mittwoch, 4. September
Der erste Zwischenstand vom Sommer ist da, und zwar von der Strandverwaltung GIT (falls ihr euch fragt, was dieses Akronym bedeutet: Grado Impianti Turistici, etwa: »Grados touristische Einrichtungen«). Und die Wasserstandsmeldungen beunruhigen die Gradeser. Denn die Zahl der Italiener ist um 16 Prozent zurückgegangen, die der treuen Österreicher um 15 Prozent, die der Deutschen um knapp 11 Prozent. Dafür ist beispielsweise die Zahl der polnischen Urlauber um satte 44 Prozent gestiegen. Das sind zwar nur die – relativen, keine absoluten – Zahlen vom Strand, und sie können vielfältig interpretiert werden; beispielsweise war das Frühjahr ja äußerst mau, und Grado kommt von einem einmaligen Höhenflug 2022 und 2023. Aber sie zeigen doch eine gewisse Tendenz und bestätigen, was Gastronomen in diesem Jahr beobachtet haben: Die Menschen gehen weniger essen, und wenn sie im Restaurant sind, essen und trinken sie weniger – eher Pizza und Hauswein als Steinbutt und Pinot Grigio von Jermann. Denn, klar: Osteuropäer haben im Vergleich nun mal weniger verfügbares Einkommen als Reisende aus Österreich, Deutschland oder auch Italien. Mal sehen, ob im Herbst die Trendwende gelingt. Falls das Wetter mitspielt und die Genussurlauber kommen, könnte die Bilanz am Ende des Jahres schon wieder ganz anders aussehen.
Donnerstag, 5. September
Zwar habe ich im Sommer fleißig geschrieben, darunter auch diesen Newsletter, aber jetzt geht es so langsam wieder auf die große Lesereise. Der Terminkalender (siehe unten) wird voller und voller. Und wenn ihr euch fragen solltet, was nach dem Italien-Prinzip, Meine Bar in Italien und den Spaghetti-vongole-Tagebüchern als nächstes kommt, müsst ihr euch noch ein paar Wochen gedulden, bis die Frühjahrsvorschau 2025 des Verlages offiziell erscheint. Ihr werdet es lieben!
Und, ja, ich weiß, es wird mal Zeit für einen großen Grado-Roman. Ich denke drüber nach. Es gibt da ja diese Auchentallers…
Und hier noch ein Foto von Leserin Barbara B. Es ist ein Zufallsbild, aber ich finde, dass es eine ganz besondere Poesie hat und ein regelrechtes Kunstwerk ist. Denn es zeigt, warum Pinos Bar ein sicherer Hafen ist. Für mich und für viele andere.

Ich wünsche euch allen ein wunderbares Wochenende.
Die Mediterrane Wochenschau von letzter Woche mit dem 89-Cent-»Skandal« lest ihr hier.
Meine Bücherseite habe ich aktualisiert, schaut doch mal vorbei.
Auf Instagram findet ihr mich unter @buch_und_wein. In der Story poste ich jeden Tag eine Kleinigkeit aus Grado (oder von dort, wo ich gerade unterwegs bin).
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Die nächsten Lesetermine
14. September: Klagenfurt, Open House Day, Kleine Zeitung
19. September: Westerwälder Literaturtage, Birkenhof-Brennerei, Nistertal
20. September: Bremen, Buchhandlung Lesumer Lesezeit
21. September: Osnabrück, Altstädter Bücherstuben
27. September: Klagenfurt, Buchhandlung Heyn – mit kulinarischer Begleitung
28. November: Innsbruck, Tyrolia/Vinothek Gottardi
[…] Die Mediterrane Wochenschau von letzter Woche mit dem vermeintlichen (oder tatsächlichen?) Urlauber-Rückgang lest ihr hier. […]
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