Drachen und Blaukrabben, Strandbuch und Podcast, Kekse und Wein: Mediterrane Wochenschau CCXLII

Hier kommt der einzige Newsletter, der euch gleich eine wunderbare italienische Redensart präsentiert, die natürlich wieder mit Essen und Trinken zu tun hat – wie könnte es anders sein? Aber vorher kommen die aktuellen Meldungen der Woche. 

Sonntag, 23. März

Zuerst ein kurzer Bericht aus dem Stadion: Gradese Calcio hat nach zuletzt zwei unglücklichen Niederlagen souverän mit 4:1 gewonnen, die Stimmung war bestens, das Wetter hat auch mitgespielt.

Jedes Mal faszinierend: Fußball mit Lagunenblick.

Am Abend gab es dann noch das wilde 3:3 zwischen der deutschen und der italienischen Nationalmannschaft. Aber das hat die Italiener, die damit in der Nations League ausgeschieden sind, weniger gekränkt als die Meldung ein paar Stunden zuvor, dass beide Ferraris nach dem Großen Preis von China (wo sie nur 5. und 6. geworden sind – schlimm genug) auch noch disqualifiziert wurden. Amore & Motore eben.

Montag, 24. März

Willkommen zu »Game of Thrones«, der Adria-Edition: Es geht um Macht, Einfluss und Größe des Herrschaftsbereichs.

Okay, das war jetzt übertrieben. Aber nur ein bisschen. Denn es ist doch ungewöhnlich, dass die Forderung, Aquileia möge sich mit Grado zusammentun und die Provinz wechseln, nicht totzukriegen ist – und nun soll sogar noch Cervignano abtrünnig werden. Beide, Aquileia und Cervignano, gehören bislang zur Provinz Udine, der größten der vier Provinzen der Region Friaul-Julisch Venetien.

Hier eine provinzielle Übersicht der Lage.

Grado dagegen gehört zur kleinen Provinz Gorizia; außerdem gibt es noch die Provinzen Pordenone und Triest. Aquileia will unter Gorizias Mantel schlüpfen, Cervignano ebenfalls. (Um genau zu sein, heißt eine Provinz seit 2017 im Friaul nicht mehr Provinz, sondern, kaum zu glauben, Ente di decentramento regionale, »Körperschaft regionaler Dezentralisierung«, aber diese Bezeichnung überlassen wir dem einen Bürokraten, der sie sich ausgedacht hat.)

Nun hätte ein Provinzenwechsel einige Vorteile: Grado und Aquileia gehören bei allen Reibereien historisch und touristisch ganz eng zusammen; unter dem Dach einer einzigen Provinz wären gemeinsame touristische Projekte und die Vergabe von Fördergeldern leichter, weil es weniger Ansprechpartner, Mitredner und Bremser gäbe. Wer für jeden kleinen Quatsch die Genehmigung gleich zweier Provinzfürsten und -behörden einholen muss, verliert rasch die Lust.

Auch geht Aquileia in der Riesenprovinz Udine geradezu unter, im bescheidenen Gorizia hätte das Pompeji des Nordens dagegen ein ganz anderes Gewicht. Und schon Julius Cäsar wusste: »Lieber in der Provinz der Erste als in Rom der Zweite.«

Was wären die Nachteile? Nicht wenige Aquileiesi (ein Zungenbrecher) wollen nicht mehr Tourismus, sondern weniger. Ein Provinzenwechsel, fürchten sie, würde nur noch mehr Reisende bringen. So manch ein Politiker fürchtet zudem Präzedenzfälle – vielleicht kommen noch andere Orte auf dumme Gedanken? Und die Politiker der Provinz Udine wollen natürlich auch ungern auf ihr Territorium verzichten, denn das schmälerte ja wiederum ihren eigenen Einfluss in der Region.

Ihr seht, so weit sind diese Ränkespiele gar nicht von »Game of Thrones« entfernt – bloß ohne Schwerter, Verliese und Drachen.

Dienstag, 25. März

Apropos Drachen: In Grado sorgt seit einigen Monaten ein anderes exotisches Wesen für Aufregung. Um die Blaukrabbe ist es zuletzt stiller geworden, die befürchtete ökologische Katastrophe ist ausgeblieben. Vielleicht auch deswegen, weil viele Köche sie so fleißig zubereitet haben. Nun gibt es ein grenzüberschreitendes Projekt zwischen Italien und Kroatien namens »BlueDiversity«, mit denen die Fischer dazu angehalten werden, die Blaukrabben verstärkt zu fangen, und die Restaurantbesitzer sollen sie mehr auf der Karte anbieten. Das Programm wird von der Europäischen Union mit zwei Millionen Euro gefördert.

Reinhauen fürs ökologische Gleichgewicht.

In den USA gilt die Blaukrabbe als begehrte Spezialität, viele Italiener winken aber ab; ihnen ist das Fleisch zu süßlich. Auch die Kroaten haben im Jahr 2024 nur vier Tonnen Blaukrabben gefischt.

Mittwoch, 26. März

Ich war beruflich für ein neues Buchprojekt in Rom; wie immer sehr beeindruckend. Ich liebe diese Opulenz in allem. Und was sich da an den Herden tut, ist wirklich stark, von Streetfood bis Sterneküche. Allzu viel reden darf ich noch nicht darüber, aber Bilder zeige ich schon mal. Sogar Heinz Beck habe ich getroffen, den einzigen dreifach besternten Koch der Stadt – ausgerechnet ein Deutscher!

Donnerstag, 27. März

Neues aus dem Sprachlabor: Meine Freundin Jutta G. hat eine wunderbare italienische Redensart aufgeschnappt, die mir noch ganz unbekannt war: Wenn sich eine schwierige Situation auflöst oder wenn ein Streit friedlich endet, dann sagt man, vor allem im Süden: »finire a tarallucci e vino« – »ein Ende mit Keksen und Wein«. Schön!

Apropos Kekse: Danke für die »brutti ma buoni« vom Kochkurs im Casa Bea!

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Ich freue mich riesig auf die nächste Woche, denn mein neues Buch erscheint. Wundert euch nicht, dazu kommt Mittwoch ein Newsletter außer der Reihe, aber schaut rein, es gibt ein wirklich feines Gewinnspiel, genau richtig für alle Italienfans!

Bei der Münchner Buchhandlung Singer ist es eingetroffen. Ich komme am 10. April dazu.

Und kurz danach geht mein neuer Podcast an den Start. Er wird »Radio Adria« heißen, und wir beginnen ganz sanft, erst mal mit einer Folge pro Monat. Denn es soll ja Spaß machen. Ich denke aber, dass wir bald auf zweiwöchentlich umsteigen, mal mit Gästen, mal ohne. Darüber berichte ich euch nächste Woche mehr.

Ich wünsche euch ein wunderbares Wochenende!

Zur letzten Wochenschau mit allen Genussveranstaltungen 2025 in Grado und Umgebung geht es hier entlang.

Zur vorletzten Wochenschau mit zwei bizarren neuen Bauvorhaben geht es hier entlang.

Mehr Italien gibt es bei mir auf Instagram unter @buch_und_wein.

Die nächsten Lesungen
9. April: Zell am See, Buchhandlung Ellmauer, Infos & Reservierung: zell@ellmauer-buch.at
10. April: München, Buchhandlung Singer, Aperitivo & Geplauder im Garten, 16-18 Uhr, Reservierung: bestellung@buchhandlung-singer.de
11. April: Klagenfurt, Buchhandlung Heyn
21. April (Ostermontag): Grado, Aperitivo mit dem Autor in der Enoteca Da Pino, 11 Uhr, keine Reservierung nötig.
9. Mai: Steyr, Galerie im Museum Arbeitswelt, 19 Uhr, Benefizveranstaltung zugunsten der Lebenshilfe-Behindertenbetreuung, Reservierung: info@hausarzt-steyr.at
13. Mai: Nürnberg, Deuerlein Wein Buch Caffè
14. Mai: Coburg, Buchhandlung Riemann
22. Mai: Sankt Veit, Buchhandlung Besold
23. & 24. Mai: Bad Radkersburg
26. Mai: Villach, Thalia
27. Mai: Judenburg, Morawa