Hier kommt der einzige Newsletter, der für euch als Detektiv unterwegs war! Denn die häufigste Frage, die mir in diesem Sommer gestellt wurde, lautet: Wo ist der Cocobello-Mann geblieben? Lest ihr im Mittwochs-Eintrag.
Zwei Dinge vorab. Falls ihr heute Abend in der Nähe seid: Um 18 Uhr bin ich am Strand beim Haupteingang und rede über Grado und meine Bücher. Auf Italienisch. Das wird ein schönes Schlamassel werden.

Bei schlechtem Wetter findet das Ganze im Hotel Astoria statt.
Und die neue Podcast-Folge ist draußen. Alles über das Leben der Fischer und Fallen bei der Suche nach der Traumwohnung. Schon reingehört?
Jetzt aber rein in die Woche!
Montag, 21. Juli
Der Monsterstau vom Sonntag: Ich hoffe, es hat euch nicht erwischt. So heftig habe ich es noch nie erlebt – immerhin aus der sicheren Distanz des Wohnzimmerfensters.
Gut gedacht ist fast immer das Gegenteil von gut, und es ist ja ein ehrenvoller Gedanke, das Stadtzentrum am Wochenende vom Verkehr befreien zu wollen. Einwohner und Hotelgäste durften natürlich passieren, aber der ewige Parkplatzsuchverkehr sollte unterbunden werden, denn tatsächlich gibt es auch in der Hochsaison unverbesserliche Optimisten, die aus dem Umland oder von den Campingplätzen nach einer freien Stelle rund um den Hafen und den historischen Ortskern suchen. Dabei sind seit Freitagabend selbst die illegalen Parkplätze schon doppelt und dreifach belegt.
Wie gesagt, gut gedacht. Aber am Sonntag staute es sich wegen der rigiden Sperre und den daraus resultierenden Kontrollen, die von 9 bis 12.30 Uhr andauerten, über den Autodamm zurück bis aufs Festland, und wer will schon nach stundenlanger Anfahrt in einem fünf Kilometer langen Stau stehen? Zum Trost gab es links und rechts Lagunenblick bei strahlendem Sonnenschein. Ein ganz schwacher Trost, wie wutentbrannte Gäste später berichteten. Weitere Sperrungen sind für die kommenden Sonntage geplant. Die örtlichen Verantwortlichen hoffen auf eine App, die den Verkehr besser steuern und freie Parkplätze anzeigen soll. Die App muss aber erst entwickelt werden. Dazu braucht es eine Finanzspritze der Region (noch nicht zugesagt), eine Ausschreibung, die anschließende Entwicklung, Testläufe und… na, vermutlich sprechen wir uns 2028 wieder.
Dienstag, 22. Juli
Ach, sieh an: Jetzt, wo es plötzlich ernst wird, wollen sich einige von der Verantwortung reinwaschen. Und wir werden Zeugen des Spiels namens »Ich hatte es euch ja vorher gesagt«. Oder: »Ich hatte euch gewarnt, mir könnt ihr nichts vorwerfen.« Und dabei werden mit der sehr italienischen Gestik die Handinnenflächen nach oben gehalten. Denn nun meldet die Region Bedenken gegen den Neubau des Luxushotels Sans Souci Seascape an der Uferpromenade an. Ginge es, wird vorsichtig von oben nachgefragt, nicht ein wenig dezenter? Dieser Einwand kommt sehr spät, denn die alte Struktur ist ja bereits abgerissen, und sobald die Nebensaison beginnt, wird der Beton angerührt, um die schicken Suiten rund um das Castelletto zu bauen.

Die Anmerkungen der Soprintendenza sind nicht bindend und haben erst einmal keine Konsequenzen. Der Bürgermeister hat sich auf mehrmalige Nachfragen nicht geäußert, aber der Druck auf ihn scheint zu wachsen.
Mittwoch, 23. Juli
Er gehört für viele von uns irgendwie zum Urlaub. Bestimmt seit dreißig, vierzig Jahren ist der »Cocobello«-Ruf an den Stränden Italiens unsere Begleitmusik wie das Rauschen der Wellen oder die aktuelle Sommerhit-Musik aus den Beach Bars.
Doch dieses Jahr ist es plötzlich ganz still. Nicht nur, weil die Stranddurchsagen (»Wassertemperatur«…, »Lufttemperatur…« etc.) nur noch bei verlorenen gegangenen Kindern angeworfen werden, sondern auch, weil es keine »Cocobello«-Rufe mehr gibt.

Und das liegt daran, dass die Strandverwaltung des Hauptstrandes in diesem Jahr die ambulanten Händler allesamt verbannt hat. Sogar ein Sicherheitsdienst wacht darüber. Das klang zunächst wie eines dieser Verordnungen, die nach ein paar Wochen sowieso wieder aufgeweicht werden, und ein paar ambulante Händler versuchten es daher trotzdem – und wurden prompt des Strandes verwiesen. Es erwischte nicht nur die Handtuch- und Schmuckverkäufer, sondern eben auch den Cocobello-Mann. Einige Handtuchverkäufer warten nun vor den Eingängen oder gehen am alten Strand auf Beutezug, aber sonderlich lukrativ ist das nicht.
Der Cocobello-Mann ist deswegen in diesem Jahr nicht mehr am Start; vielleicht ist er nach Lignano, Bibione oder Jesolo umgezogen. Sachdienliche Hinweise an jede Polizeidienststelle oder an unser Aufnahmestudio (radioadria@gmx.de).
Update: Erste Hinweise sind eingegangen! Offenbar ist der Cocobello-Mann nun exklusiv am alten Strand unterwegs (danke an die Leserinnen Karin, Carina und Sabina), also mit erheblich eingeschränktem Wirkungskreis. (»Jetzt verstehe ich, wieso ich den sooo oft dieses Jahr sehe«, schreibt Carina.) Und Daniela berichtet mir, dass es auch in Bibione dieses Jahr keinen Cocobello-Mann gibt. Ein größerer Trend?
Donnerstag, 24. Juli
Was für eine schöne Zuschrift zu »Meine Bar in Italien«!
Lieber Herr Maiwald,
im letzten Herbst, als in Köln die dunkle Jahreszeit begann, stieß ich eher zufällig auf Ihr Buch »Meine Bar in Italien« – und was soll ich sagen: Es war eine wunderbare Entdeckung.
Mit großer Freude habe ich die Geschichte gelesen und mich sofort in die Atmosphäre, die Menschen und natürlich in Grado verliebt – ohne jemals zuvor dort gewesen zu sein. (in Italien war ich schon immer verliebt) So sehr hat mich Ihre Erzählung begeistert, dass ich mein ganzes Umfeld in Köln mit meiner Begeisterung angesteckt habe. Ich habe jedem, der es hören wollte (und auch denen, die es nicht wollten), von der Geschichte rund um Pino’s Bar erzählt. (Ich glaube viele habe ich teilweise genervt, wenn ich von Bruno erzählt habe.)
Gestern nun war es endlich soweit: Ich bin gemeinsam mit meiner Familie tatsächlich nach Grado gereist und natürlich war ein Besuch in Pinos Bar fest eingeplant. Was wir dort erlebt haben, war noch schöner als ich es mir vorgestellt hatte. Die Atmosphäre, die Menschen, der Ort. Es war, als würde ein Stück Ihres Buches lebendig werden.
Für diese besondere Erfahrung, die mit Ihrer Erzählung ihren Anfang nahm, möchte ich mich von Herzen bei Ihnen bedanken. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Buch solche Spuren hinterlässt – Ihres hat es bei mir geschafft.
Vielen Dank!
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Jetzt wünsche ich euch allen ein wunderbares Wochenende. Und denkt an den Fotowettbewerb, wenn ihr in den Urlaub fahrt!

Meine 53 persönlichen Tipps zu Grado lest ihr hier.
Die letzte Wochenschau mit dem Streit darüber, wie viel Party Grado verträgt, lest ihr hier.
Die Wochenschau mit den faszinierenden Fotos aus dem Jahr 1909 lest und seht ihr hier.
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