Die unsichtbare Brücke, Pavarottis Sommer, alle gegen Pinocchio: Mediterrane Wochenschau CCLXIII

Hier kommt der einzige Newsletter, der sich mit gleich zwei italienischen Superhelden beschäftigt! Oh, auf die Bilder von Luciano Pavarotti könnt ihr euch freuen, versprochen.

Wie immer vorab: Morgen erscheint Folge 9 meines Podcasts Radio Adria. Dieses Mal geht es um die Italiener und das Glück, um zwei dicke kulinarische Skandale, Ferraris Imageprobleme und den wahren (und ganz stillen) Helden des Sommers. Wer Folge 8 noch nicht gehört hat: Dort geht es um Geheimnisse & Aberglauben. Ihr könnt hier auf Podigee oder hier auf Spotify alle Folgen hören (und am besten gleich abonnieren), aber zum Beispiel auch bei Apple Podcasts oder RTL+, natürlich überall kostenlos.

Jetzt aber rein in die Woche.

Montag, 25. August

Mitte Oktober sollen die Arbeiten an der Brücke von Grado beginnen – endlich soll ein Radweg drangebaut werden, der bis zum Kreisverkehr reicht und das gefährliche Miteinander von Radlern und Autofahrern auf ganz engem Raum verhindert. Die Arbeiten sollten auch schon im Oktober 2022, im Oktober 2023 und im Oktober 2024 losgehen, aber dieses Mal soll es ganz bestimmt soweit sein, alle bürokratischen Hürden seien aus dem Weg geräumt. Wir denken uns ein dickes Fragezeichen mit.

Malerisch, aber einfach zu eng.

Warum diese Vorhaben in Italien immer so lange dauern? Weil die Ausschreibungen für solche Arbeiten öffentlich sind (gut) und weil die unterlegenen Firmen gegen den Beschluss klagen können. Bis dahin ruhen die Arbeiten (schlecht), und die Gerichtsbarkeit in Italien ist so flott wie eine ergraute Bedienung in einem Triestiner Kaffeehaus.

Die Kosten für den Anbau des Radweges sind in der Zwischenzeit von 2,6 Millionen Euro auf 3,8 Millionen Euro gestiegen – bevor ein einziger Spaten das Erdreich durchstieß und bevor ein einziges oranges Hütchen aufgestellt wurde, was doch sehr verwundert. Der Fachbegriff für die Hütchen lautet übrigens »Verkehrsleitkegel«. 

Dienstag, 26. August

Und noch ein Projekt ganz in der Nähe: Kurz vor der Brücke, auf einer Laguneninsel nicht weit von der Pizzeria La Darsena, soll unter der Federführung der Universität Triest ein botanischer Garten mit Kräutern aus der Lagune entstehen. Das ist erst einmal eine schöne Idee. Bloß: Wie kommen Interessierte dorthin? Ganz einfach: Eine »unsichtbare Brücke« soll den botanischen Garten mit dem Festland verbinden. Eine was? Eine ausfahrbare passerella, die nach dem Benutzen wieder verschwindet, so wie manche Superyachten sie haben. 

Eine solche Brücke wäre eine charmante und ökologische Lösung. Es gibt nur ein Problem: Sie wäre sehr teuer. Deswegen hoffen die Ersteller des Projekts, darunter die Betreiber der dortigen Marina, auf Zuschüsse der Politik, schließlich handle es sich um ein kulturell wertvolles Vorhaben – es wäre der einzige botanische Lagunengarten der Region »und ein großes Plus für Grado«. 

Das alles klingt nicht nach sofort, und auch nicht nach morgen oder übermorgen. Ich glaube, die ergraute Bedienung aus dem Triestiner Kaffeehaus hat sich noch nicht einmal in Bewegung gesetzt.

Mittwoch, 27. August

Folgende Frage erreichte mich von Leser Jochen:
Gibt es italienische Kinderbücher, die so gut sind, dass auch Erwachsene Spaß daran haben können? Hintergrund meiner Frage ist, dass ich seit vielen Jahren Schwedisch lerne und mir die Bücher von Astrid Lindgren sehr dabei geholfen haben. Inzwischen lese ich auch Bücher für Erwachsene auf Schwedisch. 
Nun fange ich gerade an, Italienisch (die schönste Sprache der Welt) zu lernen und frage mich, ob sich das wiederholen lässt. Pinocchio mag ich allerdings nicht. Aber vielleicht gibt es ja etwas anderes. Ich würde mich sehr über einen Tipp freuen. 

Das wäre mein Tipp. (Auf Italienisch.)

Meine Antwort:
Lieber Jochen,
ich finde Pinocchio auch ganz schrecklich und kann mir den Erfolg nicht erklären (übrigens d
as meistverfilmte Buch aller Zeiten). Jedenfalls: Besorg dir »Cuore« von Edmondo De Amicis, 1886 erschienen, die Abenteuer von Grundschulkindern über ein Schuljahr hinweg, bis heute ein Riesenerfolg und leicht zu lesen.

Donnerstag, 28. August

Fundstück der Woche (via @pastpreserved auf Instagram): Luciano Pavarottis unbeschwerter August 1993 in seinem Sommerhaus in Pesaro. Hach! 

Da gibt es soviel zu sehen: Der Hemden-Stil! Mobiltelefone 1993! Und ist das im Hintergrund tatsächlich seine Mama, die kontrolliert, ob er auch alles aufisst?

Noch 27 Tage, dann ist es so weit.

Das schreibt der Verlag: »Wann beginnt eigentlich die Nebensaison? Wenn die Staus Richtung Norden länger werden? Der Strand keinen Eintritt mehr kostet oder die Restaurants Ruhetage einführen? In Pinos legendärer Bar in Grado beginnt sie exakt dann, wenn der Fernseher endlich wieder läuft. Und die Stammgäste den Sommer resümieren, über Politik streiten, die Fußballergebnisse und lokale Kriminalfälle diskutieren, füreinander kochen, Pläne schmieden, lachen, laut diskutieren und am Ende immer auf das Leben anstoßen. Stefan Maiwald nimmt euch mit in seine hell erleuchtete Bar in Italien, den Zufluchtsort vor Bora, beißender Kälte und dem Winter-Blues.«

Bestellt es rasch vor, zum Beispiel bei Amazon, Thalia oder Hugendubel, aber sehr gern auch in eurer örtlichen Buchhandlung.

Jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende. Hier kommen die aktuellen Lesungstermine.

Mittwoch, 1.10.: Wien, Thalia Mitte
Donnerstag, 2.10.: Wien, Weingut & Heuriger Karl Lentner
Freitag, 3.10.: Graz, Buchhandlung Büchersegler
Samstag, 4.10: Bad Tatzmannsdorf, Reiters Supreme
Montag, 6.10.: Linz, Thalia
Donnerstag, 16.10.: München, Bar Primo Piano im Hotel Rotkreuzplatz
Freitag, 17.10.: Großkarolinenfeld, Voglbuch/Pfarrstadl
Dienstag, 21.10., St. Veit, Buchhandlung Besold
Montag, 11.5.2026 (!): München, Buchhandlung Singer – Aperitivo, Autorenhuldigung & Gartenparty

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Die letzte Wochenschau mit dem neuen Ferragosto-Brauch lest ihr hier.

Die Wochenschau mit den faszinierenden Fotos von Grado aus dem Jahr 1909 lest ihr hier.

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