Hier kommt der einzige Newsletter, der sich vielleicht doch in Aquileia auf Schatzsuche begeben sollte – so wie es einmal für ein Buchprojekt geplant war. Denn es gibt immer noch erstaunliche Funde zu machen. Lest ihr alles im Mittwochs-Eintrag.
Vorab: schon reingehört in Folge 14 meines Podcasts Radio Adria? Wird euch Spaß machen, versprochen – und verkürzt den Weg zur Arbeit. Es geht unter anderem um das Reizthema Kleinkinder in Restaurants und um einen extrem schusseligen Mafia-Aussteiger, und zu Gast ist die Fernsehköchin Stefania Lettini.
Und gerade heute hat Ursula Kollritsch eine neue Folge ihres zauberhaften Podcasts »Bücher feiern« veröffentlicht. Niemand spricht schöner über Bücher als sie; ich durfte bei ihr zu Gast sein, und wir reden über unsere Lieblingsbücher. Hier entlang – aber auch auf Spotify, Apple-Podcasts und auf allen anderen Plattformen.
Montag, 10. November
Wäre der Dezember ein Fußballer, könnten wir ihn als »Unterschiedsspieler« bezeichnen. Denn wenn in Grado alles im Dezember so eintritt, wie es die Verantwortlichen angekündigt haben, läutet unsere Lieblingsinsel die ganz große Wende ein, weg vom Sommer- zum Ganzjahresziel. Und das ist ein Schritt, von dem viele Destinationen an der Adria träumen.
Als Erstes öffnet Anfang Dezember die komplett restaurierte Therme, und das sieht doch alles recht vielversprechend aus, mit Saunen, Ruheräumen, Anwendungen und Jacuzzis, fast immer mit Blick aufs Meer. Sogar die Sandkuren sollen intensiviert werden, die Grado ja einst italienweit bekannt gemacht und Prominente aus Sport und Mode angelockt haben.
Nun sind Jacuzzis, wie Picknick oder Tretbootfahren, zwar Dinge, die immer ein bisschen besser klingen als sie in Wirklichkeit sind, aber halten wir fest: Wenn dann noch das Meeresmuseum an der Uferpromenade im Dezember öffnet – und beim letzten Kontrollgang vor dem Veröffentlichen dieses Textes waren immerhin Bohr- und Hammergeräusche aus dem Inneren zu hören; wir dürfen also vorsichtig optimistisch sein –, bekommt Grado zwei erstklassige Publikumsmagneten, die sich auch noch an ganz unterschiedliche Zielgruppen richten.


So richtig frisch und fertig sieht das Museum noch nicht aus, aber es sind ja auch noch drei Wochen.
Das Meeresmuseum ist, etwa in Verbindung mit dem neu restaurierten Archäologiemuseum von Aquileia, eine Destination für Kulturinteressierte, die Therme wendet sich an Gesundheitsbewusste und Selbstoptimierer. Und Trattorien haben auch noch genügend geöffnet. Wenngleich es gern ein paar mehr sein könnten, aber das ist sehr oft ein Personalproblem – ganz anderes Thema.
Dienstag, 11. November
Klar, dass auch die Strandbar Numero Uno nach dem großen Erfolg des letzten Jahres wieder öffnet, weihnachtlich geschmückt. »Last Christmas« und »Jingle Bells« im Sand, das hat einfach was. Wenn dann auch noch, wie im letzten Jahr, das Wetter mitspielt, wird es ein winterlicher Kantersieg für Grado.

Mittwoch, 12. November
Und auch aus Aquileia gibt es erfreuliche Nachrichten, denn Archäologen haben bei Grabungsarbeiten unter anderem 19 Amphoren aus dem ersten Jahrhundert nach Christus gefunden, also aus der Blütezeit Roms. Der interessantere Fund waren jedoch drei Goldmünzen, die jeweils von den Kaisern Valens, Magnus Maximus und Arcadius geprägt wurden und somit auf das späte 4. Jahrhundert nach Christus datiert werden können, als das Reich schon mächtig schwankte. Es handelt sich um drei sehr seltene Münzen, die vermutlich nicht im Umlauf, sondern möglicherweise kaiserliche Geschenke an Hofangehörige zur Feier besonderer Anlässe waren – was sie noch ein wenig wertvoller macht. Ihr Fundort deutet darauf hin, dass sie dort bewusst vergraben wurden, vielleicht, weil die Besitzer fliehen mussten. Dort soll im kommenden Jahr weiter gesucht werden.



Darf ich vorstellen? Valens, Magnus Maximus, Arcadius.
Tatsächlich hatte ich einmal für ein Buchprojekt geplant, mich auf Schatzsuche zu begeben. Denn die wohlhabenden Aquileianer ließen, so die Legende, auf der Flucht vor Attila zahlreiche Wertgegenstände zurück, angeblich in einem Brunnen, der dann zugeschüttet wurde, doch weil Attila länger als geplant blieb, ging das Wissen um die genaue Lage des Brunnens verloren, und bis heute glauben Menschen fest an einen Schatz. Doch bei meinen Recherchen entdeckte ich, dass ich erstens mitten im Ortsgebiet graben müsste und dass zweitens alle Felder im Privatbesitz sind, und ich wollte ungern mit den Schäferhunden oder den Schrotflinten der Landwirte argumentieren.
Praktischer Tipp für alle, die sich für Archäologie interessieren: Die Grabungen sind öffentlich zugänglich, mehrmals pro Woche gibt es Führungen durchs Gelände, und zweimal im Jahr (vermutlich, wie 2025, im Juni und Oktober), können Interessierte die Archäologen bei »Open Days« ausquetschen.
Donnerstag, 13. November
Hier kommen ein paar Leserstimmen, über die ich mich in dieser Woche sehr gefreut habe.
(»Alle weg«:) Ich habe das Buch gelesen, als ich eine Kur gemacht habe. Es war wunderbar, um mir die Wartezeiten zu versüßen. Kaum hatte ich angefangen zu lesen, saß ich schon nicht mehr im Warteraum, sondern in Pinos Bar, neben Pino, Gianni und Stefan, mit einem Gläschen Wein. Danke, dass du mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hast! Einmal, als mein Namen aufgerufen wurde, muss ich so verdutzt geguckt haben, dass die Dame meinte: »Sie können auch weiterlesen und auf die Massage verzichten, ich störe Sie wohl gerade.« Du bist ein kleiner Magier und schaffst es immer wieder, einen an die Adria zu beamen! Ich kann gar nicht sagen, was mir am besten gefallen hat, wie immer ist alles herrlich. Danke für das Lesevergnügen! – Gudrun
(»Zu Gast in Rom«:) Schockverliebt, heute eingetroffen, konnte nicht mehr aufhören, das Buch zu inhalieren. Tolle Texte, viel Wissenswertes und klasse fotografiert. Bei den Rezepten habe ich schon einiges auf meiner Liste stehen. Ich bin restlos begeistert. – Sabine
(»Meine Bar in Italien«:) Ich bin kein Literaturexperte, sondern nur ein ganz gewöhnlicher Leser. Ich möchte Ihnen mitteilen, dass das Buch ab sofort zu meinem Lieblingsbuch. auserkoren wurde. Es spricht mir von A-Z aus der Seele. Es steht alles drin, was ich bisher immer so für mich gedacht und gefühlt habe. – Bernd
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Und jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende.
Drei neue vorweihnachtliche Termine:
3.12.: St. Veit, Buchhandlung Besold, Signierstunde 16-17 Uhr
4.12.: Salzburg, Buchhandlung Höllrigl, Eintritt frei, Prosecco gibt’s auch
14.12: Bad Radkersburg, Thermalhotel Fontana (offen auch für Nicht-Gäste)
Und das neue Jahr nimmt ebenfalls langsam Form an:
11.5.2026: München, Buchhandlung Singer
12.5.2026: Coburg, Buchhandlung Riemann
18.5.2026: Klagenfurt, Buchhandlung Heyn
19.5.2026: Wien, Konzertcafé Schmid Hansl
12.6.2026: Steyr, Museum Arbeitswelt
Zur letzten Wochenschau mit den ebenso bildhübschen wie gefräßigen Flamingos geht es hier entlang.
Zur Wochenschau mit den spektakulären Urlaubsfotos aus dem Jahr 1909 geht es hier entlang.
Alles über meine Bücher lest ihr hier.
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Die Podcast-Übersicht
Wer kurz reinhören will oder was Bestimmtes sucht: Hier kommt eine Übersicht aller Folgen meines Podcasts Radio Adria, den ihr überall kostenlos hören könnt, ob auf Spotify, Podigee, Apple Podcasts, Audible oder RTL+.
In Folge 14 geht es um Kinder in Restaurants, unfähige Kriminelle und römische Ruinen. Zu Gast ist die Fernsehköchin, Feinkosthändlerin und Buchautorin Stefania Lettini.
In Folge 13 geht es um einen geheimnisvollen Kriminalfall, der bis heute ungelöst ist, aber auch ums Tiramisù. Zu Gast ist Kersten Wetenkamp vom »Feinschmecker«.
In Folge 12 hört ihr von der Polizei gegen spielende Kinder und von einem gestohlenen Rad, das bis nach New York Wellen schlägt. Außerdem ist Genussexpertin Silvia Trippolt zu Gast.
Folge 11 erzählt, warum ein Radfahrer einst das ganze Land rettete und was das »Schwarze Trikot« bedeutet.
Folge 10 dreht sich ums Essen und Trinken, um umkippende Gondeln in Venedig und Overtourism an den Stränden.
In Folge 9 reden wir über das italienische Glück, über zwei kulinarische Skandale (einmal ist Grado im Mittelpunkt), über das größte Bauprojekt in der Geschichte Italiens und was Ferrari so alles fürs Image tut.
Folge 8 dreht sich um den italienischen Aberglauben und einen radikalen Vorschlag, um Venedig zu retten.
In Folge 7 dreht es sich um den perfekten Kaffee und das teuerste Kunstwerk Venedigs.
In Folge 6 betrachten wir das Leben der Fischer und geben Tipps für den Wohnungskauf in Italien.
In Folge 5 geht es um das Reizthema Hund und Tipps für Fischmuffel.
In Folge 4 geht es um das richtige Verhalten in Restaurants und Ausgehtipps in Venedig und Grado.
In Folge 3 geht es um die neue Mode des Apericena und die Archäologie-Verschwörung.
In Folge 2 reisen wir an den italienischen Strand und freuen uns an den kleinen Ritualen.
In Folge 1 reden wir über die Faszination Adria – die nach vielen Jahren plötzlich wieder Trend geworden ist.
