Die Galeere mit den Glasscherben, die Sturmhauben und der Fußballgott: Mediterrane Wochenschau CCLXXX

Hier kommt der einzige Newsletter, der wieder der Lieblingsschwiegersohn seiner Schwiegermutter ist! Denn Signora Mirella, ihr wisst es, ist beinharter AC-Mailand-Fan. Vor ein paar Wochen kam der Niedersachse Niclas Füllkrug als Leihspieler. Und am Sonntag tat er genau das, was Mittelstürmer tun müssen: Er köpfte das Siegtor zum 1:0 gegen Lecce, und alle sind glücklich: Der AC Mailand, die Gazzetta dello Sport, meine Schwiegermutter und ich.

Genießen wir es, so lange es anhält, das kann auch schnell wieder ganz anders laufen.

Bevor wir in die Woche gehen: Zu meiner neuen Podcast-Folge, die ihr zum Beispiel hier oder bei Spotify hören könnt (natürlich überall kostenlos, auch bei Audible, Apple Podcasts oder RTL+), gibt es jetzt Bewegtbilder mit Impressionen aus Grado und Venedig – bei dieser Großwetterlage genau richtig zum Wegträumen. Schaut doch mal bei YouTube vorbei. 

Hafeneinfahrt in Grado: So beginnt mein Video-Podcast.

Es ist vorerst ein Experiment; mal sehen, ob das etwas Regelmäßiges wird. (Schreibt mir gern, was ihr davon haltet.) Ich versuche demnächst, die Videos auch hier einzubinden. Der Podcast für die Ohren geht natürlich weiter, ab Ende März sogar wöchentlich.

Montag, 19. Januar

Das Museum an der Uferpromenade ist offen! Und ich hätte nie gedacht, dass ich diesen Satz je einmal würde schreiben dürfen. Verträumte 39 Jahre hat es gedauert, doch nun können wir im Museum für Unterwasserarchäologie endlich die römische Galeere Iulia Felix bewundern; ich war schon zweimal dort. 

Nach 39 Jahren endlich zu bestaunen.

Was hatte sie geladen: Gold? Wein? Schmuck? Nein: Fischsud und vor allem Glasscherben. Wie, Glasscherben? Ja, das war ein wertvoller Rohstoff, der zu neuem Glas weiterverarbeitet wurde – und das auch preiswerter, als ganz neues Glas zu brennen. Das erklärt uns das Museum. Schaut unbedingt mal vorbei, es lohnt sich.

Dienstag, 20. Januar

Man kann es nicht anders sagen: Der Bürgermeister hat in Grado das schönste Büro von allen, dazu einen riesigen Balkon mit Meerblick, eingerahmt von Schirmpinien und direkt an der Uferpromenade. 

Schönster Arbeitsplatz der Insel.

Aber es gibt ein Problem: Im Rathaus wurde in den 1960er-Jahren mächtig Asbest verbaut. Der soll nun raus. Der gefährliche Stoff, der im Deutschen ja auch fies klingt und an Pest erinnert, heißt auf Italienisch tückisch-liebevoll amianto. Die Umbauten kosten 720.000 Euro, bislang sind aber nur 460.000 Euro aus der Region angekommen. Nun hat man in Triest um eine weitere Finanzspritze gebeten.

Mittwoch, 21. Januar

Aber das große Gesprächsthema bleibt ein anderes: »Kriegen die sich langsam mal ein mit ihrem Turm?«, fragte mich gestern eine Kollegin verblüfft. Nein, der Hotelbau, der für ganz viel Aufregung gesorgt hat, wird immer noch diskutiert, schaffte es gerade zum dritten Mal in die örtliche Tageszeitung, wenn auch dieses Mal nicht auf Seite 1 – und hat besondere Schärfe durch die italienische (Teil-)Übersetzung meiner Kolumne bekommen, die vorsichtig gesprochen, doch ziemlich zugespitzt war. Lukas Moser von der Kleinen Zeitung fasst den aktuellen Stand der Debatte hier zusammen.

Donnerstag, 22. Januar

Heute haben die Arbeiter der Stadt damit begonnen, den Weihnachtsschmuck von den Laternen abzumontieren. Es ist so kalt, dass sie oben auf den Hebebühnen, schutzlos der Bora ausgesetzt, Sturmhauben tragen. Das schaut ziemlich eigenartig aus – als würde man bei den Vorbereitungen zu einem besonders raffinierten Überfall zusehen. Nach den Ereignissen vom Louvre schaut man ja gerade bei Hebebühnen genauer hin.

Zu Niclas Füllkrug fällt mir noch ein: Hier in Grado gibt es überdurchschnittliche viele AC-Mailand-Fans. Der Verein heißt im Italienischen schlicht Milan, der Stadtkonkurrent heißt Inter. Die Liebe zu Milan rührt daher, dass der Gradeser Mario David lange für diesen Verein spielte (und auch in der Nationalmannschaft), und darauf ist man mächtig stolz. Er war auch der zweite Italiener, der bei einer Weltmeisterschaft eine rote Karte bekommen hatte – nur der zweite, um wenige Minuten, nicht der erste –, bei der WM 1962 in Chile gegen die Gastgeber, ein Spiel, das als die »Schlacht von Santiago« in die Sportgeschichte einging. Zuvor hatte ihm ein Chilene mit dem Ellbogen die Nase gebrochen und dafür nur eine Verwarnung bekommen. Ein paar Spielzüge später schlug Mario (»ich konnte nicht anders«) zurück und sah Rot. Ja, es war ein Hauen und Stechen. Mario war auch oft bei Pino, ich habe ihn noch kennengelernt, er verstarb 2005. Sein Sohn Fabrizio ist Tennislehrer auf dem Platz am alten Strand.

Jetzt wünsche ich euch ein schönes Wochenende. Mal sehen, ob die Geschichte mit dem Turm (hier noch mal zum Nachlesen) auch in den nächsten Tagen weitergeht.

Zum Nachhören: Alle Podcast-Folgen von Radio Adria habe ich hier aufgelistet: eine perfekte Begleitung bei der Fahrt in die Arbeit, ins Wochenende oder in den Urlaub. Aber auch beim Kochen, beim Flanieren oder im Fitnessstudio.

Hier kommen die Lesetermine 2026
Freitag, 10. April: Klagenfurt, Podcast-Festival
Samstag, 11. April: Wien, Wiener Ball der Bücher, Palais Niederösterreich
Montag, 11. Mai: München, Buchhandlung Singer
Dienstag, 12. Mai: Coburg, Buchhandlung Riemann
Mittwoch, 13. Mai: Großkarolinenfeld, Voglbuch 
Montag, 18. Mai: Klagenfurt, Buchhandlung Heyn
Dienstag, 19. Mai: Wien, Konzertcafé Schmid Hansl
Mittwoch, 20. Mai: Salzburg oder Graz
Mittwoch, 10. Juni: Hart, Stadtbibliothek
Donnerstag, 11. Juni: Gleisdorf, Buchhandlung Plautz
Freitag, 12. Juni: Steyr, Casinosäle
Freitag, 19. Juni: Wien, Thalia Mitte

Was ist eine »Backlist«? Das ist Verlagssprache für all jene Bücher, die in den letzten Jahren erschienen und auch noch lieferbar sind – die aber nach ihren Wochen oder Monaten der Glorie aus den ersten Reihen der Schaufenster verschwunden sind, um Neuerscheinungen Platz zu machen.
Hier kommt die Maiwald-Backlist meiner Lieblingsbücher. Ihr könnt sie in jeder Buchhandlung oder online bestellen, fast alle auch als E-Book oder Hörbuch.

Das Italien-Prinzip: Warum fasziniert uns dieses Land so sehr? Ein munterer Ritt durch Geschichte und Gegenwart. Hier entlang.
»Maiwald packt mediterranes Lebensgefühl zwischen zwei Buchdeckel.« – Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung
Meine Bar in Italien: Amüsante Lebenshilfe aus Pinos Enoteca, darunter mit dem heimlichen Helden Bruno und seiner Art zu arbeiten. Hier entlang.
»Ein wunderbar wärmendes Buch.« – Der Standard
Die Spaghetti-vongole-Tagebücher: Kultur & Kulinarik: eine turbulente kulinarische Reise von Venedig nach Triest, mit Tipps und Rezepten. Hier entlang.
»Endlich mal wieder ein echtes Feel-Good-Buch, das so richtig Lust auf Italien, seine Küche und den Sommer macht.« – Die Steirerin

Mein Leben am Strand: Sonnenstunden am Spülsaum, italienische Rituale, Begegnungen. Das Dolce Vita in Reinform. Hier entlang.
»Stefan Maiwald schreibt die Leichtigkeit in unser Leben.« – Oberösterreichische Nachrichten
Alle weg: verblüffende Einblicke: ein Winter an der Adria, wenn die Einheimischen unter sich sind. Eine Abenteuerreise in ein ganz fremdes Land. Hier entlang.
»Unterhaltsam und kurzweilig und macht Lust auf einen Ausflug nach Grado.« – Kronen Zeitung
Lezioni Italiane: Die Übersetzung des Italien-Prinzips. Ein wunderbares Geschenk für italienische Freunde – oder für all jene, die Italienisch lernen wollen.

Übrigens: Schreibt mir doch mal, welches Cover ihr am schönsten findet. Ich bin gespannt!

In den Links zu den Büchern verweise ich auf Amazon, aber ihr bekommt die Bücher natürlich überall online – und in eurer Lieblingsbuchhandlung sowieso.

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