Hier kommt der einzige Newsletter, der sich so richtig auf die neue Saison freut! Ja, es war (und ist) ein echter Kaltstart, aber ich hoffe, dass ihr zumindest innerlich schon bereit für die mediterrane Frühlingssonne seid.
Ich helfe dabei, wo es geht, ist doch klar – mit dieser Wochenschau (der 281. Ausgabe, kaum zu glauben) und mit Podcast-Folge Nummer 20 von Radio Adria, die morgen rauskommt. Dort verrate ich meine zehn absoluten Lieblingsorte in Grado, außerdem erkläre ich, was Donald Trump mit dem Eurospar-Supermarkt am Kreisverkehr zu tun hat. Hört rein, wo immer es Podcasts gibt, zum Beispiel bei Podigee oder Spotify, aber auch bei Apple Podcasts, RTL+ oder Audible – überall kostenlos.
Ach ja, und als Letztes: NTV hat einen wunderbaren Artikel über Pinos Bar, »Alle weg« und Leles Gulasch geschrieben – mit Rezept! Der Autorin hat es jedenfalls geschmeckt.
Montag, 26. Januar
Autsch, das tut schon beim Hinschauen weh: Sieben Pinien am Beginn der Fußgängerzone mussten dran glauben, und ich bekam entsetzte Nachrichten von Leserinnen und Lesern. Was ist denn da los?

Jeder Mensch mit Verstand ist gegen das Fällen von Bäumen – und Schirmpinien sind ja sowieso die prächtigsten Bäume von allen. Allein schon deswegen, weil sie eben dort wachsen, wo wir Urlaub machen.
Pinien neigen zwar zum Tiefwurzeln, können sich aber auch seitlich ausbreiten, wenn der Boden nicht mehr hergibt. Was wohl jeder Urlauber weiß, der schon mal auf einem von Pinien beschirmten mediterranen Campingplatz in der Nacht zur Gemeinschaftstoilette stolpern musste.
Bei der Aktion hat die Stadtverwaltung an die Sicherheit ihrer Bürgerinnen und Bürger denken müssen. Die Wege dort vorn waren wirklich gefährliche Stolperfallen geworden, und was jungen Leuten allenfalls ein Lächeln abringt, kann für eine 80-Jährige dramatische Folgen haben. Sicherheit geht in diesem Fall vor, so schmerzhaft das auch ist.
Allerdings müsste es eine Vereinbarung geben, für jeden gefällten Baum einen oder gar zwei neue zu pflanzen. Keine Schösslinge, sondern schon einigermaßen ausgeprägte Gewächse. Vielleicht könnte man ja auch über Baumpatenschaften nachdenken, da wäre so mancher Urlauber oder Zweitwohnsitzbesitzer bestimmt dabei.
Dienstag, 27. Januar
Grado überaltert: Rund 1000 der 7439 Einwohner sind über siebzig. Sogar Don Paolo schlägt nun Alarm und beklagt die Perspektivlosigkeit für junge Paare. »Es droht eine Zukunft als reines Saisonziel«, befürchtet der Kirchenmann.
Das Schicksal aussterbender Küstenorte, ob an der Adria oder sonstwo in Italien, ist für uns auf den ersten Blick immer etwas eigenartig: Warum wollen denn so viele aus diesen Postkartenidyllen fortziehen?

Tja, es ist der berufliche und ökonomische Druck. Wer in Grado oder ähnlich hübschen touristischen Zielen kein Hotel oder Restaurant erbt, hat wenig Auswahlmöglichkeiten: Akademische Berufe sind rar, Aufstiegsmöglichkeiten sind begrenzt. Industrie gibt es nur in Udine, Monfalcone und Triest. Den harten Beruf des Fischers will keiner mehr machen, auch als Koch mag niemand mehr arbeiten – obwohl ein Koch in der Saison durchaus zu den Gutverdienern gehört. Aber Kochen bedeutet eben auch: 16-Stunden-Tage ohne Pause. Bedienungen, Rezeptionistinnen und Reinigungspersonal werden ebenfalls gesucht, aber das sind auch nicht gerade Traumberufe, nach denen sich die Jugend verzehrt. Apropos Jugend: Dass Italien eine der niedrigsten Geburtenraten Europas hat und generell rapide altert, hilft nicht.
In Grado kommt hinzu, dass die Wohnungspreise in die Höhe geschossen sind. Junge Gradeser haben es auf dem Markt schwer, und viele Neubauten richten sich dezidiert an Wohlhabende aus dem Um- und Ausland. Und die Gradeser müssen nach Aquileia, Cervignano oder Fiumicello ausweichen, wo es noch bezahlbare Wohnungen gibt. Was zu einer Verwaisung der Insel führt, zu schließenden Schulen, Arztpraxen und Geschäften – ein Schicksal, das in Venedig bereits gut zu beobachten ist. Eine politische Forderung lautet, für junge Einheimische beim Hauskauf die Steuern zu senken oder solche Käufe mit Zuschüssen und vergünstigten Krediten zu fördern. Aber das ist eben eine Geldfrage, und Geld ist überall sehr, sehr knapp.
Mittwoch, 28. Januar
Gerade bastle ich an einem Newsletter mit allen Neuigkeiten aus Grado im Jahr 2026, damit ihr euch schon mal freuen und auch besser planen könnt. Ich schicke ihn Anfang März raus, weil erst dann viele Termine für die Events des Jahres feststehen werden.
Bei den Geschäften tut sich – leider – am meisten, was einerseits mit der Überalterung (siehe oben) zu tun hat, andererseits kein spezifisches Grado-Problem ist. In den letzten Monaten haben mehrere Einzelhändler aufgegeben, darunter das Papierwaren- und Zeitschriftengeschäft neben der Bar Hemingway, zwei Boutiquen und das kunterbunte Krimskrams-Geschäft Cose di Casa in der Via Carducci. Der kleine Supermarkt am Eck, ebenfalls in der Via Carducci, wird vermutlich ebenfalls nicht mehr aufsperren. Das berühmte Café Odeon macht dicht, wird aber vermutlich unter neuer Leitung weitermachen.
Und schon jetzt gibt es ja reichlich Leerstand in der Fußgängerzone. Ob diese Entwicklung mit dem zunehmenden Online-Handel überhaupt reversibel ist? Schwer zu sagen.
Manche italienische Orte hatten die Idee, aus den Läden kleine Kulturzentren zu machen, beispielsweise Künstlerinnen und Künstler einzuladen, die in den Läden ihre Werke ausstellen und damit in der Saison erstens für eine Belebung sorgen und zweitens auch den Touristen etwas bieten. Eine schöne Idee, vor deren Umsetzung allerdings ein paar bürokratische Kraftakte stehen.
Donnerstag, 29. Januar
Da beklagen sich alle über die Überalterung, und dann lässt es die Jugend mal krachen, und das ist auch wieder nicht recht. Ein 20-jähriger Österreicher ging nämlich vor ein paar Tagen am Strand spazieren. Und zwar komplett nackt. Außerdem telefonierte er munter, und als ihn die Polizisten stellten, beschimpfte und bespuckte er sie. Die Polizisten legten ihm Handschellen an und verfrachteten ihn ins Gefängnis nach Gorizia. Er sei alkoholisiert gewesen, vermutet die Presse, aber ich vermute, da müssen noch andere Substanzen im Spiel gewesen sein. Denn man kann nicht gleichzeitig so betrunken sein, dass man sich in der Öffentlichkeit die Kleidung vom Leib reißt – und andererseits so wenig betrunken, dass man noch geradeaus laufen, telefonieren und Widerstand gegen die Staatsgewalt leisten kann.
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Jetzt wünsche ich euch ein schönes Wochenende. Nächste Woche erzähle ich euch von der rätselhaften Einbruchsserie in Grado und von meinem neuen Buch. Wer schon mal kurz schauen will – hier entlang.
Zum Nachhören: Alle Podcast-Folgen von Radio Adria habe ich hier aufgelistet: eine perfekte Begleitung bei der Fahrt in die Arbeit, ins Wochenende oder in den Urlaub. Aber auch beim Kochen, beim Flanieren oder im Fitnessstudio. Und wer es gern mit Bildern sieht: Hier kommt der Podcast auf YouTube mit munterem Grado-Filmmaterial aus den letzten Wochen.
Hier kommen die Lesetermine 2026
Freitag, 10. April: Klagenfurt, Podcast-Festival
Samstag, 11. April: Wien, Wiener Ball der Bücher, Palais Niederösterreich
Montag, 11. Mai: München, Buchhandlung Singer
Dienstag, 12. Mai: Coburg, Buchhandlung Riemann
Mittwoch, 13. Mai: Großkarolinenfeld, Voglbuch
Montag, 18. Mai: Klagenfurt, Buchhandlung Heyn
Dienstag, 19. Mai: Wien, Konzertcafé Schmid Hansl
Mittwoch, 20. Mai: Salzburg oder Graz
Mittwoch, 10. Juni: Hart, Stadtbibliothek
Donnerstag, 11. Juni: Gleisdorf, Buchhandlung Plautz
Freitag, 12. Juni: Steyr, Casinosäle
Freitag, 19. Juni: Wien, Thalia Mitte
Übrigens: Herzlichen Dank an euch. Denn fast alle von euch haben ein Buch von mir gekauft, vielleicht sogar mehrere. Jeder eurer Käufe hilft mir dabei, diesen Newsletter weiter zu machen. Und wir gehen ja stramm auf die dreihundertste Ausgabe zu! Das ist alles auch euer Verdienst.



Das Italien-Prinzip: Warum fasziniert uns dieses Land so sehr? Ein munterer Ritt durch Geschichte und Gegenwart. Hier entlang.
»Maiwald packt mediterranes Lebensgefühl zwischen zwei Buchdeckel.« – Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung
Meine Bar in Italien: Amüsante Lebenshilfe aus Pinos Enoteca, darunter mit dem heimlichen Helden Bruno und seiner Art zu arbeiten. Hier entlang.
»Ein wunderbar wärmendes Buch.« – Der Standard
Die Spaghetti-vongole-Tagebücher: Kultur & Kulinarik: eine turbulente kulinarische Reise von Venedig nach Triest, mit Tipps und Rezepten. Hier entlang.
»Endlich mal wieder ein echtes Feel-Good-Buch, das so richtig Lust auf Italien, seine Küche und den Sommer macht.« – Die Steirerin



Mein Leben am Strand: Sonnenstunden am Spülsaum, italienische Rituale, Begegnungen. Das Dolce Vita in Reinform. Hier entlang.
»Stefan Maiwald schreibt die Leichtigkeit in unser Leben.« – Oberösterreichische Nachrichten
Alle weg: verblüffende Einblicke: ein Winter an der Adria, wenn die Einheimischen unter sich sind. Eine Abenteuerreise in ein ganz fremdes Land. Hier entlang.
»Unterhaltsam und kurzweilig und macht Lust auf einen Ausflug nach Grado.« – Kronen Zeitung
Lezioni Italiane: Die Übersetzung des Italien-Prinzips. Ein wunderbares Geschenk für italienische Freunde – oder für all jene, die Italienisch lernen wollen.
In den Links zu den Büchern verweise ich auf Amazon, aber ihr bekommt die Bücher natürlich überall online – und in eurer Lieblingsbuchhandlung sowieso.
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