Nudelkriege, Riesenprojekte, Diebstahl beim Kicken: Mediterrane Wochenschau CCCLXXIII

Hier kommt der einzige Newsletter, der sich zwar grundsätzlich über Lesewetter freut. Allerdings war es in Grado in den letzten Wochen so verregnet wie selten. Egal, jetzt folgt jede Menge Sonne, zumindest virtuell. 

Vorab: Morgen, Samstag, erscheint meine neue Podcast-Folge. Unter anderem mit der Wahrheit über die Pizza Hawaii! Und habt ihr schon in die aktuelle Folge reingehört? Dort nenne ich meine zehn Lieblingsorte in Grado – da ist bestimmt auch für Insider wie euch noch was dabei.

Und am Dienstag bekommt ihr Extrapost von mir, wundert euch nicht.

Jetzt aber rein in die Woche.

Montag, 9. Februar

Da entsteht was Großes. Die Frage ist nur: Entsteht da auch was Gutes? Auf dem gewaltigen Areal »Grado 3« zwischen Città Giardino und Grado Pineta sollte ja schon vor vielen Jahren ein komplett neues Stadtviertel wachsen, mit mehreren Hotels und 400 Wohnungen in möglichst ökologischer Bauweise und auch mit ganz viel Grün; so sah es jedenfalls auf den Zeichnungen der Architekten aus. Investoren standen bereit, die Genehmigungen waren da – aber der damalige Bürgermeister sowie Umweltschutzgruppen stellten sich quer und konnten das Projekt tatsächlich verhindern. (»Siehste«, hätte meine Oma gesagt, »wenn man‘s will, geht‘s dann doch.«) Dass so einige Genehmigungen nicht ganz sauber waren, laut Pressemeldungen sogar gefälscht, tat ein Übriges.

So sehen es Architekten. Aber die verschönern auf ihren Renderings ja immer gern.

Das vorläufige Scheitern von »Grado 3« hat so manchen Investor zur Strecke gebracht, das Areal fiel an die Bank. Die will das Gelände samt Genehmigungen nun versteigern, Mindestpreis: 64,5 Millionen Euro. Interessenten soll es bereits geben.

Eine gute Nachricht? Schwer zu sagen. Viele in Grado befürchten die cementificazione – die »Zubetonierung« der Insel mit Bettenburgen. Außerdem stellt sich die Frage, ob die Infrastruktur unserer Insel ein komplettes neues Viertel verkraftet. Andererseits: Wohnraum ist ein knappes Gut in Grado, vor allem für die Einheimischen. Und der jahrelange Anblick des wildwuchernden, von zerfetzten Plastikplanen umzäunten Geländes hat auch bei niemandem für gute Stimmung gesorgt.

Aber in diesem Moment ist alles Kaffeesatzleserei: Wir müssen auf das neue Projekt warten – und auf die Vorgaben aus dem Rathaus.

Dienstag, 10. Februar

Die Einbruchsserie, die glücklicherweise vorbei ist, sorgt noch immer für Gesprächsstoff – da kommt es schon wieder zu einem kleinkriminellen Vorfall. Denn den Spielern des Gradeser Hallenfußball-Teams wurden während des Trainings die Geldbörsen aus der Umkleidekabine geklaut.

Dabei wissen wir doch noch aus unseren Straßenfußballzeiten: Einer, fast immer der dicke Torwart, muss das Geld von allen im Turnbeutel bei sich am Pfosten haben.

Der finanzielle Schaden ist mit insgesamt 300 bis 400 Euro überschaubar, das Nervige sind die gestohlenen Dokumente, deren Wiederbeschaffung immer ein bürokratischer Albtraum ist. Die Überwachungskameras zeigen einen sehr jungen Mann, dunkel gekleidet, der die Turnhalle durch einen Seiteneingang betreten und hastig wieder verlassen hat – die Carabinieri ermitteln.

Mittwoch, 11. Februar

Zu Wasser macht’s einfach am meisten Spaß, und umweltschonender ist es auch noch: Die Schiffslinien rund um Grado werden fleißig ausgebaut, und zwar schon ab dieser Saison. Die Region hat ordentlich Geld in die Hand genommen – 37 Millionen Euro –, damit nicht mit einzelnen Passagen rumgekleckert wird, sondern endlich mal ein verbindlicher Fahrplan entsteht. Es wird drei Hauptlinien geben, nämlich von Lignano über Grado bis Triest, von Grado bis Lignano und von Grado bis Aquileia. Das zauberhafte Duino wird auf der Hauptlinie ebenfalls angefahren. Die große Linie bis Triest beginnt am 25. April, die weiteren Linien Ende Mai. Schluss ist Anfang Oktober beziehungsweise Ende September. Die Schiffe sind barrierefrei, die Mitnahme von Rädern ist ebenfalls erlaubt. Und: Der Fahrplan gilt bis 2030.

Nur auf die Verbindung nach Venedig müssen wir weiterhin warten – warum, erkläre ich nächste Woche.

Donnerstag, 12. Februar

Meine Podcast-Hörer und ich sind gewissermaßen live Zeugen einer gewaltigen und globalen Nudel-Umwälzung geworden. Denn ich hatte in Folge 16 berichtet, dass den US-Amerikanern die Nudeln ausgehen, weil Donald Trump die italienischen Hersteller mit Strafzöllen von über 100 Prozent belegt hatte. Dabei erfuhr ich auf CNN, dass die beliebteste Nudelfirma in den USA nicht Barilla oder De Checco oder sonst einer der großen Namen ist, sondern La Molisana, die zumindest hier in Norditalien kaum jemand kennt.

Tja, und eine Woche später stehe ich in Grado im Eurospar-Supermarkt, und beinahe das komplette Nudelregal ist mit La Molisana bestückt – irre! Ich fragte im Podcast, ob das in Österreich nun auch der Fall sei, und tatsächlich schickten mir Hörerinnen Fotos von La-Molisana-Nudeln, die auch sie nie vorher im Regal gesehen hätten.

Es ist offensichtlich: Die Firma hat ihr Marketing-Budget umgeschichtet und investiert ordentlich in Europa. Ich habe jedenfalls zugeschlagen, und die Familie war zufrieden.

Jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende – morgen, Samstag, bekommt ihr eine neue Podcast-Folge. Und am Dienstag gibt es Extrapost zu meinem neuen Buch, mit einer tollen Verlosungsaktion!

Zum Nachhören: Alle Podcast-Folgen von Radio Adria habe ich hier aufgelistet: eine perfekte Begleitung bei der Fahrt in die Arbeit, ins Wochenende oder in den Urlaub. Aber auch beim Kochen, beim Flanieren oder im Fitnessstudio.

Hier kommen die Lesetermine 2026

Freitag, 10. April: Klagenfurt, Podcast-Festival
Samstag, 11. April: Wien, Wiener Ball der Bücher, Palais Niederösterreich
Montag, 11. Mai: München, Buchhandlung Singer
Dienstag, 12. Mai: Coburg, Buchhandlung Riemann
Mittwoch, 13. Mai: Großkarolinenfeld, Voglbuch 
Montag, 18. Mai: Klagenfurt, Buchhandlung Heyn
Dienstag, 19. Mai: Wien, Konzertcafé Schmid Hansl
Mittwoch, 20. Mai: Salzburg oder Graz
Mittwoch, 10. Juni: Hart, Stadtbibliothek
Donnerstag, 11. Juni: Gleisdorf, Buchhandlung Plautz
Freitag, 12. Juni: Steyr, Casinosäle
Freitag, 19. Juni: Wien, Thalia Mitte

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