Das Schiffsunglück, das schnellste Tor, Carbonara in 15 Variationen: Mediterrane Wochenschau CCLXXXV

Hier kommt der einzige Newsletter, der mit euch so langsam in die Saison einbiegt! Immer mehr Hotels und Trattorien öffnen, im Stralonga gibt es wieder meinen geliebten Vorspeisenteller, und in der Pasticceria Dolce Isola werden wieder jeden Sonntag Krapfen gebacken (unbedingt vorbestellen). Und: Eisvizeweltmeister Antoniazzi macht auch bald wieder auf, ich habe seine Frau schon durch Grado radeln sehen.

Alles dabei: köstlich!
Schmeckt zu jeder Tageszeit.

Bevor wir in die Woche einsteigen: Morgen, Samstag, kommt Podcast-Folge 22 raus, zu Gast habe ich die wunderbare Pianistin Elisa Rumici aus Grado, die uns ihre Tipps verrät. Außerdem dabei: ein wildgewordenes Motorboot in Venedig und eine Top-Ten-Liste rund um den italienischen Kaffee.

Und eine letzte Bitte, bevor wir loslegen: Bestellt mein neues Buch vor, würde mich riesig freuen! Unter allen Vorbestellern verlose ich 15 dieser streng limitierten Tassen.

Montag, 23. Februar

Unser Fußballverein Gradese Calcio macht in ganz Italien Schlagzeilen, leider aus den falschen Gründen: Er hat nämlich eines der schnellsten Tore der Fußballgeschichte kassiert. Direkt vom Anstoß, also mit dem zweiten Ballkontakt, zimmerte der Gegenspieler den Ball über unseren verdutzten Torwart ins Netz. Das hat gestoppte 5 Sekunden gedauert.

Umso bitterer: Es blieb bis zum Ende beim 0:1, obwohl Grado mit aller Macht aufs gegnerische Tor drängte. Hätte man’s vorher gewusst, hätten alle nach 89 Minuten und 55 Sekunden nach Hause gehen können. 

Dienstag, 24. Februar

Jetzt kommt es also doch zum Prozess wegen der Beinahe-Katastrophe – wer hätte das gedacht? Wir erinnern uns: Am 12. Juni 2024 geriet das Schiff »Audace« auf dem Weg von Grado nach Triest mit achtzig Menschen an Bord vier Kilometer vor der Küste in Seenot. (In meinem Jahresrückblick 2024 könnt ihr die Ereignisse noch einmal genau nachlesen.) Einige Leserinnen und Leser dieses Newsletters waren ebenfalls an Bord. Die Sache ging einigermaßen glimpflich aus, aber der Schreck wirkt bei vielen bis heute nach. Und die beschädigten E-Bikes hat auch noch niemand ersetzt. Nun hat die Staatsanwaltschaft von Gorizia tatsächlich Anklage gegen den Reeder, den Schiffbauingenieur, den Projektberater und den Kapitän erhoben. 

Bis es wirklich zum Prozess – oder gar zu einem Urteil – kommt, werden sicher noch viele Monate vergehen. Hier bleibt ihr auf dem Laufenden.

Mittwoch, 25. Februar

Noch einmal zu der Strafzettelzählung 2025 von letzter Woche: Viele Verkehrskontrollen rund um Grado werden von den Carabinieri durchgeführt, die zudem oft außerhalb stationiert sind, etwa in Monfalcone, deswegen werden diese Vergehen in den Grado-Statistiken nicht erfasst. Und ganz wichtig: Carabinieri sind keine Polizisten, sondern eine Militäreinheit. Wer sich mit seinem Speisekartenitalienisch aus einem Strafzettel herausquasseln will, sollte die Damen und Herren in Schwarz auf keinen Fall als poliziotti titulieren.

Ein befreundeter Carabiniere, derzeit auf Auslandsmission in Südamerika als Sicherheitsmann in der italienischen Botschaft (gibt fette Zuschläge), setzt seine Berufsehre besonders radikal durch, wie er mir einmal erzählte. Wenn österreichische Kinder freudig auf ihn zeigen und »Polizist« rufen, dann beugt er sich herab und flüstert ihnen zu: »Übrigens: Den Weihnachtsmann gibt es nicht.«

Er meinte das nur im Spaß. Hoffe ich jedenfalls.

Donnerstag, 26. Februar

Vor ein paar Monaten ist ja unser Buch »Zu Gast in Rom« erschienen – Stefan Fischer von der Süddeutschen Zeitung hat nun eine besonders nette Rezension veröffentlicht, danke dafür!

»Autor Stefan Maiwald und Fotograf Andrea Di Lorenzo stromern durch die Restaurants, Osterien, Weinbars und Bäckereien der Stadt, auf der Suche nach gutem Essen und guten Getränken an gemütlichen Orten. Sie kommen ins Gespräch mit den Wirten und Köchen, die immer auch ein oder zwei Rezepte zur Verfügung stellen, die in dem Buch ebenfalls abgedruckt sind.
Es geht immer wieder auch um die gehobene und sogar die Spitzengastronomie. Vor allem aber geht es Maiwald um das Besondere – um besondere Qualität, um Geschmack, um Genuss. Und nicht bloß ums schlichte Sattwerden. So gibt es in Rom mancherorts raffiniertes Streetfood, das man nicht an jeder Ecke bekommt. Oder ein Restaurant, „Eggs“, in dem Carbonara in 15 Varianten angeboten wird. Man findet auch Läden, die gute Hausmannskost anbieten, gebratene Kutteln zum Beispiel und geschmorten Schweinebauch. Sie plädieren dafür, sich Zeit zu nehmen, auch wenn man nur wenige Tage in der Stadt ist. Sich treiben zu lassen, offen zu sein für spontane Entscheidungen und für Verlockungen, die des Wegs kommen. Anstatt einen Plan abzuarbeiten. Weshalb sie richtigerweise darauf verzichten, selbst Routen vorzuschlagen oder auch nur darauf hinzuweisen, dass, wenn man schon mal hier sei, man gleich auch noch dorthin solle. Vielmehr versetzen sie ihre Leserinnen und Leser in eine Stimmung, in der man einen Rom-Besuch vollauf genießen kann. Weil man seine Orte schon finden wird, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt läuft, anstatt stets nur in Bewertungsapps zu glotzen.«

Jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende!

Hier kommen die aktualisierten Lesetermine.

Freitag, 10. April: Klagenfurt, Podcast-Festival
Samstag, 11. April: Wien, Wiener Ball der Bücher, Palais Niederösterreich
Montag, 11. Mai: München, Buchhandlung Singer
Dienstag, 12. Mai: Coburg, Buchhandlung Riemann
Mittwoch, 13. Mai: Großkarolinenfeld, Voglbuch 
Montag, 18. Mai: Klagenfurt, Buchhandlung Heyn
Dienstag, 19. Mai: Wien, Konzertcafé Schmid Hansl
Mittwoch, 20. Mai: Graz, Buchhandlung Büchersegler
Mittwoch, 10. Juni: Hart, Stadtbibliothek
Donnerstag, 11. Juni: Gleisdorf, Buchhandlung Plautz
Freitag, 12. Juni: Steyr, Casinosäle
Freitag, 19. Juni: Wien, Thalia Mitte