Hier kommt der einzige Newsletter, der immer noch ein bisschen friert. Die Gradeser sagen: Solange du den Schnee auf den Berggipfeln siehst, bleibt es kühl. Das liegt nicht nur am Schnee selbst, sondern auch an der Fernsicht – die ja erst von der kalten Bora ermöglicht wird. Egal, Pullover über und rein in die Woche!
Vorab: Morgen gibt es eine neue Podcast-Folge – mit ganz viel Venedig, Lignano, Jesolo, Grado und Triest. Und: Ab jetzt ist der Samstag Dolce-Vita-Tag, denn nun gibt es Radio Adria jede Woche! Ich freue mich riesig.
Und: Die Kaffeetassen sind da! Ihr wisst ja, da läuft eine große Verlosungsaktion, seid dabei.

Die wichtigsten Themen in dieser Ausgabe:
- das neue Fußballstadion
- nie mehr Waldbrände!
- die Antibabypille für Tauben
- Grados Kunst in Salzburg
Montag, 23. März
Das Fußballstadion von Grado gehört zu den Orten mit der schönsten Aussicht – da kommt kaum eine andere Sportstätte mit. Von der Tribüne blickt man über die Lagune bis nach Barbana. Ab und zu landet auch mal ein Befreiungsschlag im Wasser.

Und viele Jahre lang war der Blick auf die Lagune auch interessanter als der Blick aufs Spielfeld. Aber in diesem Jahr spielt Gradese Calcio, übrigens in den Farben rot-weiß wie Österreich, richtig gut, und Fans und Spieler träumen vom Aufstieg. Vor zwei Wochen gab es gar einen 10:0-Sieg, in dieser Woche allerdings mit einem Unentschieden gegen ein Mittelfeldteam einen kleinen Dämpfer. Und dass man im letzten Monat eines der schnellsten Tore überhaupt kassierte (nach fünf Sekunden senkte sich der Ball direkt nach dem Anstoß hinter dem verdutzten Torwart ins Netz) und wegen dieses einen Tors auch noch verlor, schmerzt nach wie vor.
Egal, Sportler müssen immer nach vorn blicken. Denn man hat große Pläne, nicht nur den Aufstieg in die nächsthöhere Liga: Auch das Stadion soll schöner werden. Die Tribüne und auch die Umkleideräume sind in einem miesen Zustand, und lange stand die Idee im Raum, ein komplett neues Stadion zwischen Città Giardino und Grado Pineta zu errichten.
Doch nun bleibt man beim alten Standort. Gut so. Und man nimmt ordentlich Geld für die Verschönerung in die Hand. Gleich nach Saisonende hat die Gemeinde, der das Stadion gehört, grünes Licht gegeben – so spontan, dass ein lange geplantes Freundschaftsspiel gegen eine österreichische Auswahl, das nach der Saison steigen sollte, abgesagt wurde. Dabei waren die Hotelzimmer schon gebucht – etwas ärgerlich für die Organisatoren. Aber so ist Italien: Seit 2012 war die Stadionrenovierung geplant, dann passierte lange nichts – und auf einmal geht es dann doch ganz schnell
Immerhin 3,5 Millionen Euro fließen in die Restaurierung, teilweise übrigens aus EU-Mitteln. Also können wir alle uns ein wenig als Bauherren fühlen. Die Tribüne soll komplett erneuert und überdacht werden, auch die Umkleideräume werden erneuert, möglicherweise wird es auch einen Kraftraum geben. Und das Spielfeld bekommt eine Bewässerungsanlage.
Über die Qualität der Stadionbratwurst schweigen wir höflich. Aber manchmal ist es auch in Italien nicht wichtig, was man isst, sondern wo und mit wem.
Mein kuriosestes Erlebnis im Stadion: Ein Spieler bekam eine rote Karte wegen Gotteslästerung. Hier könnt ihr es nochmal nachlesen.
Dienstag, 25. März
Am Flughafen von Triest beschlagnahmten Beamte bei einem Slowenen 1400 Dosen Sildenafil. Das ist der Wirkstoff aus Viagra. Und Grado geht gewissermaßen den umgekehrten Weg, denn die Stadt leidet unter einer Taubenplage. Vor allem der historische Stadtkern ist stark betroffen. Dort sammeln sich besonders viele Tiere, weil sie leicht Nahrung finden und zahlreiche Nistplätze vorhanden sind. Klar, die alten Gemäuer bieten da viel an. Die Gemeinde hat deshalb beschlossen, die Population zu verringern. Dafür stehen 7000 Euro zur Verfügung. Beauftragt wurde eine Spezialfirma aus Udine.
Der Ansatz ist ungewöhnlich: Statt die Tauben zu vertreiben oder zu töten, setzt man auf Geburtenkontrolle. Den Vögeln wird spezielles Futter verabreicht, das ein Mittel enthält, das ihre Fortpflanzung einschränkt. Dadurch sollen nach und nach weniger Jungtiere schlüpfen – und die Population langfristig sinken.
Mittwoch, 25. März
Gute Nachrichten aus Gorizia. Dort wird bald ein neues Flugzeug gebaut, 1200 Arbeitsplätze sollen entstehen. Es ist ein Löschflugzeug, das in nur drei Sekunden zwölf Tonnen Wasser über einem Waldbrand abwerfen kann. Passenderweise heißt der Neuling »Waterfall«. Er ist leistungsfähiger, präziser und vielseitiger als alles, was bisher im Einsatz ist. Ziel ist es, den inzwischen veralteten Klassiker zu ersetzen: den Canadair, der in den 1960er-Jahren entwickelt wurde. Bis heute ist er eines der wichtigsten Flugzeuge im Kampf gegen Waldbrände. Doch viele Maschinen sind mittlerweile alt, Ersatzteile werden knapp, das technische Know-how geht teilweise verloren. Während ein Canadair etwa 6.000 Liter Wasser transportieren kann, schafft das neue Flugzeug 12.000 Liter. Ein weiterer Vorteil: Es kann auf sehr kurzen Strecken starten und landen – teilweise schon nach rund 500 Metern. Dadurch kann es auch aus kleinen Seen oder Wasserreservoirs Wasser aufnehmen. Die Maschine soll außerdem bis zu neun Stunden in der Luft bleiben können und dank Wärmebildkameras auch nachts Brände bekämpfen. Waterfall wird gebraucht im Kampf gegen immer häufigere und intensivere Waldbrände, die uns im Hinterland der Adria ja öfter zu schaffen machen.
Donnerstag, 26. März
Nächste Woche berichte ich euch von der wilden neuen Initiative der verriegelten Mülltonnen, die nur mit App und QR-Code zu öffnen sind.
Aber viel lieber möchte ich euch Dino Facchinetti vorstellen, einen ganz wunderbaren Künstler aus Grado. Der stellt noch bis Mitte April im Salzburger Franziskanerkloster aus, schaut euch seine beeindruckenden Werke an.

Ich komme erst Ende September oder Anfang Oktober nach Salzburg, aber dann geht es richtig rund – wir sind da an einer ganz großen Veranstaltung dran.
Jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende!
Zu allen Podcast-Folgen geht es hier entlang.
Alles über das neue Buch im Mai – bitteschön.
Und hier kommen die aktualisierten Lesetermine.
Freitag, 10. April: Klagenfurt, Podcast-Festival
Samstag, 11. April: Wien, Wiener Ball der Bücher, Palais Niederösterreich
Montag, 11. Mai: München, Buchhandlung Singer
Dienstag, 12. Mai: Coburg, Buchhandlung Riemann
Mittwoch, 13. Mai: Großkarolinenfeld, Voglbuch
Montag, 18. Mai: Klagenfurt, Buchhandlung Heyn
Dienstag, 19. Mai: Wien, Konzertcafé Schmid Hansl
Mittwoch, 20. Mai: Graz, Buchhandlung Büchersegler
Mittwoch, 10. Juni: Hart, Stadtbibliothek
Donnerstag, 11. Juni: Gleisdorf, Buchhandlung Plautz
Freitag, 12. Juni: Steyr, Casinosäle
Freitag, 19. Juni: Wien, Thalia Mitte
Ende September: Salzburg! (Wir sind gerade am Organisieren)
