Hier kommt der einzige Newsletter, der es nicht fassen kann! Und ich wollte vor dem Spiel sogar noch ein paar Euro auf Italien als Weltmeister (!) setzen, weil alle so pessimistisch und die Quoten daher günstig waren, nämlich 35:1.

Am Tag des Spiels hatte ich Christian vom Strandkiosk Al Faro getroffen. Er unkte: »Wir werden verlieren, weil einer von uns Rot bekommen wird.« Genau so ist es gekommen. Und eine Leserin schrieb mir: »Jetzt ist die schönste Nationalhymne schon wieder nicht dabei.« Stimmt. Egal, wir wünschen den Italienerinnen und Italienern einen entspannten Sommer ohne Stress und dafür mit viel Sprizz. Jetzt aber rein in die Woche!
Was erwartet euch?
- kein Käufer für Grados teuersten Baugrund (86 Millionen Euro)
- eine sehr gute Idee (Wasser für alle)
- eine sehr schlechte Idee (verriegelte Mülltonnen)
- und im Donnerstags-Eintrag bekommt ihr von mir eine wichtige Nachricht in eigener Sache
Zuvor noch: Morgen kommt die neue Podcast-Folge raus – ein Pasta-Special rund um die Nudel!
Montag, 30. März
Die erste Auktionsrunde ging schon mal in die Hose: Das Areal Grado 3 zwischen Città Giardino und Pineta fand keine Käufer. Dabei hieß es vor Auktionsbeginn, angeblich hätten sich bereits Interessenten gemeldet, die das Gelände für stattliche 86 Millionen Euro kaufen wollten. Was man eben so sagt, um die Sache spannender zu machen. In der zweiten Auktionsrunde wird nun ein Startpreis von 68,8 Millionen Euro angesetzt.
Falls jemand von euch Interesse hat: Dafür bekommt ihr knapp 270.000 Quadratmeter Grund (etwa 38 Fußballfelder) mit ein paar Fußangeln: Ihr müsst erstens der Gemeinde 90.000 Quadratmeter schenken, zweitens eine touristische Siedlung samt Hotels und kompletter Infrastruktur errichten, drittens auch einen bestimmten Anteil Sozialwohnungen bauen.
Was so manchen Investor abschrecken wird: Der erste Versuch, das Gelände zu bebauen, wurde vom damaligen Bürgermeister sowie Umweltschutzverbänden gestoppt, obwohl bereits alle Genehmigungen vorlagen. Auch der neue Käufer muss sich also auf politischen Gegenwind einstellen, egal wie ökologisch er baut und wie viele Flächen als Parks und Biotope erhalten bleiben.
Dienstag, 31. März
Zuerst die gute Nachricht: Gerade wurde eine Wasserstation auf der Isola della Schiusa eröffnet, eine Art moderner Brunnen, an dem jeder sein Wasser zapfen darf, auf Wunsch sogar mit Kohlensäure. Nobles Ziel ist die Eindämmung des Plastikmülls.

Bedient wird die Station mit Karten, die es in den Trafiken gibt, oder mit Jetons. Mit Karte kostet das stille Wasser fünf Cent pro Liter, mit Kohlensäure acht Cent. Mit Jetons sind es zehn Cent, ob still oder sprudelnd. Echte Kampfpreise und auch noch ökologisch wertvoll: Nicht nur wird einiges an Plastikmüll eingespart, sondern es werden auch weniger LKWs die Supermärkte beliefern müssen. Und die Preise entlasten zudem so manche Großfamilie.

Bei der Eröffnung waren alle Honoratioren anwesend: der Bürgermeister, der Monsignore, der Kommandant der Carabinieri und so weiter. Reden wurden gehalten, weitere Zapfstationen sind geplant.
Mittwoch, 1. April
Jetzt die schlechte Nachricht: In jeder bürokratischen Verwaltung auf dieser Welt gibt es ein Büro, an dessen Türschild steht: »Machen wir einfache Sachen komplizierter«. Nun hat sich das Büro die Abfallentsorgung in Grado vorgenommen. Die Mülltonnen sollen »smart« werden – auch so ein Modewort für alles Mögliche – und sich per App und QR-Code öffnen lassen.
Hintergrund: Grado ist in Sachen Mülltrennung Tabellenletzter in der Region, nur 55 Prozent des Mülls landet in der richtigen Tonne – in der gesamten Region sind es 65 Prozent. Dazu kommen die Wochenenden, die Feiertage und die kritischen Tage der Hochsaison, an denen die Tonnen aufquellen wie Pizzateig und die Müllabfuhr mit dem Leeren nicht nachkommt. Hier sind es neben den Urlaubern auch die Bars und Restaurants, die im Hochbetrieb für zusätzlichen Abfall sorgen, was gut an den industriellen Großpackungen zu sehen ist. Aber was tun? Das ist ein Problem in vielen Ferienorten und war in diesen Tagen bereits am Palmsonntag zu beobachten – Ostern wird es ähnlich sein.
Der erste Code, der den Bewohnern zugeschickt wurde, war fehlerhaft. Schon mal kein guter Start. Und ob es generell eine gute Idee ist, den Zugang zu den Mülltonnen zu erschweren? Wer hat schon immer und überall sein Handy dabei? Wer das Handy vergessen hat: Nimmt der dann den Müll wirklich wieder mit, oder lässt er ihn einfach vor der Tonne stehen? Und wer nicht getrennt gesammelt hat, wird sich doch nicht mit dem Code verraten und den Müll daher lieber in der Dunkelheit irgendwo abstellen?
Das Ganze kostet übrigens eine Million Euro, und nach Ostern soll ganz Grado mit den Mülltonnen bestückt werden. Ich habe in den letzten Wochen keinen einzigen Gradeser getroffen, der die smarten Mülltonnen für eine gute Idee hält; es überwiegt heftiges, ja fassungsloses Kopfschütteln.
Donnerstag, 2. April
Eine wichtige Meldung in eigener Sache. Wir sind jetzt bei fast 300 Folgen der Mediterranen Wochenschau. Seit sechs Jahren bekommt ihr jeden Freitag nahezu ohne Pause fangfrische Grado-News. Danke für eure Treue und die vielen, vielen tollen Reaktionen, Mails und auch so manches nette Wort bei zufälligen Begegnungen in Grado!
Viele von euch haben hier schon wertvolle Tipps und Insider-Informationen bekommen, sehr oft sogar exklusiv und weit vor allen anderen. Dieser Newsletter ist und bleibt werbefrei. Als einer der ganz wenigen Newsletter übrigens.
Viele von euch freuen sich darüber, dass es jetzt auch einen Podcast gibt – ab dieser Woche erscheint Radio Adria sogar jeden Samstag! Und morgen kommt eine Sonderfolge rund um die Pasta, da gibt’s was auf die Nudel!

Während die Produktion eines Newsletters einigermaßen unkompliziert ist, abgesehen von meiner Arbeitszeit und etwa 200 Euro Hosting-Kosten im Jahr, ist eine Podcast-Folge ein ganz anderes Biest. Es gibt im Hintergrund für jede Folge einen Tonmeister und eine Producerin, die bezahlt werden müssen, dazu kommen Recherche, Themenplanung, Vorbereitung, Aufnahme, Musik, Soundeffekte, Schnitt, Nachbearbeitung, Uploads und Shownotes. Weil es ja gut und qualitativ hochwertig werden soll, landet man ziemlich schnell bei 1000 Euro pro Folge. Und da ist das ganze Equipment – Mikrofone, Audio-Software, Schallschutz und so weiter, was ich mir auch zulegen musste – noch gar nicht eingerechnet.
Ich habe im Gegensatz zu anderen Podcasts eben kein Medienhaus im Kreuz. Und 4000 bis 5000 Euro pro Monat sind schon eine stattliche Summe. Ein reines Hobby kann das bei aller Liebe nicht mehr sein.
Der Podcast ist ein eigenes Format mit echten, laufenden Kosten. Und die zwei, drei Minuten Werbung sorgen dafür, dass ich das Ganze überhaupt machen kann, ohne irgendwo Paywalls einzubauen oder diesen Newsletter nur gegen Bezahlung zu verschicken.
Vielleicht noch wichtig: Ich nehme nicht einfach irgendeine Werbung. Das sind alles Projekte oder Leute, die ich wirklich gut finde – eher Freunde als klassische Werbepartner. Über viele von denen habe ich auch schon lange vorher im Newsletter geschrieben, komplett unbezahlt. Es sind Winzer, deren Weine ich selbst gern trinke, wie Masùt da Rive oder Jermann. Es sind Veranstaltungen, auf denen ich mich selbst gern herumtreibe, wie das Gourmetfestival Calle di Bacco. Es sind Hotels, die ich schon seit Jahren Freunden und Familie empfehle, wie das Casa Bea oder das Savoy.
Kurz gesagt: Von der Werbung im Podcast profitieren wir alle. Sie gibt mir die Chance, meine Stimme zu verbreiten, und die Mediterrane Wochenschau bleibt euch dafür in gewohnter Form erhalten.
Aus diesen Gründen bitte ich euch um Verständnis für ein winzige Prise Werbung – nicht auf dieser Seite, aber im Podcast.
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Und jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende!
Zu allen Podcast-Folgen geht es hier entlang.
Alles über das neue Buch im Mai – bitteschön.
Und hier kommen die aktualisierten Lesetermine.
Freitag, 10. April: Klagenfurt, Podcast-Festival
Samstag, 11. April: Wien, Wiener Ball der Bücher, Palais Niederösterreich
Montag, 11. Mai: München, Buchhandlung Singer
Dienstag, 12. Mai: Coburg, Buchhandlung Riemann
Mittwoch, 13. Mai: Großkarolinenfeld, Voglbuch
Montag, 18. Mai: Klagenfurt, Buchhandlung Heyn
Dienstag, 19. Mai: Wien, Konzertcafé Schmid Hansl
Mittwoch, 20. Mai: Graz, Buchhandlung Büchersegler
Mittwoch, 10. Juni: Hart, Stadtbibliothek
Donnerstag, 11. Juni: Gleisdorf, Buchhandlung Plautz
Freitag, 12. Juni: Steyr, Casinosäle
Freitag, 19. Juni: Wien, Thalia Mitte
Freitag, 20. Juni: Mölding, Literarische Gesellschaft
Ende September: Salzburg! (Wir sind gerade am Organisieren)
