Hier kommt der einzige Newsletter, der Mitleid mit Reinhold Messner hat! Der Arme: kämpft sich unter ständiger Lebensgefahr und unvorstellbaren Entbehrungen im Himalaya vierzehn 8000er-Berge hoch und muss sich dann in der Kategorie »Abenteuerreisen« von einem Kerl überholen lassen, der jeden Morgen mit müden Äuglein 200 Meter zu seinem Cappuccino bei Pino schlendert.

Kommt mit auf die »Abenteuerreise«! Hier per Buch, hier per Hörbuch für die Fahrt gen Süden.
Bei Reinhold Messner fällt mir die Anekdote ein, dass er von seinen Streichhölzern immer möglichst große Stücke der Holzstäbchen abbrach, so dass fast nur noch die Zündköpfchen übrig blieben. Warum? Um beim Aufstieg ein paar Zehntelgramm Gewicht zu sparen.
Montag, 19. Juni
Bei Pino hörte ich heute die ungewöhnlichste Bestellung, die ich je in einer Bar mitbekommen habe. Ein älterer Italiener, feiner Herr, gut angezogen für den schon früh schwülen Tag (Lacoste-Polohemd, Mokassins), bat um einen Kaffee mit einem Schuss Jägermeister.
Ich blickte verstohlen auf die Uhr wie ein gestrenger Lehrer, und ich kam mir auch ein bisschen schlecht dabei vor: Es war 8.47 Uhr.

Nun bin ich grundsätzlich für einen lockeren Umgang mit Alkohol, und caffè corretto mit Grappa ist mir natürlich bekannt. Den trinken die Fischer gern, wenn sie frühmorgens von ihrer Arbeit kommen – es ist ja ihr Feierabend nach einer langen Nacht auf See, und er sei ihnen gegönnt.
Dieser Herr war aber kein Fischer, sondern er begann den Tag auf diese Art. Ich vermute mal, dass so eine Bestellung kein Problem wäre, wenn es denn bei dem einen Kaffee mit Schuss bliebe. Meine Lebenserfahrung sagt mir allerdings, dass man, wenn man schon so in den Tag startet, selten mit frisch gepresstem Karottensaft aufhört.
Dienstag, 20. Juni
Wo wir gerade bei ungewöhnlichen Anfragen sind: Eine Leserin, die ich nicht persönlich kenne, fragte mich per Mail, ob ich für sie einen Strafzettel bezahlen könne, den sie in Grado bekommen habe, sie komme auf der »Homepage der Polizei« nicht weiter. Das war mit Abstand die merkwürdigste Anfrage, die ich je bekommen habe. Sie fragte nicht etwa, ob ich jemanden wüsste, der eventuell weiterhelfen könnte – nein, ich sollte überweisen und ihr anschließend meine Kontonummer nennen. Ich lehnte höflich, aber bestimmt ab, und die Leserin war sehr empört. Jetzt habe ich eine Leserin weniger.
Erstaunlich, was manche Menschen für ein Anspruchsdenken haben und wie wenig soziales Gespür sie mitbringen. Ich würde mit so etwas nicht mal meine besten Freunde behelligen. Geschweige denn Unbekannte im Internet.
Gerade fällt mir ein: Diese Strafzettel-Geschichte ist eigentlich nur die zweitmerkwürdigste Anfrage – über die merkwürdigste Anfrage erzähle ich euch nächste Woche.
Mittwoch, 21. Juni
Solltet ihr je Multimillionär werden (oder es schon sein), denkt an den Spruch »Nothing that flies or floats« – legt euch also weder einen Privatjet noch eine Yacht zu. Sondern sucht euch reiche Freunde, die dumm genug waren, für so etwas viel zu viel Geld auszugeben.
Denn wie teuer eine Yacht ist, sehen wir täglich in der Bucht von Triest. Dort dümpelt seit Februar 2022 die beschlagnahmte Superyacht »A« herum, das größte Segelschiff der Welt, das einem russischen Milliardär gehört, der allzu eng mit Putin kuschelt.

Und diese Superyacht kostet an Unterhalt 30.000 Euro. Pro Tag. Macht eine knappe Million Euro pro Monat. Und das, wie geschrieben, seit Februar 2022. Und wie immer taucht die Frage auf: Wer zahlt am Ende dafür? (Der russische Milliardär tut es vermutlich nicht.)
Donnerstag, 22. Juni
Hier kommt – Trommelwirbel – das Drinnensitz-Manifest. Denn ich sitze im Sommer so gut wie immer im Inneren des Restaurants, nicht draußen, und das finden viele meiner Freunde merkwürdig.

Ich verstehe, dass man ja nur ein paar Wochen pro Jahr im Urlaub ist und so viel draußen sein will, wie es nur geht. Aber wenn man doch schon den ganzen Tag am Strand lag und am Abend nach dem Essen auch noch mal ausgiebig durch den Ort bummelt?
Das Essen schmeckt doch viel besser im kühlen, stillen Innenraum, während draußen in der abendlichen Hitze Tisch an Tisch gezwängt wird! Außerdem kommt man leichter mit den Wirtsleuten ins Gespräch und hört spannenden Klatsch und Tratsch, etwa über die verzogenen Bälger an Tisch 7 oder über den romantischen Zweiertisch 19, an dem sich gerade eine Scheidung anbahnt.
Was sagt ihr dazu? Team Innen oder Team Außen?
Freitag, 23. Juni
Eine kleine Presseschau: Im aktuellen Feinschmecker habe ich auf 16 Seiten über Rom (und meine zweimalige zufällige Begegnung mit dem italienischen Außenminister) berichtet. Hier kommt ein Appetithäppchen.


Alles über meine Bücher steht hier, Pressestimmen zu »Meine Bar in Italien« stehen hier – und bei diesem Wetter muss ich noch einmal auf den sehr schönen Bildband »Beachlife« hinweisen.

Ein mächtiges Buch, zwei Kilo schwer, zauberhafte Fotos erstklassiger Fotografen aus der ganzen Welt und ein paar launige Texte von mir. Nicht ganz billig (60 Euro), aber ein perfektes Geschenk.
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Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!
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Meine gesammelten Italien-Tipps (Venedig, Gardasee, Toskana, natürlich Grado, meine Lieblingshotels in ganz Italien…) stehen am Ende dieses Newsletters.
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