Der linkshändige Revolverheld, ein Kaiserfest und Asien im Land: Mediterrane Wochenschau CLXV

Hier kommt der einzige Newsletter, der sich gleich mit dem Montagseintrag schamlos im Wiener Hochadel herumtreibt! 

Montag, 21. August

Heiße Neuigkeiten: Wird es in Grado bald ein Francesco-Giuseppe-Festival geben? Kaiser Franz Joseph ist hier hoch angesehen, in so mancher Trattoria (und auch in der Küche meines italienischen Schwiegervaters) hängt ein Portrait von ihm. Das ist einerseits natürlich die Verklärung der guten alten Zeit, andererseits ging es Grado unter österreichischer Herrschaft tatsächlich bestens; der Aufstieg zum noblen Kurort der Wiener Adelsfamilien brachte der einst bettelarmen Fischerinsel einen mächtigen Schub. »Grado war unter Venedigs Herrschaft die Schmuddelecke, unter Österreich die Perle der Adria«, formulierte es ein Historiker. 

Ein fescher Kaiser. Aber mit seinem Leben hätte man wohl nicht tauschen wollen.

Hintergrund: In sieben Jahren wird des Kaisers 200. Geburtstag gefeiert, und dann auch noch am 18. August, gewissermaßen zum Saisonhöhepunkt. Das wäre doch ein schöner Anlass für ein Festival? Derzeit werden Ideen gesammelt. Ich bin mir sicher: Es wird auch einen Ähnlichkeitswettbewerb geben. Dann lasst schon mal die Backenbärte wachsen.

Dienstag, 22. August

Gehen wir noch ein wenig weiter zurück in der Geschichte: In den letzten Tagen wurden vor Grado 53 antike Fundstücke aus der Blütezeit Aquileias aus dem Wasser geborgen, darunter viele römische Amphoren.

Verantwortlich dafür waren die Carabinieri del Nucleo Patrimonio Culturale: Es gibt in Italien tatsächlich eine Militäreinheit, die sich der Suche, der Bergung und dem Schutz antiker Schätze widmet. Also wie Indiana Jones, bloß mit schickerer Uniform und Schusswaffe. Das klingt doch nach einem echten Traumberuf!

Mittwoch, 23. August

Stefan Lang bedient in seiner Buchhandlung Singer in München-Waldtrudering nur nette Menschen. Deswegen heißt sein Geschäft inoffiziell auch »Buchhandlung zum gepflegten Rausschmiss«. 

Wir beide sind Gründer und einzige Mitglieder der Bruderschaft Der Stilvoll Halbaufgeknöpften Hemden (BDSHH).

Er ist italophil wie ich und insgesamt ein feiner Kerl. Auch, weil er wie verrückt meine Bücher verkauft.

In nur zwei Tagen. Danke, mein Allerbester! 

Donnerstag, 24. August

Ich habe nie verstanden, warum Tennis als Nobelsport gilt. Es gibt kaum eine preiswertere Freizeitbeschäftigung, auch die Ausrüstung kostet kaum etwas. (Ja, ich weiß, in den großen Städten existieren ein paar sehr exklusive Clubs. Aber auch ein paar sehr günstige Möglichkeiten, jede Wette.) Und ich habe wieder Lust bekommen und lungere jetzt häufiger im Tennis Club Grado rum. (Jahresbeitrag: 80 Euro.) 

Der linkshändige Revolverheld.

Für Sportfreaks unter euch: Ich musste beim Neubeginn auf die linke Hand umstellen. Rechts sind meine Nerven frittiert, ich habe die Bälle zwei Straßen weiter bis zum Delfino Blu geschlagen. Schuld sind die Yips, ein unkontrolliertes Zucken bei feinmotorischen Bewegungen, das es auch im Golf gibt; selbst Nichtgolfer haben wahrscheinlich schon von Bernhard Langer gehört, der beim Putten mit der rechten Hand seine linke Hand festhalten musste. Yips gibt es auch bei Profi-Musikern. Und, oh Schreck, bei Zahnärzten und Chirurgen. Gut, dass ich als Linkshänder geboren wurde und auch ein paar Dinge immer noch mit links mache, so dass die Umstellung nicht ganz so ungewohnt ist.

Eigentlich betreffen die Yips nur Profis, aber manchmal erwischt es auch Menschen der spielenden Unterschicht.

Freitag, 25. August

Hier kommt eine Leserzuschrift, die mich sehr gefreut hat.

Hallo Stefan, 
zuallererst möchte ich dir Danke sagen. Danke, dass du das Buch „Meine Bar in Italien“ geschrieben und durch deine Veröffentlichung deine Eindrücke und Erfahrungen der Gäste aus Pinos Bar, und auch viele andere Eindrücke der Menschen aus Grado, für mich und viele andere zugänglich gemacht hast. Danke dafür. 
Dein Buch hab ich mir in einer kleinen Buchhandlung in B… gekauft, weil ich mir, wieder mal, dachte, dass ich im Urlaub Zeit habe, was zu lesen. Dazu muss ich sagen, dass ich sehr gerne Bücher lesen würde, jedoch immer bei Sport und sonstigen Nachrichten sinnloserweise auf dem Handy hängen bleibe. 
Dein Buch kam mir da gerade recht. Nicht zu dick, ansprechendes Cover, wertiger Einband und die ersten drei Seiten ließen sich gut lesen. 
Letzteres ist nämlich mein absoluter Endgegner. Wenn sich etwas nicht schön lesen lässt, penn ich sofort weg. So zieht sich ein 200-Seiten-Buch dann schon mal über den gesamten 14-tägigen Italienurlaub. 
Dein Buch hat mich in seinen Bann gezogen. Die Mischung aus deiner Erfahrung, deinen Ansichten, den Anekdoten dazu und natürlich die tief im Menschen verankerte Neugier über andere Menschen hat mich nicht, wie sonst üblich, eingeschläfert, sondern jeden einzelnen Satz interessiert lesen lassen. Die Art und Weise wie du schreibst finde ich sehr, sehr schön. So schön, dass ich mir dein Buch „das Italien Prinzip“ bestellt habe und es mir in unser Hotel schicken lasse. Du hast auf jeden Fall einen neuen Fan gewonnen. Ich bin schon sehr gespannt auf das andere Buch und freue mich darauf, es bald in den Händen zu halten und am Strand (bei dem wir übrigens immer am gleichen Strandabschnitt sind) zu lesen. 
Liebe Grüße, 
Chris 

Dieses entzückende Fundstück meines Kumpels Christian P. ist kurz vor Redaktionsschluss reingekommen:

Ich wünsche euch allen ein wunderbares Wochenende – bis nächsten Freitag!

Zur letzten »Mediterranen Wochenschau« mit dem konditionsstarken sechsjährigen Österreicher geht es hier entlang.

Der erste Band meiner gewaltigen Familiensaga erscheint rechtzeitig zu Weihnachten. Der Nachfolgeband von »Meine Bar in Italien« ist ebenfalls im Entstehen und kommt im März – in den nächsten Wochen darf ich mehr verraten.

Zurück zur Startseite mit vielen Geschichten aus Italien geht es hier entlang.

Auf Instagram liefere ich euch täglich mehr Italien unter @buch_und_wein.

Und noch ein Morgengruß für euch von Petra aus Stockerau:

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