Der Kuchenskandal, das Fischereimuseum und die Supercrema: Mediterrane Wochenschau CLXXXII

Hier kommt der einzige Newsletter, der euch vom großen Kuchenskandal erzählt, in den sich sogar Premierministerin Giorgia Meloni eingemischt hat. Und Ex-Premier Matteo Renzi seufzt: »Die Welt diskutiert über Künstliche Intelligenz, den Krieg in der Ukraine und den Terror in Nahost, und Italien redet über einen Weihnachtskuchen.« Ja, aber genau das ist doch das Charmante an diesem Land! Bevor wir uns dem Kuchen widmen, muss ich nur noch rasch zwei Danksagungen loswerden.

Montag, 18. Dezember

Ein großes Dankeschön an meine lieben Leserinnen und Leser, die mir zu den Aperitivo-Terminen viele feine Dinge mitgebracht haben: Lebkuchen, Spekulatius, Stollen – toll! Und ein genau so großes Dankeschön an Fabrizio und Marco Gallo von Masùt da Rive, die mich für die Aperitivo-Tour mit Wein ausgestattet haben. Ich muss für die beiden keine Werbung machen, es ist ohnehin mein Lieblingsweingut, und ich bin einmal im Monat zum Großeinkauf dort.

Sie machen erstklassige Weiße, aber auch wunderbare Rote wie Pinot nero oder Semidis.

Dienstag, 19. Dezember

Jetzt zum Kuchenskandal, der Italien erschüttert: Einige Leserinnen und Leser haben auf meiner Aperitivo-Tour ja den Pandoro kennengelernt, den köstlichen italienischen Weihnachtskuchen, der im Gegensatz zu seinem protzigen Bruder Panettone ganz ohne Rosinen (oder gar kandierten Früchten) auskommt.

Chiara Ferragni, Italiens bekannteste Influencerin mit 30 Millionen Followern, hat vor ein paar Wochen gemeinsam mit dem Kuchenhersteller Balocco einen eigenen, sehr teuren Pandoro auf den Markt geworfen und die Verkäufe als Spendensammlung für ein Kinderkrankenhaus angepriesen. Das war aber eine – na sagen wir mal: arge Verbiegung der Wahrheit, denn tatsächlich hat Balocco vorab eine fixe Lizenzsumme von 50.000 Euro an die Klinik überwiesen, alle weiteren Einnahmen, offenbar deutlich über eine Million Euro, sind an Signora Ferragni geflossen.

Der Pandoro. Foto: Wikipedia (mein eigener Pandoro wird ja erst Heiligabend geöffnet).

Die Behörden ermitteln, Chiara Ferragni spricht von einem »Kommunikationsfehler«, was ja wohl der Euphemismus des Jahrhunderts ist. Sie will dem Krankenhaus nun eine Million Euro überweisen. Leute: Finger weg von diesen Influencern.

Mittwoch, 20. Dezember

Ihr wollt Silvester in Grado verbringen? Gute Idee. Das Feuerwerk findet eine halbe Stunde nach Mitternacht am Hafen statt. Vorher legt ein DJ namens »Superfranz« auf. Und da fällt mir ein: Nutella hieß bis 1962 »Supercrema«, aber dann erließ die italienische Regierung ein Gesetz, das den Beinamen »Super« in Produkten wegen irreführender Werbung verbot. Supercrema hätte ich aber toll gefunden.

Donnerstag, 21. Dezember

Mit dem Museo del Mare dauert es noch ein bisschen, aber wenn wir schon vierzig Jahre drauf gewartet haben, kommt es auf das eine oder andere Jahr jetzt auch nicht mehr an. Doch dafür hat soeben ein Fischereimuseum in der Via Orseolo (in der Altstadt nahe der Apotheke) geöffnet, das sich dem Leben in der Lagune widmet.

Kurz nach der Eröffnungszeremonie war es schon wieder dicht. Aber wir hoffen das Beste.

Man schätzt, dass noch bis in die 1960er-Jahre etwa hundert Personen permanent auf den Inseln der Lagune gelebt haben und nur zwei-, dreimal pro Jahr auf die Hauptinsel kamen. Das klingt irgendwie ganz romantisch, aber im Winter ohne Strom und fließend Wasser war es das ganz sicher nicht. Die Lagunenbewohner, Casoneri genannt, lebten von der Fischerei und seltener auch von der Jagd; neben Gänsen gibt es in der Lagune bis heute viele Wildschweine – die ausgezeichnete Schwimmer sind – und Rehe. Interessant: Nicht etwa die Casoneri verkauften ihren Fang in Grado, sondern jeden Tag fuhr ein Batelante mit seiner Batela, dem typischen flachen Boot, von Inselchen zu Inselchen, sammelte die Fische ein, verkaufte sie auf dem Markt, deponierte die Einnahmen auf den entsprechenden Konten und brachte am nächsten Tag die Quittungen vorbei.   

Offizielle Öffnungszeiten für das Museum sind bislang nirgends zu finden – wir wollen ja nicht zu viel verlangen –, aber ich hoffe doch, dass es über Weihnachten und Neujahr aufsperrt, weil einige Touristen auf die Insel kommen werden.

Update 23.12.: Die famiglia schläft nie! Gleich zwei Leserinnen haben mir die aktuellen Öffnungszeiten des Museums für den Dezember geschickt, die nun aushängen. Derzeit ist das Museum nur in geführten Touren mit Voranmeldung zu besuchen, und auch nur in Gruppen von höchstens 15 Personen. Hoffentlich wird das bald entspannter gehandhabt.

Jetzt wünsche ich euch frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

Ich soll euch alle von Pino grüßen.

Noch eine nette, passende Stimme zu »Meine Bar in Italien«: Hallo Stefan, war gestern in Grado, habe bei Pino vorbeigeschaut. Es war wie in deinem Buch beschrieben! Ganz liebe Grüße aus Österreich. – Andrea. 

Überzeugt euch selbst davon. Ich sitze vorn rechts am Fenster.

Nicht Pino, sondern Peppinos »Pane e Vino« in Dinkelsbühl.

Und eine Leserstimme zur »Porzellanmanufaktur«: Erstmals lese ich ein Buch von einem Autor, den ich persönlich zu kennen glaube – weil ich seine Newsletter lese und wir ein oder zwei Mails gewechselt haben. Und ich war dabei so kritisch wie nie zuvor. Um es kurz zu machen, ich war schlichtweg begeistert. Noch nie habe ich mir Gedanken gemacht, welchen Aufwand die Recherchen wohl erfordert haben – vielleicht, weil ich in meiner Jugend, oder besser Kinderjahren (ganz so alt bin ich ja doch noch nicht) mit den Gebrüdern Walter und dem Opel Kapitän (wenn auch nicht mit dem von Herrn Metsch) durchaus Erinnerungen verbinde. Ich kann Ihnen nur gratulieren und versichern, dass ich schon hart auf die Fortsetzung warte. Ob die Tatsache, dass ich den Roman in Sri Lanka »verschlungen« habe, oder meine Frau das jetzt auf den Malediven tut, ein »Entfernungsrekord« ist, ist eigentlich egal, gern würden wir jedenfalls die Fortsetzung in Grado genießen. – Kurt. 

Ich weiß, es gab Lieferschwierigkeiten, auch bei Amazon, was eine gute und eine schlechte Nachricht ist: Das Buch verkauft sich besser als die Händler es erwartet haben, doch als Weihnachtsgeschenk war die rechtzeitige Lieferung unsicher. Jetzt ist die »Porzellanmanufaktur« aber wieder da (jedenfalls beim Schreiben dieser Zeilen). Wenn ihr es heute bestellt, ist es morgen bei euch und passt noch unter den Baum. Und wenn ihr es in den nächsten Tagen bestellt, habt ihr einen schönen Schmöker für die Festtage.

Ich wünsche euch ein wunderbares Wochenende, ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start ins neue Jahr! Wenn wir uns nicht am Vormittag bei Pino oder am Nachmittag beim Spazierengehen am Strand treffen, dann lesen wir uns am 12. Januar wieder. Und ich kann euch jetzt schon versprechen: Ich habe eine dicke, fette Neuigkeit für euch.

Auf Instagram bin ich @buch_und_wein, schaut vorbei. Auf TikTok findet ihr mich auch, ohne Tarnnamen.

Zur letzten Mediterranen Wochenschau mit faulen Deutschen und fleißigen Russinnen geht es hier entlang.

Zurück zur Startseite? Bitteschön.

Alle Betriebe, die in Grado über Weihnachten und Neujahr geöffnet haben, sind hier aufgelistet.

2 Kommentare

Kommentare sind geschlossen.