Zehn Bier mit Paul Newman, das neue Museum, eine enge Taille: Mediterrane Wochenschau CCLXXVIII

Hier kommt der einzige Newsletter, der euch jede Menge Neuigkeiten aus Grado (und Hollywood) mitbringt – aber der sich danach zu seinem Adventskalender und den Mandelspekulatius zurückzieht. Dies ist die letzte Mediterrane Wochenschau des Jahres, und ihr bekommt am 16. Januar wieder Post von mir – dann mit ganz vielen Neuigkeiten, auf die ihr euch freuen könnt. (Wer schon mal reinschauen will: bitteschön.)

Und: Verzagt nicht! Denn am 20. Dezember erscheint die Weihnachtsfolge meines Podcasts Radio Adria, hört unbedingt rein – ich verspreche euch eine besonders stimmungsvolle Episode und den vielleicht schönsten Weihnachtstext von allen, den ihr noch nicht kennt (ich kannte ihn bis vor wenigen Tagen auch nicht). Ich bin bei euch, während ihr den Baum schmückt, Plätzchen backt oder zum Markt fahrt, um die letzten Einkäufe zu erledigen. Und: Das Dolce Vita für die Ohren geht bereits am 10. Januar weiter. 

Vorab: Danke noch einmal an alle, die in der Buchhandlung Höllrigl in Salzburg waren – hat richtig viel Spaß gemacht! Wir planen bereits für den Mai oder Juni den nächsten Besuch.

Übervolles Haus, danke an alle.

Diesen Sonntag bin ich in Bad Radkersburg im Thermalhotel Fontana. Auch Interessierte, die nicht im Hotel wohnen, können vorbeischauen, los geht’s um 16 Uhr, der Eintritt ist frei, und Wein gibt’s auch.

Jetzt aber rein in die Woche.

Montag, 8. Dezember

Das Museum ist offen! Nicht das große Meeresmuseum an der Uferpromenade, auf das wir seit 40 Jahren warten, sondern das kleine Museum für Stadtgeschichte (offizieller Name: Museo Civico del Tesoro di Grado) – das aber auch schlanke 25 Jahre von der Planung bis zur Einweihung brauchte. Es liegt gegenüber vom Rathaus, fast direkt an den Ausgrabungen, und hat viele interessante Ausstellungsstücke zu bieten, außerdem erklärt es anschaulich die Geschichte Grados.

Fundstücke aus dem Meer: Weinamphoren.

Spannend: Bis zum 9. Jahrhundert war Grado ein richtiges Klein-Venedig mit gemauerten Häusern, doch dann folgte eine schwere Krise, die Häuser verfielen, in den nächsten tausend Jahren wurde kein Bau mehr aus Stein errichtet, die Menschen hausten in Schilfhütten. Warum? Weil sich der wirtschaftliche Aufschwung in Venedig abspielte – und weil der feine Herr Patriarch von Aquileia immer mal wieder auf eine Plünderung und Brandschatzung vorbeischaute. Der Aufschwung kam erst wieder mit den Österreichern. 

Und: Grado gehörte nicht nur hundert Jahre zu Österreich, sondern zuvor fast zwanzig Jahre zu Frankreich, weil Napoleon das Gebiet unter seine Herrschaft stellte. Der Aufschwung als Meereskurort in der k.u.k.-Zeit ist mit stimmungsvollen Postkarten dokumentiert.

Autsch, die Taille ist aber brutal geschnürt. Mehr historische Fotos vom Strand seht ihr hier.

Und das Meeresmuseum an der Uferpromenade? Es soll, geben die Verantwortlichen ihr großes Indianerehrenwort, am 18. Dezember eröffnen. Damit hat Grado drei Museen mit unterschiedlicher Verwaltung und unterschiedlichen Öffnungszeiten – im letzten Jahr eröffnete ja schon das kleine, aber sehenswerte Museum über das Leben in der Lagune.

Ein umfassendes Museum, das die gesamte Geschichte der Lagune von Grado und Marano zeigt, von der Römerzeit bis heute, vielleicht noch mit einer naturhistorischen Abteilung über die faszinierende Fauna und Flora der Lagune – das wäre eine einmalige Sache und ein echter Publikumsmagnet. Vielleicht könnte man dafür die potthässliche Villa Ostende nehmen, seinerseits ja ein Mahnmal für menschliche Geschmacksverirrungen – eine schöne Vision.

Aber hier denken viele wie Deutschlands Altkanzler Helmut Schmidt: »Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.«

Dienstag, 9. Dezember

In den Supermärkten stapeln sich die Weihnachtskuchen. Die Gourmetzeitschrift Dissapore hat wie jedes Jahr die heiß erwartete Liste der 50 besten Panettoni herausgegeben, die von der Redaktion blindverkostet werden. Ein hartes Leben. Der Gewinner in diesem Jahr ist, wie im Vorjahr, der Panettone aus dem Mailänder »Ciacco Lab«.

Aber die Redaktion geht auch hart mit vielen industriellen Panettoni ins Gericht: »Die Panettoni im Supermarkt des Jahres 2025 sind ein schonungsloser sozialer Spiegel. Kleine Panettoncini, die zu erstaunlich hohen Preisen verkauft werden. Üppige Cremes, die offenbar die geringe Süße unseres gesellschaftlichen Rückschritts kompensieren sollen. Und Preisaufschläge, die – so will man es uns verkaufen – durch klangvolle Füllungen oder prominente Gesichter gerechtfertigt seien.«

Uiuiui. Was ist da los? Ganz einfach: Alle wollen beim Panettone-Geschäft mitverdienen, deswegen zieren neuerdings berühmte Köche die Packungen, etwa Bruno Barbieri für Motta. Und dieser Ausverkauf des guten Namens stößt so manchem Gourmet sauer auf. 

Es gibt bei den Panettoni zwei Trends: Erstens werden Einzelportionen und Snackformate immer häufiger. Was früher ein kleines Gimmick war, gilt heute als vollwertiges Geschenk. Liegt’s an der wirtschaftlichen Lage? Oder daran, dass es immer mehr Singles gibt?

Und dann gibt es noch einen entgegengesetzten Trend: maßlose Opulenz. Mit der Spritze injizierte Cremes von Limoncello bis Pistazie, Karamell- und Schokoladenüberzüge, Tiramisù-Füllungen, Doppelschichten, Gin-Pandoro – und natürlich die unvermeidliche Dubai-Schokolade.

Dissapore schreibt dazu: »Vielleicht liegt es daran, dass wir dieses Jahr alle ein bisschen ärmer sind. Und man versucht, das irgendwie auszugleichen – auch in der Produktion

Und wieder einmal wird klar: Das italienische Essen, soeben ja auch zum Weltkulturerbe erklärt, ist eine sehr, sehr ernste Angelegenheit.

Mittwoch, 10. Dezember
Wir gehen es dagegen lieber heiter an: Im neuen Feinschmecker berichte ich auf zwölf Seiten über das Genießen in der Emilia-Romagna, im neuen Merian über Mailand – dort geht’s ja bald los mit den Olympischen Winterspielen. Schaut doch mal rein.

Alles im Überfluss: Schlemmen bei Ivan Albertelli in der Emilia-Romagna.

Donnerstag, 11. Dezember

Netzfund: »Mein liebster Weihnachtsdrink« der großen Stars von damals. Veröffentlicht im Magazin Town & Country, Dezember 1968.
Cary Grant: »Scotch mit einem Schuss Wasser. Und Frieden. Das ist es, was ich mir zu Weihnachten wünsche.«
Paul Newman: »Bier, besonders das der St.-Pauli-Brauerei. Ich trinke täglich zehn oder mehr Biere, und wenn es für den Rest des Jahres mein Lieblingsgetränk ist, ist es gut genug für besondere Anlässe.«
Burt Bacharach: »Café Brûlot ist unser Favorit. Eine Pfanne erhitzen und einen Streifen Zitronenschale, einen Streifen Orangenschale, vier Teelöffel Vanillezucker, zwei Nelken und eine zwei Zoll lange Zimtstange geben. Eine Tasse Brandy hinzufügen und flambieren, sobald sie warm ist. Dann vorsichtig zwei Tassen heißen Espresso hineingießen. Wenn der Brandy ausgebrannt ist, behutsam in Mokkatassen schöpfen.«
Elizabeth Taylor & Richard Burton: »Dom-Pérignon-Champagner ist unser bevorzugtes Festtags- und Ganzjahresgetränk. Jahrgänge 1961, 1964 und auch 1959, falls überhaupt noch verfügbar.«
Prinzessin Grace: »Mint Juleps sind zu Weihnachten etwas ganz Besonderes. Frische Minze in einem Mint-Julep-Glas zerdrücken, etwas Zucker hinzufügen, viel zerstoßenes Eis, ein Becher Bourbon – und für ein wirklich festliches Getränk zum Schluss weißen Rum obendrauf. Köstlich!«
Mia Farrow: »Chablis mit Soda. Das ist das Getränk, das ich zu jeder Jahreszeit am liebsten mag.«
Maria Callas: »Wodka on the rocks – mit einer Scheibe Gewürzgurke darin.«
Gene Kelly: »Der Alexander spricht wohl den kleinen Jungen in mir an – er schmeckt wie ein Schokoriegel, und irgendwie gehören Weihnachten und Schokolade zusammen. ½ Unze frische Sahne, ¾ Unze Crème de Cacao, einen Becher Gin oder Brandy mischen. Mit gestoßenem Eis kräftig schütteln – hervorragend.«
Rock Hudson: »Ich mag am liebsten Weihnachtseierpunsch, und mein Rezept ist ziemlich einfach: 12 Eigelb schlagen, 1½ Tassen feinen Zucker hinzufügen und aufschlagen. Kühlen.
Dann vorsichtig einen Liter Milch und einen Liter Schlagsahne unterheben, während man sehr langsam 1½ Liter Bourbon zugießt. Wenn alles schön glatt ist, 12 steif geschlagene Eiweiß unterheben und mit frisch geriebener Muskatnuss bestreuen. Extra-Tipp: gekauften Eierpunsch in Eiswürfelformen einfrieren. Aus der Form lösen und auf den selbstgemachten Eierpunsch geben – das hält ihn kalt und macht ihn noch reichhaltiger.«

Danke an @laurakitty für den Fund.

Dieses Mal wünsche ich euch nicht nur ein schönes Wochenende, sondern auch ein frohes Weihnachtsfest und einen schwungvollen Start ins neue Jahr. In meiner Podcast-Weihnachtsfolge erzähle ich euch, was Italiener an Silvester so alles tun, um im kommenden Jahr Glück zu haben – viele von euch wissen das ja. Stichworte: rote Kleidung, Linsen, Weintrauben.

Zur letzten Wochenschau mit vielen Wildschweinen und einer kuriosen roten Karte geht es hier entlang.

Zur Wochenschau mit den spektakulären Urlaubsfotos aus dem Jahr 1909 geht es hier entlang.

Alles über meine Bücher lest ihr hier. Ich wette, dort findet ihr auch noch ein Weihnachtsgeschenk.

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Die Podcast-Übersicht
Wer kurz reinhören will oder was Bestimmtes sucht: Hier kommt eine Übersicht aller Folgen meines Podcasts Radio Adria, den ihr überall kostenlos hören könnt, ob auf Spotify, Podigee, Apple Podcasts, Audible oder RTL+.
Folge 17 ist der Weihnachts-Podcast mit italienischen Tipps, wie ihr gut ins neue Jahr kommt.
In Folge 16 geht es um das (fast) perfekte Verbrechen, um Held Klaus und die Frage, ob Käse zum Fisch gehört. Zu Gast ist Krimiautorin Andrea Nagele.
In Folge 15 geht es um eine Superyacht mit tragischer Geschichte und um Grados bestes Restaurant. Zu Gast ist Bestsellerautor Axel Hacke.
In Folge 14 geht es um Kinder in Restaurants, unfähige Kriminelle und römische Ruinen. Zu Gast ist die Fernsehköchin, Feinkosthändlerin und Buchautorin Stefania Lettini.
In Folge 13 geht es um einen geheimnisvollen Kriminalfall, der bis heute ungelöst ist, aber auch ums Tiramisù. Zu Gast ist Kersten Wetenkamp vom »Feinschmecker«.
In Folge 12 hört ihr von der Polizei gegen spielende Kinder und von einem gestohlenen Rad, das bis nach New York Wellen schlägt. Außerdem ist Genussexpertin Silvia Trippolt zu Gast.
Folge 11 erzählt, warum ein Radfahrer einst das ganze Land rettete und was das »Schwarze Trikot« bedeutet.
Folge 10 dreht sich ums Essen und Trinken, um umkippende Gondeln in Venedig und Overtourism an den Stränden.
In Folge 9 reden wir über das italienische Glück, über zwei kulinarische Skandale (einmal ist Grado im Mittelpunkt), über das größte Bauprojekt in der Geschichte Italiens und was Ferrari so alles fürs Image tut.
Folge 8 dreht sich um den italienischen Aberglauben und einen radikalen Vorschlag, um Venedig zu retten.
In Folge 7 dreht es sich um den perfekten Kaffee und das teuerste Kunstwerk Venedigs.
In Folge 6 betrachten wir das Leben der Fischer und geben Tipps für den Wohnungskauf in Italien.
In Folge 5 geht es um das Reizthema Hund und Tipps für Fischmuffel.
In Folge 4 geht es um das richtige Verhalten in Restaurants und Ausgehtipps in Venedig und Grado.
In Folge 3 geht es um die neue Mode des Apericena und die Archäologie-Verschwörung.
In Folge 2 reisen wir an den italienischen Strand und freuen uns an den kleinen Ritualen.
In Folge 1 reden wir über die Faszination Adria – die nach vielen Jahren wieder Trend geworden ist.