Hier kommt der einzige Newsletter, der für euch zum Saisonauftakt im Stadion war! Gradese Calcio hat 1:0 gewonnen, ich habe ein paar Szenen des Spiels auf Instagram gepackt (@buch_und_wein), darunter einen spektakulären Fallrückzieher. Auch das Stadionbrötchen konnte ich euch nicht ersparen.

Und ich habe ein neues Schimpfwort gelernt: »protagonista«. Das haben die Gegner aus Villesse dem Schiedsrichter entgegengerufen, der mehrfach die Trainer und Spieler der Bank verwarnt hat. Protagonista im Sinne von »Selbstdarsteller« – einer, der sich zu wichtig nimmt.
Was erwartet euch in dieser Woche?
- Hilfe, die Lagune bröckelt!
- Die Sensation zu Weihnachten
- Goldener September in Grado
Andiamo! Vorher: In der aktuellen Podcastfolge von Radio Adria geht es darum, wie sich die Italiener dieses Dolce Vita eigentlich leisten können – sehr spannend. Wie immer überall, wo es Podcasts gibt.
Montag, 7. September
Wer jetzt im September nach Grado kommt, macht viel richtig. Der Hochsommer ist vorbei, die Temperaturen werden angenehmer – aber die Strände sind noch lange nicht leer. Im Gegenteil: Der September entwickelt sich in Friaul-Julisch Venetien immer mehr zu einem echten Urlaubsmonat, quasi zu einem zweiten August.
Besonders eindrucksvoll sieht man das in Grado. Im September 2022 wurden hier noch 161.713 Übernachtungen gezählt. Für September 2025 waren es bereits 204.943 – ein Plus von 27 Prozent in nur drei Jahren. Nach allen Prognosen werden die Zahlen 2026 noch einmal überboten.
Vor allem Deutsche und Österreicher schätzen die niedrigeren Preise, die ruhigeren Strände und die angenehmeren Temperaturen. Außerdem gibt es einen regelrechten Ost-Boom mit Urlaubern aus Ungarn und Tschechien. An Grados Strand wächst das k.u.k.-Reich gewissermaßen wieder zusammen.
In Grado hat man deshalb sogar die große Sonnenschirm-Abräumaktion verschoben. Normalerweise beginnt die GIT Anfang September damit, Schirme und Liegen am Strand abzubauen. Diesmal wurde der Start auf Mitte des Monats verlegt. Der September ist eben nicht mehr bloß der Monat, in dem man den Strand zusammenklappt.

Und Grado ist nicht allein. In Duino-Aurisina stiegen die September-Übernachtungen seit 2022 um 37 Prozent, in Muggia sogar um 90 Prozent. Besonders bemerkenswert ist auch Gorizia mit 80 Prozent Plus – wobei dort das Kulturhauptstadtjahr 2025 kräftig mitgeholfen hat. Insgesamt legten die Übernachtungen in Friaul-Julisch Venetien im September innerhalb von drei Jahren um 16 Prozent zu. Apropos: Die Strandverwaltung meldet ebenfalls Rekordzahlen und ein Einnahmeplus von einer Million Euro.
Die Branche spricht von einer »destagionalizzazione« – die Saison zieht sich in die Länge, es ballt sich nicht mehr in den ersten beiden Augustwochen. Man kann im September noch baden, bekommt leichter einen Tisch im Restaurant und muss am Strand nicht mehr eng an eng liegen.
Was ich am September besonders mag, ist ein kleines, nicht unwichtiges Detail: Die Restaurants führen wieder ihre Ruhetage ein. Und das bedeutet, dass die Köche und Bedienungen auch durchatmen können und ausgeruhter und entspannter sind als im völlig hektischen August.
Dienstag, 8. September
Hilfe, die Lagune bröckelt! Denn auch die Realpolitik hat uns im Griff. (»Realpolitik« ist übrigens ein Wort, das es in die italienische Sprache geschafft hat – ich zucke jedes Mal zusammen, wenn es in den Nachrichten auftaucht.) Denn Grados Lagune bröckelt vor sich hin. Die sogenannten Argini, also die kleinen Dämme und Uferbefestigungen rund um die Fischereigebiete, sind teilweise in schlechtem Zustand.
Und zwar nicht nur ein bisschen. Von den insgesamt 72 Kilometern Dämmen rund um die Fischereigebiete der Lagune sind nach ersten Untersuchungen fast 40 Prozent gefährdet.
Denn wenn die Dämme beschädigt sind, können die Fischereigebiete nicht mehr richtig vom übrigen Lagunenwasser getrennt werden. Und bei Hochwasser könnten die frechen Fische entkommen.
Deshalb läuft nun ein Forschungsprojekt der Region und der Universität Triest. Dabei kommen auch Drohnen zum Einsatz. Die Wissenschaftler untersuchen, wie sich die Lagune verändert, wie Sedimente wandern und wie sich die Fischereigebiete möglichst naturnah schützen lassen. Denn diese »valli da pesca« gehören seit Jahrhunderten zur Kulturlandschaft der Lagune und sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Außerdem sind sie eine wichtige Einnahmequelle für so manchen Gradeser.
Die Lagune sieht von außen wunderbar zeitlos aus – aber unter der Oberfläche verändert sie sich ständig. Und manchmal muss man viel tun, damit sie so bleibt, wie wir sie kennen.
Mittwoch, 9. September
In Österreichs Supermärkten gibt es seit Ende August Spekulatius zu kaufen. Aber auch in Grado wird bei 35 Grad und bestem Strandwetter schon an Weihnachten gedacht. Und es gibt gute Nachrichten: Ab dem 5. Dezember wird auf dem Campo Patriarca Elia, also direkt neben der Kirche, eine monumentale Krippenlandschaft aufgebaut, die eng mit dem verstorbenen Papst Franziskus verbunden ist. Die Krippe wurde 2024 auf dem Petersplatz in Rom gezeigt – und Franziskus hat sie damals selbst eingeweiht. Nun zieht das Kunstwerk für die Weihnachtszeit nach Grado. Die Anlage besteht aus 54 Figuren mit einer Höhe von bis zu drei Metern. Dazu kommen ein Boot, Pfähle und andere Elemente, die an die Lagune von Grado erinnern.
Warum ausgerechnet Grado? Weil sie hier entstanden ist – ich berichtete damals ausführlich. Unter den fleißigen Bastlern war auch Bruno, der heimliche Star von »Meine Bar in Italien«. Beteiligt waren Künstler und Handwerker aus der Region sowie die Vereinigung Portatori della Madonna di Barbana.

Tausende Arbeitsstunden stecken in der Krippe, und nicht nur für unseren Bürgermeister ist die Rückkehr deshalb etwas Besonderes: Das Werk sei Ausdruck von Kunst, Handwerk und Gemeinschaft. Nach dem großen Auftritt in Rom also jetzt die Heimkehr.
Vielleicht ein guter Grund, einmal über einen Ausflug nach Grado über Weihnachten oder Neujahr nachzudenken. Zugegeben: Das ist immer ein bisschen vom Wetter abhängig. Aber viele von euch werden mir sicher bestätigen können, dass es in den letzten beiden Jahren traumhaft war.
Donnerstag, 10. September
Liebe famiglia, hier erfahrt ihr es zuerst, ich hänge es noch nicht an die große Glocke, denn es ist ja noch mehr als ein halbes Jahr hin. Aber wenn ihr neugierig auf meinen neuen Roman seid, schaut doch mal hier vorbei. Pssst!
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Jetzt wünsche ich euch ein schönes Wochenende.
Hier kommen die Lesetermine.
Samstag, 12. September: Bad Radkersburg, Mare-Hotels
Mittwoch, 30. September: Grafing, Bücherstube
Donnerstag, 1. Oktober: Wasserburg, Bücher Herzog
Freitag, 2. Oktober: Kolbermoor, Bibliothek
Sonntag, 11. Oktober: Stift Ossiach, Festival »Kunst der Balance«
Samstag, 17. Oktober: Gutenstein, Buchmesse Bücherträume
