Hier kommt der einzige Newsletter, der beim Signieren immer wieder den gleichen Satz in seine Bücher schreibt – so wie am Samstagabend beim gemeinsamen Essen der Facebook-Gruppe »Grado & Friuli – die Infoseite« im Restaurant Ratatouille, nicht weit vom Tennisclub, wo ich ja seit Neuestem Mitglied bin. Ich hatte nur Zeit für den Aperitivo, denn es hätte innerfamiliären Ärger gegeben, wenn ich mich den gesamten Samstagabend aushäusig herumgetrieben hätte.
Jedenfalls schreibe ich beim Signieren fast immer »viel Vergnügen bei der Lektüre«. Das »tönt schön«, wie die Schweizer sagen; mit den beiden Umlauten und den hellen Vokalen liest es sich flüssig und zeigt inhaltlich, dass das Buch zwar voller Humor ist, aber doch einen gewissen Anspruch hat. Manchmal schreibe ich auch »viel Spaß beim Lesen«, aber das ist irgendwie nicht das Gleiche.



Im Übrigen kann ich die Gruppe nur empfehlen, die beiden Betreiberinnen machen einen richtig guten Job, und ihr findet viele gute Tipps für euren Urlaub.
Sonntag, 2. Juli
Gerade fand das Perdòn di Barbana statt, die feierliche Schiffsprozession zum Inselkloster. Seit 1237 wird das Perdòn immer am ersten Julisonntag zelebriert und dürfte damit eine der ältesten durchgängigen Veranstaltungen dieser Art weltweit sein.


Sogar in Kriegszeiten fuhr man durch die Lagune (allerdings mit stark reduzierter Flotte), und nur einmal, im Jahr 1934, musste das Perdòn wegen eines heftigen Unwetters auf den folgenden Sonntag verschoben werden. Unter den 400 extra angereisten Pilgern erhob sich, so die Chronisten, ein Heulen und Wehklagen – vor allem, weil nur eine Stunde später die Sonne hervorkam und es noch ein prächtiger Tag wurde. Und ein gutes Omen für die kommenden Jahre war die Verschiebung ja auch nicht gerade.
Montag, 3. Juli
Schöne Grüße aus Venedig, wo ich gerade für den Pino-Nachfolgeband unterwegs bin, eine kulinarisch-kulturelle Reise von Venedig nach Triest, immer am Wasser entlang. Das ist eigentlich alles noch geheim, das Buch erscheint erst im nächsten Frühjahr; aber wir sind ja in unserer famiglia, da bleibt es unter uns.

Jedenfalls habe ich Signora Alessandra kennengelernt, die seit 64 Jahren täglich cicchetti macht, die typischen venezianischen Häppchen. Wir haben ausgerechnet, dass sie in ihrem langen Arbeitsleben mehr als sieben Millionen Stück zubereitet hat.

Und wo wir gerade in Venedig sind: Ich war in einem neuen Venedig-Podcast zu Gast! Hört mal rein, man hat mir gesagt, es sei sehr unterhaltsam und interessant geworden.

Dienstag, 4. Juli
Wie geht es eigentlich Pinos Bar? Das ist eine der häufigsten Fragen, die mir Leserinnen und Leser stellen. Eine schrieb, ob man dort denn überhaupt noch hingehen könne oder ob es jetzt ein touristischer Treff »wie das Hawelka in Wien« sei (ich zitiere wörtlich, weil ich noch nie im Hawelka war). Jedenfalls kann ich euch versichern, dass sich nichts verändert hat. Natürlich kommen immer mal wieder Neugierige vorbei, die nur schauen wollen. Aber die sind in der Minderheit. Viele Interessierte sind neue Gäste geworden. »Pino ist genau so, wie du es beschrieben hast«, schreiben mir viele, und das ist eines der schönsten Komplimente, die man als Autor bekommen kann.

Pino ist ebenfalls glücklich. Denn am Ende ist er eben auch Unternehmer und freut sich über zusätzliche Gäste. Aber es ist nicht nur das: Seine Knie machen nicht mehr mit. Er, der jahrzehntelang um die Welt gereist ist, kann kaum noch seine Bar verlassen. Umso mehr freut er sich, dass die Welt nun zu ihm kommt.
Und was ihn besonders freut: Er wird immer wieder gefragt, ob er das Buch signieren könne. Ich als Autor spiele keine Rolle mehr, bin gewissermaßen hinter mein Werk zurückgetreten, das sich verselbständigt hat.
Kurzum: Pinos Bar hat nichts, aber auch gar nichts von ihrem Charme verloren
Mittwoch, 5. Juli
Für das neue Buch war ich auch in Jesolo. Irre, da tut sich richtig viel. Ich kann, wie gesagt, noch nicht allzu viel verraten, nur eine kleine Randbeobachtung: Die Jesolo-Touristiker hatten eine richtig clevere Idee. Sie haben nämlich den Lungomare, also die Flaniermeile am Strand, abschnittsweise nach italienischen TV-Persönlichkeiten benannt – und zwar nach noch lebenden, etwa Nancy Brilli und Christian De Sica.

Die fühlten sich natürlich mächtig geschmeichelt, dass sie eine eigene Straße bekamen, erschienen zur Einweihung und sorgten italienweit für gute Presse.
Donnerstag, 6. Juli
Zum Schluss ein Fundstück von Pinos Tochter Arianna: ein historisches Foto aus Pinos Bar. Damals durften die Tische noch bis an die Straße stehen.

Ich tippe auf späte 1980er, was meint ihr? Und sitzt der Herr vorn links etwa im freien Oberkörper da? Es ging also schon damals mit den guten Sitten dahin.
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Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende!
»Meine Bar in Italien« könnt ihr in eurer Lieblingsbuchhandlung kaufen – oder gleich hier.

Grazie, grazie, grazie.

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[…] eine Cicchetteria, und über diese kleinen venezianischen Häppchen hatte ich ja vor zwei Wochen […]
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[…] Stadt lest ihr hier), in Venedig die Cicchetti (alles über die Großmeisterin der Cicchetti lest ihr hier – und natürlich habe ich mich bei den 7 Millionen Häppchen spektakulär verrechnet. Wer findet […]
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