Harter Kampf um den Strand, Walzer in Wien, Wölfe auf dem Festland (Wölfe? Ja, Wölfe): Mediterrane Wochenschau CCXCII

Hier kommt der einzige Newsletter, der ein ganz turbulentes Wochenende hinter sich gebracht hat! Erst trat ich am Freitag beim Podcastfestival in Klagenfurt auf, dann war ich am Samstag »Buchbotschafter« beim Wiener Ball der Bücher – mit Smoking und selbstgebundener Fliege. (Okay, meine Frau hat sie gebunden.)

Mein erster Wiener Ball. Es war wunderbar.

Gleich am Montagmorgen war ich bei Pino, um wieder zurück in die Normalität zu finden: Gedudel des Glücksspielautomaten statt Walzerklänge.

Die Reise hat sich auch deswegen gelohnt, weil mir der Verlag auf dem Bücherball schon ein Buch frisch aus der Druckerei in die Hand gedrückt hat. Ich habe es gleich mit zu Pino genommen.

Hat sich gleich wohl gefühlt bei Pino!

Was erwartet euch heute?

  • Der Kampf um den Strand
  • Wölfe und Schakale
  • Espressotassen sind da!

Vorab: In der aktuellen Podcastfolge 26 geht es um die vergessenen Kinder in Triest und ein Glückslos, das nur Unglück brachte. Und in Folge 27, die morgen erscheint, geht es um einen falschen Priester beim Fußball und um ein bekanntes italienisches Wort, das wir alle fast immer falsch benutzen.

Apropos Podcast: Ihr seid die Besten, danke!

Dienstag, 14. April

Wenn das fabelhafte Osterwochenende und die nicht sehr fabelhafte Weltlage samt unsicherer Flugverbindungen als Hinweise auf die kommende Saison taugen, dann erwartet uns ein Rekordsommer an der Adria. In diesen Tagen dürfen am Hauptstrand von Grado die Sonnenschirme gebucht werden – 2.200 gehen in den Online-Verkauf, weitere 1.000 sind bereits den Abonnenten zugeteilt. Besonders beliebt sind die Schirme in der ersten Reihe.

Der Bürgermeister hat derweil andere Sorgen. Grado hat sich mit anderen Badeorten in ganz Italien zu einem »G20 der Strände« zusammengeschlossen; gerade traf man sich im toskanischen Bibbona, im September ist ein Gipfel in Lignano geplant. Denn um den Platz am Strand ist in Italien ein echter Kampf entbrannt. Die Kontrahenten: Europäische Union gegen Italiens Strandclubbetreiber. Die EU fordert freien Markt, die Betreiber geben aber die Konzessionen ungern ab. Denn diese Konzessionen sind einerseits extrem lukrativ. Und weil die Betreiber andererseits – sagen sie – über Jahre investiert hätten, könne nun nicht einfach ein anderer Bewerber kommen und alles übernehmen. Brüssel fordert aber öffentliche Ausschreibungen und einen fairen Wettbewerb: Lizenzen dürften nicht einfach innerhalb der Familie weitergegeben werden. Und selbstverständlich wären Entschädigungen oder Abstandszahlungen vorgesehen. Das Problem dieser geschlossenen Gesellschaften gibt es überall in Italien, etwa bei den Taxilizenzen in den großen Städten – und auch bei den Gondolieri in Venedig.

Die italienischen Politiker zögern, an den Stränden das EU-Recht durchzusetzen, weil fast alle Bagni in der Hand von örtlichen Familien sind; eine gesetzeskonforme Entscheidung würde Wählerstimmen kosten. Die Stimmung unterm Sonnenschirm ist also angespannt. Weil vieles in der Luft hängt, wollen die G20 Rechtssicherheit. Der Strandtourismus ist für viele Orte überlebenswichtig. Wenn aber die Branche unsicher ist, bleiben Investitionen liegen.

Die »Concessione« ist genau das Problem.

Also: entweder sofortige und konsequente Umsetzung des EU-Rechts (was schon seit 2006 fällig gewesen wäre) oder ein ebenso konsequenter Schutz der Strandclubbetreiber. Es gibt in Italien etwas mehr als 12.000 Bagni mit einem (offiziellen) durchschnittlichen Umsatz von 260.000 Euro.

Das Schreckgespenst des freien Markts hat übrigens einen Namen: Frits Bolkestein. Der EU-Kommissar, inzwischen verstorben, war für den Erlass verantwortlich, der die Erbhöfe am Strand verbieten will, und das Wort »Bolkestein« ist in Italien zum Synonym für diesen Kulturkampf geworden. Wer den Namen des Niederländers vor einem Strandclubbetreiber ausspricht, der erlebt, was der menschliche Körper zu leisten vermag: Der Kopf des Betreibers wird tomatenrot anlaufen, dann wird schwarzer Dampf aus seinen Ohren zischen. 

Mittwoch, 15. April

An der Mündung des Isonzo, nur ein paar Kilometer von Grado entfernt, ist ein Wolf gesichtet worden! Experten gehen davon aus, dass es sich um ein einzelnes Exemplar handelt, vermutlich ein junges Tier, das auf der Suche nach neuem Lebensraum ist und dabei größere Distanzen zurücklegt. Für Naturschützer ist die Rückkehr ein gutes Zeichen. Gleichzeitig sorgt die Sichtung aber auch für Unsicherheit bei Landwirten und Anwohnern, die mögliche Angriffe auf Nutztiere befürchten.

Ich kenne das Dilemma aus Kärnten: Eigentlich ist man ja Team Wolf, man freut sich irgendwie, dass so ein cooles Tier wieder seinen Lebensraum gefunden hat. Aber wenn man dann Bilder der gerissenen Schafe sieht, gerät man doch ins Grübeln.

Und soeben meldet auch Aquileia Wolfssichtungen. Dabei hatte Aquileia in den letzten Wochen schon ein Schakalproblem – Schakale hatten mehrere Schafe und Lämmer gerissen. Auch hier sagt Bürgermeister Emanuele Zorino, dass es sich vermutlich um ein einzelnes Tier handelt. Ob es dasselbe Tier vom Isonzo ist? Unklar. Es bestünde keinerlei Gefahr für die Bevölkerung, erklärt der Bürgermeister. Er ruft dennoch zur Vorsicht und zur Einhaltung der Verhaltensregeln auf: keine Annäherung an das Tier, keine Fütterung und keine Abfälle offen liegen lassen. Die Bürger werden außerdem gebeten, Sichtungen den Behörden zu melden.

Donnerstag, 16. April

Ich war im Podcast Interviewhelden von Markus Tirok zu Gast. hört doch mal rein!

Das schreibt Markus über unser Gespräch:

Gibt es diesen einen Moment, in dem das Leben entscheidet, jetzt wirst du beruflich erfolgreich?
Der gar nicht von dir zu beeinflussen ist, sondern wirklich von außen kommt?

Gab es den bei dir?
Oder ist alles nur das Ergebnis harter Arbeit?

Mit Autor und Podcaster Stefan Maiwald bin ich auf Suche nach diesem Moment gegangen.

Stefan Maiwald lebt auf der kleinen Adria-Insel Grado.

Es fühlt sich so an, als säßen wir während meiner Podcastaufnahme mit ihm in seiner kleinen Lieblingskaffeebar Pino. Über den 85-jährigen Pino hat Stefan sogar schon ein Buch geschrieben.

Wir sprechen über sein außergewöhnliches Leben als Autor und Journalist, über italienische Klischees und die Idee einen Podcast zu machen, obwohl er Autorenlesungen immer vermieden hat.

Heute gehört sein Podcast »Radio Adria« zu den erfolgreichsten Reisepodcasts.

Würde ich im Sommer nach Italien reisen, würde ich heute schon sein neuestes Buch bestellen. »Espresso unter Sternen« kommt im Mai raus.

Heute gibt es hier in diesem Post keine Frage für Interaktion und auch kein CTA für Marketing.
Nur die entspannte Einladung mit uns in Pinos Bar zu kommen und Platz an unserem Tisch zu nehmen. Für ein schönes Gespräch.

Danke, lieber Markus, es hat mir sehr viel Freude gemacht.

Übrigens: Auch die Espressotassen sind angekommen!

Ihr wisst ja: Unter allen Vorbestellern verlosen wir 15 dieser Tassen. Und nur noch bis übermorgen, den 19. April, könnt ihr bei der Autorenwelt ein signiertes Buch bestellen – ohne Aufpreis. Das habt ihr dann pünktlich in der Post. Aber ihr könnt das Buch auch überall sonst vorbestellen, also bei eurer Lieblingsbuchhandlung, beim großen A, Thalia, Hugendubel, Morawa… wo auch immer ihr mögt. Und wenn ihr bei der Verlosung teilnehmen wollt, lasst es mich nur kurz wissen. Einen Nachweis der Bestellung brauche ich nicht.

Und jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende.

Alles über die bisherigen Bücher lest ihr hier.

Zu allen Podcast-Folgen geht es hier entlang.

Und hier kommen die aktualisierten Lesetermine.

Montag, 11. Mai: München, Buchhandlung Singer
Dienstag, 12. Mai: Coburg, Buchhandlung Riemann
Mittwoch, 13. Mai: Großkarolinenfeld, Voglbuch 
Montag, 18. Mai: Klagenfurt, Buchhandlung Heyn
Dienstag, 19. Mai: Wien, Konzertcafé Schmid Hansl
Mittwoch, 20. Mai: Graz, Buchhandlung Büchersegler
Mittwoch, 10. Juni: Hart, Stadtbibliothek
Donnerstag, 11. Juni: Gleisdorf, Buchhandlung Plautz
Freitag, 12. Juni: Steyr, Casinosäle
Freitag, 19. Juni: Wien, Thalia Mitte
Samstag, 20. Juni: Mödling, Literarische Gesellschaft
Samstag, 12. September: Bad Radkersburg
Ende September: Salzburg! (Wir sind gerade am Organisieren)