Der Trick der Fischer, das tiefe Meer und das rasende Buch: Mediterrane Wochenschau CCXCVIII

Hier kommt der einzige Newsletter, der gerade so richtig kichern musste. Denn ihr wisst ja, wie eng die Parkplätze in den Hotelgaragen sind. Die Garagen wurden in den 1970er- und 1980er-Jahren gebaut, aber die Autos sind immer größer und dicker geworden.

Jedenfalls ging ich vorhin an einer Hotelgarage vorbei, in der ein Angestellter einen Österreicher einwies. Und der Angestellte rief laut: »Mit dem Popo rein, mit dem Popo rein!«

Er meinte, der Gast solle rückwärts einparken. Die Sache mit dem Popo werde ich ab jetzt übernehmen.

Was erwartet euch dieses Mal?

  • zerplatzte Aufstiegsträume
  • die versandenden Fahrtrinnen
  • die drohende Schulschließung
  • das überraschend tiefe Wasser
  • Stefan Maiwald, 18 Jahre alt (am Freitag)

Vorab, weil die Reisewelle anrollt:
Hier stehen meine persönlichen Tipps für Grado.
Hier stehen alle Events von 2026.

Im aktuellen Podcast geht es um die Schleuser von Grado, den Luxusboom in Venedig – und ihr erfahrt alles über Prosecco.

Jetzt aber rein in die Woche!

Pfingstmontag, 25. Mai

Wer die traumhaften Tage am Strand von Grado verbrachte, erlebte eine kleine Überraschung, zumindest am Hauptabschnitt: Das Wasser ist plötzlich tief! Man ist praktisch sofort beinahe bis zu den Knien nass – das war doch letzte Saison noch anders!

Gut beobachtet, denn die Unwetter von Mitte Mai hatten den Strand bis zur ersten Sonnenschirmreihe fortgerissen, aber die Strandverwaltung holte sich den Sand mit Baggern einfach direkt vom Ufersaum zurück. Deswegen waren die ersten Meter im Meer auch so milchig. Wundert euch also nicht über die Untiefe!

»Untiefe« ist übrigens eines der ganz wenigen Wörter der deutschen Sprache, die gleichzeitig auch das genaue Gegenteil bedeutet. Es kann sowohl eine besonders seichte als auch eine besonders tiefe Stelle bezeichnen. Diese Wörter nennt man Januswörter oder Antagonyme. Weitere Beispiele sind »Beule« (kann sowohl eine Delle als auch eine Erhebung bedeuten) oder »abdecken« (kann »zudecken« heißen, aber auch das Gegenteil, etwa »ein Dach abdecken«). Entschuldigt den Ausflug; als Autor ist man Sprachnerd.

Gibt es auch im Italienischen Januswörter? Wenn man so will, ist sogar eines der bekanntesten Wörter der italienischen Sprache ein Januswort. Denn »Ciao« ist ja sowohl eine Begrüßung als auch eine Verabschiedung.

Dienstag, 26. Mai

Weil einige von euch mich gefragt haben: Grados Fußballverein hat den Aufstieg nicht geschafft, dabei sah es lange gut aus. Vor allem in den letzten Spielen haben die Gradeser Punkte liegen lassen und es nicht mal ins Aufstiegs-Playoff geschafft.

Da nützte auch die schöne Sicht nichts.

Ich habe es geahnt. Denn schon im Oktober und November erzählten mir die Verantwortlichen, dass sie praktisch schon aufgestiegen seien, was mich verwunderte. Denn ich habe ja von meiner italienischen Familie gelernt, dass man nie zu optimistisch sein darf. Man darf sich nicht einmal »viel Glück« wünschen, sondern sagt »in bocca al lupo«, also »im Wolfsrachen«. Die Verantwortlichen haben mit ihrer Siegesgewissheit das Schicksal geradezu herausgefordert. Hoffen wir auf die nächste Saison.

Mittwoch, 27. Mai

Ich habe euch ja in der letzten Woche von der Versandung der Schiffsrouten rund um Grado berichtet, insbesondere am Hafen San Vito – das ist der große Yachthafen nicht weit vom alten Strand. Immer häufiger müssten dort Liegeplatzanfragen abgelehnt oder Booten die Einfahrt bei Ebbe verweigert werden. Gar nicht gut für den Tourismus.

Und es stimmt ja: Sedimente machen Grado zu schaffen, aber auch im positiven Sinne. Denn der alte Strand ist in den letzten achtzig Jahren um bestimmt fünfzig Meter gewachsen. Früher schlugen die Wellen bis an die Ufermole, an ein Sonnenbaden war dort nicht zu denken. Außerdem gibt es Entwarnung – denn man hätte vielleicht mal all jene fragen können, die sich auskennen, nämlich die Fischer. 

Dann meldeten sich die Fischer zu Wort, und jetzt wird’s lustig. Man hätte sie ja auch mal eher fragen können. Sie sagen, die Rinne ist da und auch tief genug, aber die Bojen sind falsch gesteckt. Also, nicht Bojen, sondern die Bricole. Eine Bricola ist dieses typische Holzpfahlbündel an der Oberen Adria, was die Schifffahrtsrouten markiert. 

Sehr malerisch – aber falsch gesteckt?

Und die Bricole rund um Grado sind ausgerechnet dort gesteckt, wo das Wasser am tiefsten ist, sodass sie die Navigation behindern.

Also muss einfach nur umgesteckt werden. Jedenfalls fürs Erste.

Und das kam gerade noch rein: Auch die Region hat sich gemeldet und hart zurückgeschlagen. Die Kanäle rund um Grado seien alle schiffbar, das einzige Problem sei tatsächlich vor dem Porto San Vito, aber das Ausbaggern sei Sache des Hafenbetreibers, nicht der Region. Einem Rechtsstreit sehe man gelassen entgegen. Autsch. Das wird eine längere Geschichte werden.

Donnerstag, 28. Mai

Es kam, wie es kommen musste – hier habt ihr es schon vor Monaten zuerst gelesen: Die erste Klasse der Grundschule in Fossalon kommt nicht zustande. Und wenn der Trend anhält, ist es dort bald mit dem Schulbetrieb vorbei. 

Gehen hier bald die Lichter aus? Ist der letzte Kreidestrich auf der Tafel nah?

Die Opposition attackiert den Bürgermeister, aber was kann der schon groß machen? Die niedrige Geburtenrate ist nun mal ein Problem in ganz Italien.

Freitag, 29. Mai

Lesestoff fürs Wochenende! In der Oe24-Bestenliste bin ich in der ersten Woche nicht nur von 0 auf 1 eingestiegen, sondern konnte den Spitzenplatz auch in Woche 2 halten. Wahnsinn – danke, Österreich!

Und nun ist es offiziell: Auch auf der wichtigen Liste des Hauptverbandes des österreichischen Buchhandels bin ich auf Platz 1. Nicht zu fassen.

Was würde mein 18-jähriges Ich heute zu mir sagen?
Mein 18-jähriges Ich hat davon geträumt, irgendwas mit Büchern zu machen. Und sei es, sie aus irgendeiner Etage einer düsteren Bibliothek in irgendeine andere Etage zu schleppen und da in die verstaubten Regale einzusortieren.
Und jetzt? Was würde mein 18-jähriges Ich heute sagen?
Vermutlich so etwas wie: »Verdammt weit gekommen, alter Sack.« (Mein 18-jähriges Ich fluchte gern.)

Seid dabei, liebe famiglia. Holt euch »Espresso unter Sternen« – in eurer Lieblingsbuchhandlung, beim großen A, bei MorawaThalia oder Hugendubel

Und jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende.

Zu allen Podcast-Folgen geht es hier entlang.

Und hier kommen die aktualisierten Lesetermine.

Mittwoch, 10. Juni: Hart, Stadtbibliothek
Donnerstag, 11. Juni: Gleisdorf, Buchhandlung Plautz
Freitag, 12. Juni: Steyr, Casinosäle
Freitag, 19. Juni: Wien, Thalia Mitte
Samstag, 20. Juni: Mödling, Literarische Gesellschaft
Samstag, 12. September: Bad Radkersburg, Mare-Hotels
Mittwoch, 30. September: Grafing, Bücherstube
Donnerstag, 1. Oktober: Wasserburg, Bücher Herzog
Freitag, 2. Oktober: Kolbermoor, Bibliothek
Samstag, 17. Oktober: Gutenstein, Buchmesse Bücherträume