Die Bilanz des Unwetters, der bröckelnde Turm, Aperol überall: Mediterrane Wochenschau Nr. 311

Hier kommt der einzige Newsletter, der seinen Kleiderschrank massiv umsortieren muss. Denn ich hatte daran geglaubt, mit dem halbaufgeknöpften, halb aufgekrempelten Hemd den heiligen Gral der Mode gefunden zu haben und mich um nichts mehr kümmern zu müssen. Eigentlich laufe ich seit fünfzehn Jahren so durch die Gegend, jedenfalls von April bis Oktober.

Doch meine jüngste Tochter studiert ja Mode in Mailand. Und: Der Hemden-Look ist sowas von out, sagt sie. Auch für Dads wie mich. Ab jetzt sind wieder weite T-Shirts (nicht etwa Polo-Shirts mit Kragen!) und weite, gerade Hosen angesagt.

Falsch, ganz falsch.

Na, ich werde mal dranbleiben. Nächste Woche geht’s mit ihr in die Boutiquen. Mal sehen, wie blamabel das für mich wird. Fotos folgen.

Was erwartet euch in dieser Woche?

  • Die Bilanz des Unwetters
  • Der bröckelnde Glockenturm
  • Schüler ohne Schule
  • Aperol Spritz erobert die Welt

Montag, 24. August

Reden wir vom Unwetter. Ja, es hat ordentlich gescheppert am vergangenen Freitag. Bäume wurden umgerissen, Garagen und Fahrstuhlschächte liefen voll. Die Regenmassen waren, wie immer bei einem mediterranen Unwetter, beeindruckend.

Da walzt es heran.

Größere Verwüstungen gab es auch: Der Campingplatz Al Bosco, der aus irgendeinem Grund bei jedem Sturm am schwersten leidet, meldet Schäden von 400.000 Euro, vor allem von abknickenden Ästen und umstürzenden Bäumen, die auf Wohnmobile und Bungalows krachten. Auch auf dem Golfplatz hat es ein paar Bäume erwischt. Das dazugehörige Feriendorf Club del Sole hatte besonders mit dem Starkregen und der schnell anschwellenden Flut zu kämpfen, die am Strand Sonnenschirme und Liegestühle fortriss.

Insgesamt soll sich der Schaden auf eine Million Euro belaufen. Was viel klingt, aber auch die Aufräumarbeiten von Feuerwehr und Zivilschutz beinhaltet, etwa das Zersägen und Abtransportieren der Bäume. Generell werden solche Schadensmeldungen gern – na, nennen wir es mal aufgerundet, um politischen Druck aufzubauen und an die Hilfstöpfe der Region zu kommen.

Aber man muss konstatieren: Wir haben’s schon schlimmer erlebt. Die meisten sind eher erleichtert über die Wassermassen und den Temperatursturz. Bis auf den Versicherer des Campingplatzes Al Bosco.

Dienstag, 25. August

Der kurioseste Schaden blieb lange unsichtbar: Unserem Pfarrer fiel er als Erstem auf. Monsignore Paolo vermeldete einen Blitzeinschlag in den Glockenturm der Basilika. Die Folgen blieben zum Glück glimpflich – deswegen merkte es zunächst niemand –, aber die Elektronik fiel aus, auch das WiFi-System der Kirche wurde lahmgelegt, was bedeutet, dass der Spendenautomat im Innern (der auch Kreditkarten akzeptiert) ebenso wenig funktioniert wie der YouTube-Kanal, der Don Paolos Messen live überträgt. 

Spenden per Kreditkarte – die Kirche geht eben mit der Zeit.

Blieb auch die Turmuhr stehen wie bei Zurück in die Zukunft? Nein, beim Fototermin kreisten die Zeiger, von einer unsichtbaren Kraft angetrieben, mit viel zu hoher Geschwindigkeit umher. Ein göttliches Zeichen dafür, dass Blitze heiligen Stätten nichts anhaben können?

Bis Mitte September, verspricht der Monsignore, soll alles repariert sein.

Update: Die Uhr funktioniert wieder.

Apropos: Wann wird der schöne Glockenturm denn endlich eingerüstet und repariert? Schon im letzten Jahr sollten die Arbeiten losgehen. Ein improvisierter (und nicht sehr hübscher) Tunnel aus Zeltplanen schützt derweil vor herabstürzenden Steinen. 

Mal sehen, wann die bröckelnde Fassade endlich repariert wird. Der Turm selbst nimmt die Verzögerungen mit einer stoischen Gelassenheit hin, die er sich in sechshundert Jahren antrainiert hat.

Mittwoch, 26. August

Auf dieser Seite habt ihr es zuerst gelesen, nun ist es bittere Wahrheit geworden: Die Ganztags-Grundschule in Fossalon hat keine erste Klasse zusammenbekommen. Das ist ein Thema, das Grado sehr beschäftigt – und die betroffenen Mütter und Väter vor große Probleme stellt. Wenn beide Elternteile berufstätig sind, müssen einige von ihnen ihre Kinder nun aufs Festland bringen. Tatsächlich entschieden sich die Eltern von sieben Kindern bereits für eine Ganztagsschule in Aquileia. Nun will die Halbtags-Grundschule in Grado versuchsweise auch Nachmittagsbetreuung anbieten, außerdem denkt man in Fossalon über eine sogenannte pluriclasse nach, also eine jahrgangsübergreifende Klasse.

Ach, diese Nostalgie: Auf diese Grundschule gingen auch meine Töchter.

Denn im Raum steht die komplette Schulschließung. Was ein weiterer Nackenschlag für Fossalon wäre, nachdem sie schon die Post und die Bank und viele weitere Dienstleister verloren haben; auch echte Einkaufsmöglichkeiten gibt es kaum. Die Fossalonesi beklagen sich, sie müssten für die kleinsten Besorgungen zehn Kilometer bis Grado fahren.

Donnerstag, 27. August

Der Aperol Spritz erobert die Welt! Ich spreche an diesem Wochenende in der neuen Folge von Radio Adria über den unglaublichen Siegeszug eines Getränks – inzwischen werden mehr Aperol Spritz als Champagner getrunken. 

Das Getränk hat von Padua aus die Welt erobert.

In Venedig, sagt Campari-Manager Gabriele Ornaghi (Aperol gehört seit 2003 zur Campari-Gruppe), stehe er bei ausländischen Gästen teilweise schon um 11 Uhr morgens auf dem Tisch. Na, das ist noch gar nichts: Hier an den Strandbars in Grado habe ich ihn schon um 9 gesehen.

Jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende. Wichtige Service-Mitteilung: Wenn ihr am Samstag ankommt oder Richtung Heimat fahrt, denkt an den Grado Triathlon. Von etwa 12.30 bis 15.30 Uhr ist die Hauptstraße in Richtung Fossalon gesperrt. Hier findet ihr den genauen Routenverlauf.

Und damit ihr euren Urlaub daheim verlängern könnt, kommt hier die Maiwald-Backlist meiner Lieblingsbücher. Ihr könnt sie in jeder Buchhandlung oder online bestellen, fast alle auch als E-Book oder Hörbuch.

Das Italien-Prinzip: Warum fasziniert uns dieses Land so sehr? Ein munterer Ritt durch Geschichte und Gegenwart. Hier entlang.
»Maiwald packt mediterranes Lebensgefühl zwischen zwei Buchdeckel.« – Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung
Meine Bar in Italien: Amüsante Lebenshilfe aus Pinos Enoteca, darunter mit dem heimlichen Helden Bruno und seiner Art zu arbeiten. Hier entlang.
»Ein wunderbar wärmendes Buch.« – Der Standard
Die Spaghetti-vongole-Tagebücher: Kultur & Kulinarik: eine turbulente kulinarische Reise von Venedig nach Triest, mit Tipps und Rezepten. Hier entlang.
»Endlich mal wieder ein echtes Feel-Good-Buch, das so richtig Lust auf Italien, seine Küche und den Sommer macht.« – Die Steirerin

Mein Leben am Strand: Sonnenstunden am Spülsaum, italienische Rituale, Begegnungen. Das Dolce Vita in Reinform. Hier entlang.
»Stefan Maiwald schreibt die Leichtigkeit in unser Leben.« – Oberösterreichische Nachrichten
Alle weg: verblüffende Einblicke: ein Winter an der Adria, wenn die Einheimischen unter sich sind. Eine Abenteuerreise in ein ganz fremdes Land. Hier entlang.
»Unterhaltsam und kurzweilig und macht Lust auf einen Ausflug nach Grado.« – Kronenzeitung

In den Links zu den Büchern verweise ich auf Amazon, aber ihr bekommt die Bücher natürlich überall online – und in eurer Lieblingsbuchhandlung sowieso. Und: Danke an Leser Marcello für das Titelbild dieser Mediterranen Wochenschau – sieht sehr entspannt aus.

»Espresso unter Sternen« ist nun in der 15. Woche Bestseller in Österreich.

Und hier kommen die aktualisierten Lesetermine.
Samstag, 12. September: Bad Radkersburg, Mare-Hotels
Mittwoch, 30. September: Grafing, Bücherstube
Donnerstag, 1. Oktober: Wasserburg, Bücher Herzog
Freitag, 2. Oktober: Kolbermoor, Bibliothek 
Sonntag, 11. Oktober: Stift Ossiach, Festival »Kunst der Balance« 
Samstag, 17. Oktober: Gutenstein, Buchmesse Bücherträume