Hier kommt der Newsletter, der sich diese Woche über ganz viel Post von euch gefreut hat! Ich habe allen geantwortet, und meine Lieblingsmail kam von Dominik, einem Mann, der wenig Worte verliert (was ich sehr sympathisch finde): »Moin. Dein Buch über Pinos Bar gelesen und nach 4 Seiten direkt für meinen besten Freund bestellt, finde es Weltklasse.« Danke!
Was erwartet euch in dieser Woche?
- Das umstrittene Feuerwerk
- Ausverkauft, aber leer? Sonnenschirme und Liegen am Strand
- Das Rätsel um das versunkene Boot
- Gefährliche Mischung: Fußball und Politik
Vorab noch: In der neuen Podcastfolge von Radio Adria geht es um die Luxusyacht vor Grado, die schönste Liebesgeschichte des Sommers und die spannende Frage, ob Italiener reicher sind als wir.
Montag, 17. August
Das Feuerwerk gehört in den italienischen Badeorten zu Ferragosto wie der Strand und das Meer. Doch in diesem Jahr sorgte das Spektakel für Diskussionen. Der Grund: Während in Teilen Friauls, besonders in Karnien, Waldbrände wüteten, ließ Grado sein Feuerwerk wie geplant steigen. In den sozialen Medien hagelte es Kritik. Angesichts der Brände und der Arbeit der Einsatzkräfte hätte die Gemeinde besser verzichten sollen, fanden manche.
Der Bürgermeister hält dagegen: Das Feuerwerk sei lange geplant und vertraglich vereinbart gewesen, eine Absage oder Verschiebung hätte erhebliche Kosten verursacht. Vor allem aber habe für Grado selbst kein Brandrisiko bestanden.
Und der Bürgermeister verweist auf einen entscheidenden Unterschied: Geschossen wurde in Richtung Meer. Funken oder brennende Teile hätten damit nicht ins Hinterland gelangen können. Auch die Art des Feuerwerks sei bewusst so gewählt worden, dass das Risiko möglichst gering blieb.
Vielen Kritikern geht es allerdings eher um die Symbolik als um die tatsächliche Brandgefahr. Auch wurde die Frage gestellt, ob so ein Geballer noch zeitgemäß sei. Nun muss man aber auch wissen, dass Feuerwerke in Italien eine viel größere Bedeutung haben als in Deutschland oder in Österreich – je tiefer gen Süden, desto bedeutender. Dort werden gewaltige Feuerwerke auch bei Hochzeiten, Geburtstagen und sogar bei der Kommunion veranstaltet.
Kurzum: Ich finde Feuerwerke ganz hübsch, aber mein Leben wird dadurch nicht bereichert. Das Thema sollen die Italiener mal schön unter sich ausmachen.
Dienstag, 18. August
Bleiben wir am Strand, denn viele von euch haben mich darauf angesprochen, und auch Leser S. schreibt mir verzweifelt: »Es ist heuer quasi unmöglich, kurzfristig einen Schirm am Hauptstrand zu bekommen. Wenn man dann allerdings am Strand ist, sind sehr viele Schirme unbesetzt. Wissen Sie, warum es zu dieser Diskrepanz kommt?«
Die Sache mit den Sonnenschirmen und den Liegen ist in Grado ein Dauerbrenner – selbst meine Schwiegermutter, eigentlich die uneingeschränkte Herrscherin des Strandes, stand vor 20 Jahren kurz davor, ihren angestammten Schirm zu verlieren; ich habe darüber in einem meiner ersten Bücher ausführlich berichtet.

Das Problem ist zweierlei: Erstens sind viele Sonnenschirme, vor allem in den begehrten Lagen, im Besitz von Saisongästen, die für den kompletten Sommer durchbuchen, aber meistens nicht den kompletten Sommer auch am Strand verbringen. Sie wollen sich halt die Flexibilität bewahren und immer dann kommen, wenn es ihnen passt. Schön, wenn man sich das leisten kann. Theoretisch kann man die Schirme, wenn man sie eine Zeitlang nicht nutzt, an die Strandverwaltung zurückgeben und erhält dafür eine Gutschrift fürs kommende Jahr, aber das ist den meisten Saisongästen zu kompliziert.
Zweitens gehen viele Kontingente an die Hotels, und das ist deswegen ein Problem, weil die Hotels in und um die Altstadt gebündelt sind, der Strand sich aber von der Altstadt bis weit nach draußen erstreckt. Es ist in Grado nicht so wie in Lignano und in Jesolo, wo jedes Hotel in der ersten Reihe steht und damit einen eigenen kleinen Strandabschnitt hat. Deswegen gibt es ganz viel Konkurrenz um die begehrten Reihen 1 bis 100.
Grado ist eben nicht für den Tourismus gebaut worden, sondern historisch gewachsen. Ich fürchte, auch in den kommenden Jahren wird sich daran wenig ändern.
Mittwoch, 19. August
Viele von euch haben mir geschrieben und sogar Fotos geschickt: In Grado gibt es ein Motorboot, das beschlossen hat, dauerhaft zu bleiben. Seit zwei Jahren liegt es halb versunken an einem Anleger an der Riva Brioni. Die Besitzer sollen Deutsche sein – nur weiß offenbar niemand, wo sie stecken.
Der private Betreiber des Anlegers würde das Wrack gerne loswerden, darf fremdes Eigentum aber nicht einfach entfernen. Die Behörden kennen das Problem ebenfalls, eine Lösung gibt es bislang trotzdem nicht. Das finde ich sehr merkwürdig – jeder kleine Strafzettel wird dir an deine deutsche oder österreichische Adresse geschickt, doch keiner kann die Eigentümer eines Bootes ausfindig machen? Da wird es doch Register und sonstige Unterlagen geben, auch für die Anmietung des Liegeplatzes dürften ja Dokumente erforderlich gewesen sein. Und wieso darf man fremdes Eigentum nicht entfernen? Wenn mein Auto quer auf der Straße steht, wird es ja auch irgendwann abgeschleppt – und ich bekomme die Rechnung.

Jedenfalls ist das Boot mehr als nur ein Schönheitsfehler. Zwei Liegeplätze sind blockiert, Rost und möglicherweise auch Treibstoff könnten das Wasser belasten. Und weil das Wrack in einem Bereich mit Strömung liegt, besteht zudem die Sorge, dass es sich irgendwann bewegen und die Fahrrinne behindern könnte.
Einfach abschleppen? Geht nicht, angeblich. Versetzen? Geht auch nicht. Und fachgerecht entsorgen könnte nach Angaben des Il Piccolo 40.000 Euro kosten.
So wartet der Konzessionär weiter auf eine Lösung – und das Motorboot rostet weiter vor sich hin. Immerhin sorgt Grados neue Dauer-Sehenswürdigkeit für kreative Schübe: Das Boot wird von Malern und Fotografen als Motiv entdeckt. Für den Betreiber des Anlegers dürfte sich der ästhetische Reiz allerdings in Grenzen halten.
Donnerstag, 20. August
Langsam geht es auch wieder mit dem Fußball los: Im Stadion auf der Isola della Schiusa laufen die letzten Arbeiten vor dem Start der neuen Saison. Denn die Bewässerungsanlage des Spielfelds wurde erneuert. Jetzt gibt es ein modernes System, das den Rasen gleichmäßiger versorgt und sich automatisch steuern lässt.
Die Investition liegt bei 83.000 Euro. Und damit ist noch lange nicht Schluss. Als Nächstes soll die Tribüne überdacht werden. Außerdem sollen die Umkleidekabinen erweitert werden. Dafür sind 3,5 Millionen Euro vorgesehen.
Die Fußballer können sich jedenfalls über bessere Trainingsbedingungen freuen. Und vielleicht hilft der neue Rasen ja auch sportlich ein bisschen nach, nachdem der Aufstieg in der letzten Saison auf den letzten Metern verstolpert wurde – man kann es nicht anders sagen.
Übermorgen geht es mit dem Pokalspiel los, Saisonauftakt der Liga ist der 6. September. Oh, ich freue mich schon auf die Stadionbratwurst mit Blick auf die Lagune.

Probleme gibt es dafür in Aquileia mit dem schönen Stadion direkt an den Ausgrabungsstätten: Die erste Mannschaft – immerhin ein Team mit hundertjähriger Tradition – hat sich überraschend vom Ligabetrieb abgemeldet, lediglich die Jugendmannschaften werden antreten. Der Hintergrund für diese drastische Maßnahme sind unter anderem Schulden, die in den letzten Jahren aufgelaufen sind. Die Opposition tobt und attackiert den Bürgermeister. Der kontert: Eine Gemeindeverwaltung kann sich nicht um die Leitung eines privaten Fußballvereins kümmern.
So schnell wird es wohl kein Derby mehr geben. Wie schade!
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Jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende.
Zu allen Podcast-Folgen geht es hier entlang. Sucht euch was Schönes raus und gönnt euch ein bisschen Italien zwischendurch.
Alles über »Espresso unter Sternen« lest ihr hier. Nun in der 14. Woche auf der Bestsellerliste, es ist nicht zu fassen.

