Willkommen in unserer famiglia! In den letzten Wochen sind viele Leserinnen und Leser neu hinzugekommen, was mich sehr freut. Auf dieser Seite bekommt ihr jeden Freitag einen kleinen Italienurlaub mit allerlei bunten Themen.
Vorab ein kurzer technischer Hinweis: Ich habe ein bisschen an der Startseite gebastelt. Ich habe ein »Neu hier?« mit den beliebtesten Beiträgen der letzten Jahre eingefügt sowie die Bereiche »Bücher« und »Über mich« aktualisiert, denn da war alles schon ziemlich veraltet. Einen kleinen Hinweis auf meinen neuen Roman habe ich auch versteckt, der im April 2027 erscheint – hier entlang.
Jetzt aber rein in die Woche! Was erwartet euch?
- Viele Badeunglücke – aber war es wirklich ein »schwarzer Sommer« an der Adria?
- Grados Glockenturm macht sich schick
- Die Mutter aller Schlaglöcher: Schluss mit dem abgesackten Anleger
- Und wie geht das mit dem Trinkgeld in Italien?
Montag, 14. September
Wenn ihr in den nächsten Tagen durch Grado flaniert und Bauarbeiter am Campanile seht: keine Sorge, der Glockenturm wird nicht abgetragen. Er bekommt nur eine gründliche Kur.
Heute haben die Sicherungsarbeiten am Campanile der Basilika Sant’Eufemia begonnen – ich hatte es ja vor ein paar Monaten geschrieben. Ich korrigiere: Heute sollten die Arbeiten beginnen, bei meinem Stadtbummel (oder sollte ich sagen: Kontrollspaziergang?) war allerdings noch nichts zu sehen.
Zunächst soll das Areal abgesperrt werden, anschließend untersuchen Spezialisten den Turm aus nächster Nähe. Denn an der Fassade haben sich Schäden gezeigt. Es gibt Risse, beschädigtes Mauerwerk, angegriffenen Putz und rostende Metallteile. Außerdem sollen lose oder gefährdete Stellen entfernt und die Oberflächen behandelt werden. Seit ein paar Monaten führt ja ein Tunnel um den Turm herum, damit niemandem ein Stein auf den Kopf fällt.
Der Campanile ist immerhin fast 44 Meter hoch und steht seit 1455 im Bora-Sturm und im salzigen Regen. Deshalb kommen Spezialisten zum Einsatz, die sich am Turm abseilen und die Fassade Zentimeter für Zentimeter untersuchen. Wo nötig, werden Fugen erneuert, Risse geschlossen, beschädigte Stellen stabilisiert und die berühmte Turmspitze samt Wetterfigur kontrolliert.

Die Arbeiten stehen unter Aufsicht der italienischen Denkmalschutzbehörde. Zunächst geht es um Sicherung und Konservierung; eine umfassendere Restaurierung der Fassaden soll folgen.
Dienstag, 15. September
Und Grado eröffnet gleich noch eine zweite Baustelle: Auch die Mole an der Riva Slataper muss stabilisiert werden. Dort haben sich Teile der Kaimauer gelöst. Das ist fast direkt vor unserer Haustür.

Dabei geht es nicht nur um die Mauer selbst, sondern auch um den darüberliegenden Fuß- und Radweg. Grado macht sich also im Herbst hübsch. Erst kommt der Campanile unters Messer, dann die Mole.
Aktueller Nachtrag: Heute haben die Arbeiten am Glockenturm doch angefangen. Offenbar wird er direkt eingerüstet, was die Arbeiten ja auch sicherer macht. Vor ein paar Monaten haben sich die Spezialisten noch abgeseilt. Sah spektakulär aus.

Mittwoch, 16. September
Der Corriere del Veneto spricht vom »schwarzen Sommer der Strände«. Anlass ist ein Todesfall in Jesolo: Eine 65-jährige Frau aus Mestre war am Strand spazieren. Sie ging ins Wasser, vermutlich um sich abzukühlen, brach zusammen und wurde von den Rettungsschwimmern gefunden. Trotz aller Wiederbelebungsversuche starb sie.
Und dieser Fall ist nur einer von vielen. Allein zwischen Bibione und Chioggia zählt der Corriere in diesem Sommer 15 Todesfälle am Meer. Die Opfer waren zwischen 50 und 90 Jahre alt. Hinzu kommen zahlreiche Badegäste, die nach Kreislaufproblemen oder anderen medizinischen Notfällen gerettet werden konnten. Und wir in Grado und in Lignano hatten ja auch ein paar Fälle, von denen manche gut ausgingen und manche nicht. Also: ein »schwarzer Sommer«?
Wir sollten bei solchen Schlagzeilen vorsichtig sein. Denn die Zeitung nennt zwar die Zahl der Todesfälle – setzt sie aber nicht ins Verhältnis zur Zahl der Menschen, die sich an den Stränden aufhalten.
An der oberen Adria verbringen jedes Jahr Millionen Menschen ihren Urlaub. In Orten wie Jesolo, Bibione, Caorle, Lignano und Grado vervielfacht sich im Sommer die Bevölkerung. Und gleichzeitig sind viele Städte im August wie leergefegt.
Wenn also Millionen Menschen an der Adria Urlaub machen, dann ist rein statistisch zu erwarten, dass sich auch Herzinfarkte, Kreislaufzusammenbrüche und andere medizinische Notfälle dorthin verlagern. Nicht jeder Mensch, der am Strand oder im Wasser stirbt, ist deshalb auch ein Badeopfer.
Das soll die einzelnen Fälle natürlich überhaupt nicht verharmlosen. Jeder Tod ist eine Tragödie, im Urlaub umso mehr. Aber für die Diagnose eines außergewöhnlich »schwarzen Sommers« bräuchten wir Vergleichszahlen: Wie viele Todesfälle gab es in früheren Jahren? Wie viele Urlauber waren jeweils an den Stränden? Und sind tatsächlich mehr Menschen ertrunken – oder sterben in diesem Sommer schlicht mehr Menschen am Meer, weil dort gerade ein gewaltiger Teil der Bevölkerung seine Zeit verbringt?
Die dramatische Schlagzeile funktioniert jedenfalls. Ob die Statistik dahinter genauso dramatisch ist, bezweifle ich.
Donnerstag, 17. September
Thema Trinkgeld: Ich behandle es in der aktuellen Podcastfolge ausführlicher – dort erzähle ich auch, wie ich es bei Pino mache –, aber hier kommt eine rasche Zusammenfassung. Punkt 1: Ihr seid nirgends verpflichtet, Trinkgeld zu geben, aber ihr dürft es natürlich. Punkt 2: Es gibt kein »Stimmt so.« Bezahlung und Trinkgeld sind zwei getrennte Vorgänge. Ihr lasst euch erst das gesamte Wechselgeld zurückbringen. Und dann lasst ihr etwas auf dem Teller liegen. Punkt 3: Im Café ist die Sache noch entspannter. Wenn ihr euren Espresso im Stehen an der Bar trinkt, müsst ihr nicht jedes Mal zwanzig oder fünfzig Cent Trinkgeld geben. Und wenn doch: Wechselgeld einfach liegen lassen. Oft steht an der Kasse oder auf dem Tresen ein kleines Schälchen für die mancia. Da könnt ihr etwas hineinwerfen. Müsst ihr aber nicht.
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Jetzt wünsche ich euch ein schönes Wochenende.
Eine Übersicht zu allen Podcastfolgen findet ihr hier.
Und hier kommen die Lesetermine.
Mittwoch, 30. September: Grafing, Bücherstube
Donnerstag, 1. Oktober: Wasserburg, Bücher Herzog
Freitag, 2. Oktober: Kolbermoor, Bibliothek
Sonntag, 11. Oktober: Stift Ossiach, Festival »Kunst der Balance«
Samstag, 17. Oktober: Gutenstein, Buchmesse Bücherträume
2027
Dienstag, 23. März: Triest, Caffè San Marco
Donnerstag, 8. April: München, Buchcafé Daily Bites
Freitag, 9. April: Coburg, Buchhandlung Riemann
Sonntag, 11. April: Nürnberg, Deuerlein Wein | Buch | Caffè
Freitag, 16. April: Salzburg, Höllrigl
Samstag, 17. April: Wien, Wiener Ball der Bücher
