Die Riesenpizza, der Jugendwahn, die Familie im Fernsehen: Mediterrane Wochenschau Nr. 320

Hier kommt der einzige Newsletter, für den gleich acht Fernsehleute angerückt sind! Ich war nervöser als bei einer Buchpremiere, aber ihr habt mir versichert, dass ich mich nicht komplett blamiert habe. Wer es noch nicht gesehen hat: Ihr findet die WDR-Reportage mit Judith Rakers in der ARD-Mediathek oder auf YouTube. Dort lernt ihr meine Familie kennen – und auch Bruno, den heimlichen Star von »Meine Bar in Italien«. Ja, er existiert wirklich!

Ich erkläre die Welt, aber keiner hört mir zu.

Montag, 26. Oktober

Es gibt zwei Momente im Leben eines Mannes, an denen er sich alt fühlt. Der erste Moment: Wenn alle Fußballer seines Lieblingsteams jünger sind als er. Der zweite Moment: Wenn auch alle Trainer jünger sind. Was ist nur aus der Tradition der alten Haudegen wie Ernst Happel, Luis Aragonés oder Otto Rehhagel geworden? Heutige Fußballtrainer sind gefühlt alle 33, schlank und so fit wie die Profis.

Für mich ist nun noch ein dritter Moment hinzugekommen: Denn beim berühmten Gesangsfestival von Grado hat ein Sänger gewonnen, der in die Schulklasse meiner jüngsten Tochter ging. Werden diese Schlagerstars also auch immer jünger! Früher musste man denen doch noch auf die Bühne helfen und vorher den Alkohol verstecken. Jedenfalls: Glückwunsch an Elia Longo und Emanuele Lorenzutti und ihren Song »Sercarè«, der sich auf ironische Weise mit der Frage beschäftigt, wo man den Sinn des Lebens findet. Das Ganze wird, wie es sich gehört, im Gradeser Dialekt gesungen – sercarè entspricht dem italienischen cercare, »suchen«.

Dienstag, 27. Oktober

Überhaupt war es ein intensives Wochenende, denn neben dem berühmten »Festival della Canzone Gradese« im Kongresssaal stieg auch schon zum zweiten Mal das Gourmetfestival »Calli di Bacco« in den Gassen der Altstadt. Dieses Mal waren 15 Restaurants und ebenso viele Winzer dabei. Das Wetter spielte nicht so brav mit wie noch vor einem Jahr, vor allem der Samstagnachmittag war ein kalter, nasser Horror.

Am Samstagabend kam dann doch noch die Sonne hervor. Foto: Monica & Werner Tomek.

Köstlich war es trotzdem überall. Einige der Favoriten: der Thunfisch von »Bruno Masaneta« und die Ravioli mit Boreto-Füllung in Boreto-Sugo im »Duca d’Aosta«. Hier und da wurde gemurrt, dass die Stände schon am Sonntagnachmittag schlossen – an den österreichischen Nationalfeiertag am Montag hatte wohl niemand gedacht, dabei war das doch eine einmalige Kombination, die nicht so schnell wiederkommt.

Eine Reisegruppe aus Graz änderte wegen des Wetters das Programm, verschanzte sich in Pinos Enoteca und trank dort die Schaumweinvorräte leer. Genial!

Mittwoch, 28. Oktober

Au weia: An der Strandpromenade von Grado hat es einen schweren Sturz gegeben. Eine 79-jährige Frau aus Gradisca d’Isonzo war an der Costa Azzurra unterwegs, als sie zu nahe an den Rand der Promenade geriet und hinunterstürzte. Die Frau erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma sowie weitere Verletzungen und wurde von Sanitätern ins Krankenhaus von Monfalcone gebracht.

Die arme Frau. Vor ein paar Jahren ist eine Teenagerin mit dem Fahrrad auf der Promenade unterwegs gewesen. Das ist übrigens verboten. Dabei schaute sie aufs Handy. Das ist nicht nur verboten, sondern auch dumm. Auch sie stürzte die Promenade herab und brach sich mehrere Knochen. Sie kann glücklich sein, dass keine Folgeschäden blieben.

Donnerstag, 29. Oktober

Grado hat jetzt auch eine preisgekrönte Pizza! Aniello De Gregorio von der Trattoria »In Piaseta« in der Altstadt wurde bei den »Napolitan Pizza Excellence Awards 2026« ausgezeichnet. Spezialität des Hauses ist die Pizza a ruota di carro, die Wagenradpizza. Die ist besonders groß, besonders dünn und hängt gern mal über den Tellerrand hinaus.

Hinter dem Restaurant steht die Familie Acunzo, deren Wurzeln in Kampanien liegen. Der Vater arbeitete mehr als 30 Jahre im Fischhandel, Sohn Daniele steht in der Küche, und auch der Rest der Familie packt mit an. Auf der Speisekarte treffen zwei Welten aufeinander: neapolitanische Pizza und Gradeser Fischküche. Besonders stolz ist man auf die Spezialpizza »Best World« mit Fior di latte, Datteltomatencreme, Büffel-Stracciatella, Parmaschinken und Pistazien.

Hier gibt es sehr große und sehr gute Pizzen.

Wer probieren möchte, muss sich beeilen: Am 2. November geht die Pizzeria in den Winterschlaf.

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Jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende.

Wenn ihr Italien auf die Ohren braucht, hört bei meinem Podcast rein: Hier habe ich alle Folgen mit Inhalt aufgelistet. Die perfekte Begleitung beim Kochen, Bügeln, Spazierengehen oder Autofahren.

Und die ersten Lesetermine fürs kommende Jahr stehen auch fest: 2027 wird voller Geschichten!

Dienstag, 23. März: Triest, Caffè San Marco (auf Deutsch)

Donnerstag, 8. April: München, Buchcafé Daily Bites

Freitag, 9. April: Coburg, Buchhandlung Riemann

Sonntag, 11. April: Nürnberg, Deuerlein Wein | Buch | Caffè

Dienstag, 13. April: Zolling, Bücherei

Freitag, 16. April: Salzburg, Höllrigl

Samstag, 17. April: Wien, Wiener Ball der Bücher

Dienstag, 27. April: Klagenfurt, Heyn

Mittwoch, 28. April: Steyr, Casinosäle

Donnerstag, 29. April: Leonding, Festival Wein & Worte

Freitag, 14. Mai: Bonn, Fabrik 45