Der geschnappte Seriendieb, die Geheimnisse der Einheimischen, Judith Rakers! Mediterrane Wochenschau CCXCIX

Hier kommt der einzige Newsletter, der mit allen anderen aus dem Friaul tief durchatmet. Denn diese Woche war geprägt von absoluten Großereignissen. Erst raste der Giro d’Italia vor 100.000 Schaulustigen durch die Region, dann gab Cesare Cremonini vor 25.000 Fans ein Konzert in Gorizia, für das sogar Autobahnausfahrten gesperrt werden mussten. Und dann war es ja auch noch eine doppelte Brückenwoche: Die Italiener hatten am 2. Juni ihren Staatsfeiertag, Österreicher und Süddeutsche zelebrierten Fronleichnam. Die ersten An- und Abreisewellen rollten – selig waren diejenigen, die das Wochenende in der Strandliege verbringen konnten.

Was erwartet euch?

  • Eine Grado-Tour mit Judith Rakers
  • Das Geheimnis der Einheimischen
  • Der geschnappte Seriendieb 
  • Ungewöhnliche Wörter

Jetzt aber rein in die Woche!

Montag, 1. Juni

Die ARD war bei mir zu Gast! Ein Sieben-Mann-Team rund um Regisseur Andreas Schlosser und Moderatorin Judith Rakers – 19 Jahre lang Sprecherin der Tagesschau – kam nach Grado. Erst gab es Kaffee am Hafen, dann ging es durch die Lagune und die Altstadt. Ein intensiver Tag, nach dem sich sowohl der Regisseur als auch die Moderatorin unsterblich in Grado verliebt haben.

Unfassbares Wetterglück: Die vorhergesagten Gewitter kamen erst am späten Abend.
Verdienter Lagunenlohn nach der Arbeit mit der gesamten Truppe. Chefkoch: natürlich Bruno.

Ende August ist Ausstrahlung der Sendung, den genauen Termin nenne ich euch noch.

Und auf Instagram (ihr findet mich unter @buch_und_wein) habe ich ein Making-of-Video hochgeladen, schaut mal rein!

Dienstag, 2. Juni

Hier kommt eine Frage, die mir mehrmals pro Woche gestellt wird: »Hast du einen Geheimtipp für uns – eine Trattoria, in die auch die Einheimischen gehen?«

Daher hier die Antwort für alle: Ihr werdet in Grado wenige Einheimische treffen, auch nicht in der bodenständigsten Trattoria. Die meisten Gradeser gehen selten essen, sondern essen fast immer daheim, wenn es nicht wirklich was zu feiern gibt. Das hat viele Gründe. Vielleicht der wichtigste: Sie sind nicht im Urlaub. Noch ein Grund: Spaghetti vongole oder Boreto bekommen sie alle daheim mit verbundenen Augen genau so gut hin wie die Trattoria.

Auch Finanzen spielen eine Rolle, denn wie oft im Monat kann man bei 1800 Euro Gehalt essen gehen? Und nicht zuletzt arbeiten in der Saison sehr viele Gradeser ja selbst in der Hotellerie und Gastronomie. Einheimische trefft ihr eher in den Bars, oft beim Aperitivo am Abend (zum Beispiel bei Pino), noch mehr allerdings beim Kaffee am Morgen.

Ich habe ja letzte Woche von dem vermasselten Aufstieg unseres Fußballteams berichtet. Dort, auf der Tribüne, seid ihr definitiv unter Einheimischen; Touristen verirren sich nie dorthin. Also auf ins Stadion von Gradese Calcio auf der Isola della Schiusa! Da werdet ihr nicht mit Küsschen links und Küsschen rechts begrüßt. Da spricht keiner Deutsch. Da guckt erstmal jeder grimmig. Und die Stadionbratwurst – gute Güte.

Dort müsst ihr euch den Respekt der anderen erst erarbeiten. Mit einem finsteren Blick aufs Spielfeld, mit einem Abwinken nach einem Fehlpass, mit einem Kopfschütteln nach einer Schiedsrichterentscheidung und einem anerkennenden Nicken bei einem schönen Schuss, der nicht auf dem Parkplatz oder gar in der Lagune landet. Ja, das Stadion ist Italien für Fortgeschrittene.

Mittwoch, 3. Juni

Seriendieb in Grado geschnappt! Vom Fisch über Wurstwaren bis hin zum Bargeld: Das war die ziemlich kurze kriminelle Karriere eines 35-Jährigen aus der Gegend von Venedig, der seit zwanzig Tagen Grado unsicher machte. Dank eines Pizzeria-Besitzers konnten die Carabinieri den Mann festnehmen.

Die ersten gemeldeten Diebstähle betrafen Fische: Einige Fischer bemerkten, dass von ihren Booten Kisten mit wertvollen Fischen verschwunden waren – vor allem Wolfsbarsche und Doraden.

Nachdem die Fischer die Vorfälle gemeldet hatten, konnte der Täter dank Überwachungskameras identifiziert werden. Die Ermittler fanden heraus, dass der Mann, der in einem bekannten Hotel auf der Insel arbeitete, die gestohlenen Fische weiterverkaufte und mit dem Geld in verschiedenen Unterkünften übernachtete. Er hatte also keinen festen Wohnsitz. Eigenartiges Lebensmodell.

Dann wurde er immer dreister. Schließlich versuchte er sogar, Geld aus der Kasse einer Pizzeria zu stehlen. Doch diesmal bemerkte der Besitzer den Diebstahl und hielt den Mann im Lokal fest, während gleichzeitig die Carabinieri verständigt wurden.

Als der Mann die eintreffenden Beamten bemerkte, riss er sich los, und ihm gelang zunächst die Flucht. Wenig später konnten ihn die Carabinieri jedoch am Hafen aufspüren – dort saß er gerade in einer Bar und trank Kaffee. Was für ein Fluchtplan!

Bei den Ermittlungen kam noch mehr ans Licht: In der Pizzeria, in der er zuvor eingebrochen war, hatte der Mann auch einige Lebensmittel zurückgelassen – darunter Garnelen, Käselaibe und Salami. Nach Ansicht der Ermittler könnten diese Waren ebenfalls gestohlen worden sein, möglicherweise sogar aus dem Hotel, in dem er arbeitete. 

Dass der Mann in einem Hotel beschäftigt war, obwohl er keinen festen Wohnsitz hatte, hängt mit dem Personalmangel in der Tourismusbranche zusammen. Viele Betriebe stellen schnell neue Mitarbeiter ein, ohne sie genauer zu kennen. Mit anderen Worten: Sie nehmen jeden, den sie kriegen können.

Gegen ihn wird nun wegen Diebstahl und Hehlerei ermittelt. Und ich hoffe: Möge die Kriminalität auf der Insel nie dramatischer werden als der Klau von Barschen, Käse und Salami.

Donnerstag, 4. Juni

Wir hatten es ja letzte Woche auch von Januswörtern, also Wörtern, die zugleich ihr genaues Gegenteil bedeuten (wie »Untiefe« – kann eine ganz flache oder eine ganz tiefe Stelle sein, oder »Beule« – eine Delle oder eine Erhebung).

Gibt es auch im Italienischen Januswörter? Ja, und wer von euch ein bisschen Italienisch spricht, wird vielleicht darüber gestolpert sein. »Ciao« hatten wir schon – es ist eine Begrüßung und eine Verabschiedung. Zwei weitere recht geläufige Wörter: »affittare« kann mieten oder vermieten bedeuten, und ein »ospite« kann ein Gast oder der Gastgeber sein.

Und »Servus«, das sprachgeschichtlich eng mit »Ciao« verwandt ist (man mag’s kaum glauben), ist das Januswort der Österreicher und Süddeutschen.

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Servus, ihr Lieben! Tut mir einen großen Gefallen: Holt euch »Espresso unter Sternen« – in eurer Lieblingsbuchhandlung, beim großen A, bei MorawaThalia oder Hugendubel. Habt ihr schon? Na, dann als Geburtstagsgeschenk für italophile Freunde – und wer hat die nicht?

Und jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende.

Zu allen Podcast-Folgen geht es hier entlang.

Und hier kommen die aktualisierten Lesetermine.

Mittwoch, 10. Juni: Hart, Stadtbibliothek
Donnerstag, 11. Juni: Gleisdorf, Buchhandlung Plautz
Freitag, 12. Juni: Steyr, Casinosäle
Freitag, 19. Juni: Wien, Thalia Mitte
Samstag, 20. Juni: Mödling, Literarische Gesellschaft
Samstag, 12. September: Bad Radkersburg, Mare-Hotels
Mittwoch, 30. September: Grafing, Bücherstube
Donnerstag, 1. Oktober: Wasserburg, Bücher Herzog
Freitag, 2. Oktober: Kolbermoor, Bibliothek
Samstag, 17. Oktober: Gutenstein, Buchmesse Bücherträume