Schläge am Strand, Delikatessen in der Passage, der verfeinerte Podcast: Mediterrane Wochenschau Nr. 306

Hier kommt der einzige Newsletter, der immer noch dazulernt! Bevor wir in eine bunte – eine viel zu bunte! – Woche starten, nehme ich euch kurz mit an den Schreibtisch. Beziehungsweise ins Aufnahmestudio. Denn mein Lernprozess der Woche betrifft den Podcast Radio Adria. Wir sind inzwischen bei 125.000 gehörten Folgen, tausend Dank, ihr seid die Besten! Aber ich war bei den Titeln der einzelnen Folgen etwas nachlässig. Ich habe einfach nur eine Inhaltsangabe gegeben, statt neugierig zu machen. 

Jetzt habe ich nachgeschärft. Dann wissen alle, worum es geht – und ihr könnt euch besser das rauspicken, was euch interessiert. Das gilt vor allem für jene, die noch nicht so lange dabei sind.

Ein Gruß aus dem Radio-Adria-Studio an euch.

Hier ein paar Beispiele.
Folge 5: Mir haben sie‘s verraten: Was Italiener wirklich über Touristen denken
Folge 14: Sind Kinder in italienischen Restaurants unerwünscht?
Folge 15: Titos Geisterschiff: Die unglaubliche Geschichte der rostenden Superyacht
Folge 19: Venedig günstig erleben – meine besten Spartipps
Folge 20: Meine zehn Lieblingsorte in Grado
Folge 27: Warum »Prego« fast immer ein Missverständnis ist
Folge 28: Schlemmen wie die Italiener – und trotzdem schlank bleiben!
Folge 32: Werdet Prosecco-Experten in 30 Minuten
Folge 33: Warum »Ciao« ein gefährliches Wort ist

Hört rein (überall, wo es Podcasts gibt) – ich würde mich sehr freuen! Anregungen sind immer willkommen.

Jetzt aber rein in die Woche. Was erwartet euch in dieser Folge?

  • Die Maranza kommt nach Grado
  • Neue Investitionen am Strand
  • Die verschwundene Kaisertür
  • Und neue Köstlichkeiten in der Galerie!

Auf geht’s.

Montag, 20. Juli

Ein sehr unschöner Zwischenfall auf unserer Wohlfühlinsel: Jugendliche haben am Sonntag versucht, umsonst zu einer Party am Hauptstrand zu kommen, indem sie den Zaun überkletterten. Zudem hatten sie ihre eigenen Flaschen mit Alkohol dabei. Stranddirektor Roberto Marin stellte sich den Eindringlingen und wurde daraufhin mit Faustschlägen attackiert. Passanten und Sicherheitskräfte griffen ein und verhinderten Schlimmeres. Aber der Ort ist alarmiert.

Volle Solidarität mit dem Stranddirektor und den Sicherheitskräften, die viel riskiert haben. Die Carabinieri machten die Halbstarken wenig später ausfindig und »stellten ihre Personalien fest« (mehr nicht, unfassbar) – es handelte sich um Jugendliche aus dem Umland, die schon öfter in der Region Ärger gemacht hatten. Es handelte sich also nicht um einen Dumme-Jungen-Streich, der aus dem Ruder gelaufen ist.

Für die Gangs gibt es in Italien den Begriff »Maranza«. Die sind schon seit einigen Jahren ein Problem, insbesondere in den großen Städten, aber im Sommer auch in den großen Badeorten, zuletzt beispielsweise in Jesolo. 

Und jetzt wird es heikel. Ursprünglich beschrieb der Begriff Jugendbanden mit nordafrikanischem Migrationshintergrund, doch die Mode und der Habitus der Maranza wird auch von italienischen Gymnasiasten kopiert, weil das als »cool« gilt. Hinzu kommt die italienische Rapkultur, die nicht gerade zartbesaitet ist und, wie in den USA, das Gangster-Gehabe feiert. 

Das ist eben die Schattenseite einer auf Events ausgerichteten Tourismuspolitik: Wer mehr Nachtleben will, wird genau diese Personen anlocken. Meine Töchter, 23 und 20 Jahre alt und damit sicher näher dran am Partygeschehen als ich und andere Boomer, haben berichtet, dass es bei vielen Strandfesten zu solchen illegalen Eintritten kommt und damit zu allen weiteren Problemen wie heftigem Alkoholkonsum von Minderjährigen und Drogen. Nicht zufällig sind zuletzt Dealer aufgeflogen (ich berichtete in den letzten Wochen) – in unserem friedlichen Grado!

Vielleicht kommt dieser Zwischenfall ja zur rechten Zeit. Denn Grado muss sich die Frage stellen, wohin die Reise gehen soll: Will die Insel mit Feierorten wie Jesolo, Lignano oder Bibione konkurrieren – oder doch lieber mit wenigen stimmungsvollen Events ohne dröhnende Lautsprecher eine tiefenentspannte Insel der Seligen bleiben?

Dienstag, 21. Juli

Bereit für wunderbares italienisches Wirrwarr? Alles begann mit einer wichtigen Unterschrift: Die GIT darf den Hauptstrand weitere 15 Jahre bewirtschaften. Klingt nach einer trockenen Verwaltungsnachricht. Tatsächlich ist es aber eine wichtige touristische Entscheidung, denn mit der Unterschrift fällt eine jahrelange Hängepartie weg. Solange niemand wusste, wer den Strand betreibt, wollte auch niemand investieren. 

Nun ist der Weg frei, und die GIT kündigt Investitionen von sechs Millionen Euro an. Neue Eingangsbereiche, modernere Sanitäranlagen, mehr Service und mehr Nachhaltigkeit stehen auf der Liste. Auch die maroden Wellenbrecher sollen endlich erneuert werden. 

Was ist diese GIT eigentlich? Dahinter steckt die »Grado Impianti Turistici«. Die Gesellschaft ist in öffentlicher Hand und gehört mehrheitlich dem Tourismusverband, dazu kommen die Gemeinde Grado und die Handelskammer. 

Moment mal! Gibt es da nicht diese berühmte Bolkestein-Richtlinie der Europäischen Union? Die sorgt dafür, dass italienische Strandkonzessionen neu ausgeschrieben werden müssen. Ja, die gibt es. Und alle Strandclubbetreiber, die seit Jahrzehnten auf ihren lukrativen Konzessionen hocken, sind in heller Aufregung. Strandclubbetreiber sind übrigens die zweitunbeliebteste Berufsgruppe – knapp hinter Politikern, aber noch vor römischen Taxifahrern. Denn die Idee, das Meeresufer nur zahlenden Gästen zugänglich zu machen, ist rechtlich und ethisch mehr als umstritten.

Aber die GIT ist eben ein Sonderfall, denn sie gehört – um es einfach zu machen – denjenigen, die über die Konzession entscheiden. Es ist, wie angekündigt, ein bisschen konfus und sehr italienisch. Aber für Grado gar nicht schlecht. 

Ein geschickter Schachzug kommt noch obendrauf: Sandtherapie war vor dreißig, vierzig Jahren das, was heute die Kältetherapie in Hollywood ist – besonders Fußballstars aus Italien, von Gigi Riva bis Roberto Baggio, ließen sich in den heißen Sand von Grado eingraben, was für Tiefenentspannung sorgte. Die Therapie ist zwar aus der Mode gekommen, aber nach allen vorliegenden Studien ist sie sinnvoller als das Bad in der Eistonne. Und auch definitiv angenehmer. Und genau diese Sandtherapie soll nun versuchsweise wieder angeboten werden.

Mittwoch, 22. Juli

Sehr cool: Es gibt ein neues Delikatessgeschäft in Grado, das erst in dieser Woche aufgemacht hat, schaut unbedingt mal rein!

Ihr findet die Bottega in der Galleria Esplanade.

Ich war gleich am ersten Tag dort und habe mir – 30 Grad hin oder her – hausgemachte Tortellini und Frico mitgenommen. Und eine Flasche meines Lieblingsweins. 

Donnerstag, 23. Juli

Leser G. B., den ich bei Pino getroffen habe, schreibt mir: Es ist wirklich ein Genuss, all Ihre Bücher bzw. Reportagen im Feinschmecker zu lesen. Es gibt kaum mehr Bücher ohne Rechtschreibfehler – bei Ihnen konnte ich noch keinen finden, da kommt der Deutschlehrer wieder durch.
In großer Vorfreude auf Ihr neues Werk und mit großer Freude über die heutige Widmung grüße ich ganz herzlich
!

Und es ist ja auch der Wahnsinn, immer noch auf der Bestsellerliste in Österreich.

Alles über »Espresso unter Sternen« lest ihr hier.

Jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende.

Was ist eine »Backlist«? Das ist Verlagssprache für all jene Bücher, die in den letzten Jahren erschienen und auch noch lieferbar sind – die aber nach ihren Wochen oder Monaten der Glorie aus den ersten Reihen der Schaufenster verschwunden sind, um Neuerscheinungen Platz zu machen.
Hier kommt die Maiwald-Backlist meiner Lieblingsbücher. Ihr könnt sie in jeder Buchhandlung oder online bestellen, fast alle auch als E-Book oder Hörbuch.

Das Italien-Prinzip: Warum fasziniert uns dieses Land so sehr? Ein munterer Ritt durch Geschichte und Gegenwart. Hier entlang.
»Maiwald packt mediterranes Lebensgefühl zwischen zwei Buchdeckel.« – Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung
Meine Bar in Italien: Amüsante Lebenshilfe aus Pinos Enoteca, darunter mit dem heimlichen Helden Bruno und seiner Art zu arbeiten. Hier entlang.
»Ein wunderbar wärmendes Buch.« – Der Standard
Die Spaghetti-vongole-Tagebücher: Kultur & Kulinarik: eine turbulente kulinarische Reise von Venedig nach Triest, mit Tipps und Rezepten. Hier entlang.
»Endlich mal wieder ein echtes Feel-Good-Buch, das so richtig Lust auf Italien, seine Küche und den Sommer macht.« – Die Steirerin

Mein Leben am Strand: Sonnenstunden am Spülsaum, italienische Rituale, Begegnungen. Das Dolce Vita in Reinform. Hier entlang.
»Stefan Maiwald schreibt die Leichtigkeit in unser Leben.« – Oberösterreichische Nachrichten
Alle weg: verblüffende Einblicke: ein Winter an der Adria, wenn die Einheimischen unter sich sind. Eine Abenteuerreise in ein ganz fremdes Land. Hier entlang.
»Unterhaltsam und kurzweilig und macht Lust auf einen Ausflug nach Grado.« – Kronenzeitung

In den Links zu den Büchern verweise ich auf Amazon, aber ihr bekommt die Bücher natürlich überall online – und in eurer Lieblingsbuchhandlung sowieso. 

Und hier kommen die aktualisierten Lesetermine.
Samstag, 12. September: Bad Radkersburg, Mare-Hotels
Mittwoch, 30. September: Grafing, Bücherstube
Donnerstag, 1. Oktober: Wasserburg, Bücher Herzog
Freitag, 2. Oktober: Kolbermoor, Bibliothek 
Sonntag, 11. Oktober: Stift Ossiach, Festival »Kunst der Balance« 
Samstag, 17. Oktober: Gutenstein, Buchmesse Bücherträume
2027
Dienstag, 23. März: Triest, Caffè San Marco
Montag, 19. April: München, Daily Bites, Weltpremiere des neuen Buchs