Hier kommt der einzige Newsletter, der nach zwanzig Jahren immer noch dazulernt! Denn heute habe ich bei Pino erfahren, dass man niemals Weißwein auf Weißwein schenkt, selbst dann nicht, wenn er aus derselben Flasche kommt. Das Glas muss also vollständig ausgetrunken werden, bevor neuer Wein ins Glas gegeben wird. Bei Rotwein ist das Draufschenken dagegen erlaubt. Was steckt dahinter? Purer Aberglaube, wie mir Barfrau Maddie erklärte. Im Friaul heißt es, wer Weißwein auf Weißwein schenkt, dem stirbt bald der Ehepartner. Jessas, kleiner ging’s wohl nicht?
Gehen wir also rein in die Woche. Vorab: In der aktuellen Podcastfolge geht es darum, wem eigentlich der Strand gehört. Der Ton wird rauer, was die Strandkonzessionen angeht. Oh, das wird in Italien in den nächsten Monaten noch richtig scheppern.
Was erwartet euch in dieser Wochenschau?
- Tod am Hauptstrand
- Das Comeback der Sandtherapie
- Wie viel Party braucht Grado? Das Manifest lest ihr im Mittwochseintrag
- Lernen vom exklusivsten Beachclub Europas
Montag, 27. Juli
Zuerst zur traurigen Chronistenpflicht. Das Meer wirkt in Grado harmlos, und genau das ist das Problem: Am Sonntag stürmte es heftig, der Wellengang war ordentlich. Die rote Flagge wehte – dennoch gingen ein Österreicher und seine 28-jährige Tochter ins Meer. Der Vater ertrank, die Tochter konnte gerettet werden und wurde ins Krankenhaus von Monfalcone gebracht.
Die rote Flagge zeigt in Grado an, dass das Baden gefährlich ist. Ein glattes Verbot ist es nicht, aber auch erfahrene Schwimmer sollten dann lieber an Land bleiben – und sich in den Strandclubs vergnügen.
Dienstag, 28. Juli
Sandtherapie war vor vielen Jahren das, was heute die Kältetherapie in Hollywood ist. Besonders italienische Fußballstars wie Gigi Riva und Roberto Baggio ließen sich in den heißen Sand von Grado eingraben, was für Tiefenentspannung sorgte – fantastische Werbung für den Ort. Und: Schon im Sommer 1909, als Grado noch k.u.k. Küstenland war, ließ man sich im Sand eingraben. Ich hatte ja ein privates Fotoalbum zugeschickt bekommen, dessen Bilder ich hier veröffentlicht habe: mein erfolgreichster Beitrag überhaupt. Schaut vorbei und reist nach Grado im Jahr 1909.

Diese Therapie ist zwar aus der Mode gekommen, aber nach allen vorliegenden Studien ist sie sinnvoller als das Bad in der Eistonne. Und auch definitiv angenehmer. Sie soll nun versuchsweise wieder eingeführt werden. Ob auch die Fußballer wiederkommen? Es wäre zu wünschen. Vielleicht klappt’s dann auch mal wieder mit einer WM-Teilnahme.
Mittwoch, 29. Juli
In der letzten Woche hatte ich es ja geschildert: Mehr Partys bedeuten auch mehr Probleme. Jugendgangs und Drogen sind ein reales Problem geworden. Es ist noch nicht so dramatisch wie in den großen Städten – oder in Jesolo –, aber die Menschen sind besorgt.
Ich habe daraufhin Dutzende Zuschriften bekommen, etwa diese hier:
Lieber Stefan, ich bin dir so unendlich dankbar um diesen Absatz im neuen Newsletter: »Denn Grado muss sich die Frage stellen, wohin die Reise gehen soll: Will die Insel mit Feierorten wie Jesolo, Lignano oder Bibione konkurrieren – oder doch lieber mit wenigen stimmungsvollen Events ohne dröhnende Lautsprecher eine tiefenentspannte Insel der Seligen bleiben?«. Ich wäre wahnsinnig neugierig auf die Reaktionen.
Oder:
Vielen Dank für den Quo-Vadis-Grado-Kommentar im Newsletter. Ich sehe hier einen unguten Weg, auf den Grado sich gemacht hat. Meines Erachtens kann Grado nur verlieren.
Oder:
Grado muss sich entscheiden. Reiche wie an der Côte d’Azur, Pensionisten mit Hund im Kinderwagen oder Familien. Der aktuelle Mix wird schwierig sein und für Frustration sorgen. Die Partys am Strand mit Bässen, dass es dich bis 3 in der Nacht aus dem Bett hebt, sind unlustig und bringen Menschen nach Grado, die Ärger machen.
Hier ist meine Meinung, gestärkt von 25 Jahren Erfahrung als Reisejournalist. Es gibt wirtschaftliche und strategische Gründe, warum Grado gut daran täte, sich nicht in Richtung Partyort zu entwickeln. Ich glaube nicht, dass Partys grundsätzlich »schlecht« sind. Sondern: Grado hat bereits eine klare Position, die andere Orte nicht so leicht kopieren können.
- Grado verkauft Ruhe – und die ist heute knapp. Ruhe wird zu einem Luxusgut. Gerade Familien, ältere Gäste und Menschen mit stressigem Berufsleben suchen bewusst Orte, an denen sie abschalten können. Stichwort: Entschleunigung.
- Grado würde gegen die Falschen konkurrieren. Lignano und Jesolo verfügen über jahrzehntelang gewachsene Strukturen für Nachtleben: große Clubs, Hotels für junge Gruppen, Veranstaltungsflächen, Verkehrsanbindung und ein entsprechendes Image. Grado könnte diesen Wettbewerb kaum gewinnen – und würde gleichzeitig seine Stammgäste verprellen.
- Das Publikum ist treu. Viele Urlauber kommen seit Jahrzehnten nach Grado. Sie schätzen genau das Gegenteil von Massentourismus: Spaziergänge, Sonnenuntergänge, Altstadt, Thermen, Hafen, Radfahren und gutes Essen. Diese Gäste bleiben oft länger und kommen zuverlässig wieder.
- Ruhe ist wirtschaftlich attraktiv. Gesundheitsurlaub, Wellness, Kulinarik, Kultur und Naturtourismus bringen Gäste mit höherer Kaufkraft. Diese Gäste reisen häufiger außerhalb der Hauptsaison und sorgen für eine längere Saison.
- Die Einwohner profitieren. Ein Ort, der überwiegend auf Ruhe setzt, bleibt lebenswerter. Weniger nächtlicher Lärm, weniger Alkoholprobleme, weniger Sachbeschädigungen und weniger Polizeieinsätze erhöhen die Lebensqualität der Bewohner.
- Viele Regionen versuchen inzwischen sogar, Partytourismus einzudämmen, weil Müll, Lärm und Konflikte mit Anwohnern enorme Folgekosten verursachen.Von den Strandkonzerten des von mir hochgeschätzten Jovanotti und den ökologischen Folgen hatte ich ja bereits hier berichtet. Und gerade gestern kam die Meldung, dass Split im Sommer den nächtlichen Verkauf von Alkohol massiv beschränken wird – zu viel Chaos auf den Straßen.
Ein eiserner Marketinggrundsatz: Du darfst nicht zuerst an deinen Schwächen arbeiten. Du musst zuerst deine Stärken stärken.
Sind Events grundsätzlich doof? Natürlich nicht. Diese auf edel getrimmten Ess- und Trinkveranstaltungen am Strand sind zwar nicht so meins, funktionieren aber blendend in den Zielgruppen. Frecce Tricolori, Sommerkarneval, Feuerwerke: alles in Ordnung. Und das Event »Le Calli di Bacco« vom letzten Oktober, das es auch diesen Oktober wieder geben wird (mit noch mehr teilnehmenden Restaurants als bei der Premiere), gefällt mir sehr gut – ein entspanntes abendliches Bummeln von Trattoria zu Trattoria, und überall gibt es Häppchen und Wein.
Eines bleibt noch festzuhalten: Mir ist nicht bekannt, dass irgendwann in den letzten dreißig Jahren die Urlauber professionell befragt wurden. Eine vernünftige Umfrage wäre doch eine feine Entscheidungshilfe. Von den bestimmt Hunderten von Reisenden, mit denen ich in den letzten Jahren gesprochen habe, hat jedenfalls nie jemand gesagt: »Nächstes Jahr komme ich nicht mehr, hier ist mir zu wenig los.« Dass sich umgekehrt viele Gäste Sorgen machen, habt ihr weiter oben gelesen.
Ihr dürft das alles natürlich anders sehen – aber wir können ja trotzdem befreundet bleiben.
Donnerstag, 30. Juli
Und wie es gerade passt! Denn soeben habe ich im OMR-Podcast von dem vermutlich berühmtesten Strandclub der Welt erfahren, geführt von dem Deutschen Thomas Heyne. Der Scorpios Beach Club auf Mykonos erzielt einen Umsatz von bis zu 1,8 Millionen Euro – am Tag!

Das Erstaunliche ist aber nicht nur das Geld. Sondern der Zeitplan. Denn in dem Beachclub beginnen DJs und Livemusik täglich um 17 Uhr. Dazu wird tiefenentspannt im Sonnenuntergang getanzt und gegessen. Und Punkt Mitternacht ist es vorbei, die Musik verstummt, der Club schließt, ohne Ausnahme. Und das auf Mykonos! Scorpios verkauft also keinen Exzess bis zum Morgengrauen.
Was mich daran so fasziniert: Man muss nicht immer den Trends hinterherlaufen. Nein, man kann sich seine Gäste eben auch gewissermaßen erziehen.
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Es ist kaum zu fassen, »Espresso unter Sternen« steht nun in der elften Woche auf den Bestsellerlisten – danke! So lange halten sich gerade Sachbücher fast nie.


Jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende.
Was ist eine »Backlist«? Das ist Verlagssprache für all jene Bücher, die in den letzten Jahren erschienen und auch noch lieferbar sind – die aber nach ihren Wochen oder Monaten der Glorie aus den ersten Reihen der Schaufenster verschwunden sind, um Neuerscheinungen Platz zu machen.
Hier kommt die Maiwald-Backlist meiner Lieblingsbücher. Ihr könnt sie in jeder Buchhandlung oder online bestellen, fast alle auch als E-Book oder Hörbuch.



Das Italien-Prinzip: Warum fasziniert uns dieses Land so sehr? Ein munterer Ritt durch Geschichte und Gegenwart. Hier entlang.
»Maiwald packt mediterranes Lebensgefühl zwischen zwei Buchdeckel.« – Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung
Meine Bar in Italien: Amüsante Lebenshilfe aus Pinos Enoteca, darunter mit dem heimlichen Helden Bruno und seiner Art zu arbeiten. Hier entlang.
»Ein wunderbar wärmendes Buch.« – Der Standard
Die Spaghetti-vongole-Tagebücher: Kultur & Kulinarik: eine turbulente kulinarische Reise von Venedig nach Triest, mit Tipps und Rezepten. Hier entlang.
»Endlich mal wieder ein echtes Feel-Good-Buch, das so richtig Lust auf Italien, seine Küche und den Sommer macht.« – Die Steirerin


Mein Leben am Strand: Sonnenstunden am Spülsaum, italienische Rituale, Begegnungen. Das Dolce Vita in Reinform. Hier entlang.
»Stefan Maiwald schreibt die Leichtigkeit in unser Leben.« – Oberösterreichische Nachrichten
Alle weg: verblüffende Einblicke: ein Winter an der Adria, wenn die Einheimischen unter sich sind. Eine Abenteuerreise in ein ganz fremdes Land. Hier entlang.
»Unterhaltsam und kurzweilig und macht Lust auf einen Ausflug nach Grado.« – Kronenzeitung
In den Links zu den Büchern verweise ich auf Amazon, aber ihr bekommt die Bücher natürlich überall online – und in eurer Lieblingsbuchhandlung sowieso.
Und hier kommen die aktualisierten Lesetermine.
Samstag, 12. September: Bad Radkersburg, Mare-Hotels
Mittwoch, 30. September: Grafing, Bücherstube
Donnerstag, 1. Oktober: Wasserburg, Bücher Herzog
Freitag, 2. Oktober: Kolbermoor, Bibliothek
Sonntag, 11. Oktober: Stift Ossiach, Festival »Kunst der Balance«
Samstag, 17. Oktober: Gutenstein, Buchmesse Bücherträume
2027
Dienstag, 23. März: Triest, Caffè San Marco
Montag, 19. April: München, Daily Bites, Weltpremiere des neuen Buchs
