Die schrumpfende Insel, die Carbonara-Diskussion, ein Star auf dem Platz: Mediterrane Wochenschau Nr. 316

Hier kommt der Newsletter, bei dem die Vorfreude so langsam steigt! Denn der neue Roman ist jetzt offiziell vorbestellbar, von mir signiert und ohne Mehrkosten. Schaut mal bei der Autorenwelt vorbei – aber es eilt nicht, der Roman erscheint ja erst im Frühjahr.

Ich bin sehr angetan von dem Cover.

Unter allen von euch, die das Buch vorbestellen, verlosen der Verlag und ich wieder was richtig Schönes. Dazu mehr in den nächsten Wochen. Ihr müsst mir nur kurz schreiben, dass ihr es vorbestellt habt – ob in eurer Buchhandlung, bei Amazon, bei der Autorenwelt (siehe oben), Morawa, Thalia, Hugendubel oder wo auch immer. Dann hüpft ihr in den Lostopf. Einen Beleg der Vorbestellung müsst ihr natürlich nicht mitschicken.

Außerdem habe ich mich sehr über dieses Foto von Alexander und Elisabeth Edinger gefreut.

Dazu schrieben sie: Mit großer Freude und einer gesunden Portion Italien-Fernweh dürfen meine Frau und ich Ihre Bücher und Ihre darin enthaltenen Lebensweisheiten genießen – ein herrliches Vergnügen! 

Herzlichen Dank für die gelungenen Anekdoten & Weisheiten, die Einblicke in die italienische (& deutsche & österreichische) Seele, sowie den hervorragend recherchierten kulinarischen Empfehlungen.

Anbei darf ich Ihnen einen heute entstandenen fotografischen Gruß vom Wilden Kaiser übermitteln – wir finden, dass die italienische Lebensfreude ganz gut in die Tiroler Berge passt.

Oh, wie schön! Jetzt aber rein in die Woche. Was erwartet euch in diesem Newsletter?

  • Carbonara und kein Ende
  • Grado schrumpft, Fossalon verliert
  • Ein Superstar spielt in Udine
  • Achtung, Blitzer!

Vorab noch: Die Jubiläumsfolge Nummer 50 meines Podcasts Radio Adria ist draußen – unter anderem mit der (möglicherweise) besten Pizza der Welt. Danke an alle, die dabei sind!

Montag, 28. September

Die Carbonara-Geschichte von der letzten Woche schlägt Wellen, und mich haben ein gutes Dutzend Zuschriften erreicht. Hier eine kleine Auswahl:

Lieber Stefan. Ich bin ein Carbonara-N*zi. Habe jahrelang an der perfekten Rezeptur getüftelt. Die besten in Grado macht meines Erachtens das Al Viale. Dreimal probiert. Dreimal klasse. Das letzte Mal vor drei Wochen. – Claudia.

Ich möchte zum Thema Carbonara meine Erfahrung mitteilen. Die beste für mich gibt es am Brenner im Restaurant Olympia! Als ich noch nicht Vater war, bin ich oft 400 km mit dem Zug an einem Tag zum Essen und Shopping dorthin gefahren. 7.15 Uhr Abfahrt, Ankunft 12.45. Perfekt. Das Essen dauerte im Schnitt drei Stunden mit ausgiebig Wein und Primo, Pasta usw. Schön war‘s! Am wenigsten geschmeckt hat die Carbonara in Rom und der Emilia. Sehr al dente und das Ei darüber roh. Ach ja, meine Mutter kanns auch sehr gut, wenn auch mit österr. Bauchspeck. – Gundolf.

Und dann erzählte mir noch ein Wirt aus dem Umland Folgendes: Vor ein paar Jahren hatte ich die originale Carbonara auf der Karte, aber in den ersten zwei Wochen hatte ich drei Rücksendungen in die Küche: Der Geschmack von Guanciale und Pecorino sei zu streng, man wolle lieber Sahne und Schinken haben. Ich habe sie also wieder von der Karte genommen.

Dienstag, 29. September

Grado verliert weiter Einwohner, und zwar dramatisch. Dazu passt die nächste Nachricht: Dem Kindergarten in Fossalon droht die Schließung, nachdem schon die dortige Grundschule große Schwierigkeiten hat, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Kluge Menschen, wie es die Leserinnen und Leser dieser Kolumne sind, erkennen schnell: Diese beiden Meldungen gehören zusammen.

Grado hat ein Problem, das im knallvollen Hochsommer kaum zu erkennen ist: Die Insel schrumpft. Und zwar erheblich. Ende 2013 hatte Grado 8455 Einwohner. Ende 2025 waren es noch 7389. Macht 1066 Einwohner weniger in zwölf Jahren, ein Rückgang um fast 13 Prozent. Jedes Jahr verschwinden 90 Einwohner – eine gut gefüllte Strandbar weniger. Auch im laufenden Jahr sieht es nicht gut aus: Zum 20. September waren noch 7329 Gradeser gemeldet, schon wieder 60 weniger. Wenn kein Wunder geschieht, ist 2026 das dreizehnte Jahr in Folge, in dem die Einwohnerzahl sinkt. (Für Wissbegierige: Wann hatte Grado die meisten Einwohner? Im Jahr 1970 mit knapp 11.000.)

Wie vielerorts in Italien gibt es ein Nachwuchsproblem: Von 2013 bis 2025 wurden hier 466 Kinder geboren, gleichzeitig starben 1645 Menschen. Und dazu passend meldet nicht nur die Grundschule von Fossalon ernste Schwierigkeiten; auch der Kindergarten hat Probleme. Ganze sechs Knirpse sind im aktuellen Jahrgang vertreten. Die Bewohner haben die Region um Hilfe gebeten, aber was soll die schon machen? Kinder anderswo requirieren und zwangsweise nach Fossalon umsiedeln? 

Zugegeben: Der Einwohnerschwund von Grado hat auch andere Ursachen. Die niedrige Geburtenzahl ist das eine, die hochpreisige Immobilienlandschaft die andere: Viele Gradeser können sich Wohnraum auf der Insel schlicht nicht mehr leisten und ziehen schweren Herzens nach Aquileia, Cervignano oder Fiumicello um. Denn die Preise sind seit Corona explodiert und haben sich auch in den günstigeren Zonen wie Pineta nahezu verdoppelt.

Aber die tiefere Ursache ist die Unlust auf Kinder. Italien hat die niedrigste Geburtenrate der gesamten EU. Bloß lässt sich nicht jedes Problem von der Politik lösen. Gegen zu wenige Kinder hilft es nur, früher den Fernseher auszuschalten oder das Handy beiseite zu legen und ins Bett zu gehen. Am besten gemeinsam mit der Partnerin oder dem Partner.

Mittwoch, 30. September

David Alaba hat bei Udinese Calcio unterschrieben! Eine Riesensache für den Verein – und was für ein toller Spieler. Wobei Udinese gern mal mit sensationellen Einkäufen überrascht. Immerhin spielte auch schon der Brasilianer Zico, einer der besten Mittelfeldspieler aller Zeiten, von 1983 bis 1985 bei Udinese. Ein Journalist schrieb damals: »Für uns Friulaner ist Zico ein Ferrari-Motor in einem VW Käfer. Wir sind die einzigen auf der Welt, die ein so tolles und fast schon unmögliches Auto besitzen.« 

Viele Österreicher haben mich voller Euphorie angeschrieben, und hier kommt der kleine Dämpfer: In Grado wurde die Nachricht eher mit einem Schulterzucken aufgenommen. Denn Gradeser halten nicht zu Udinese Calcio – mit der großen, noblen Ausnahme von Pino. Nein, in Grado hält man zu einem der großen Drei, also Juve, Inter oder Milan, meistens zu Milan, weil der Gradeser Mario David dort in den 1960er-Jahren spielte. Über Mario David und seinen legendären Weltmeisterschafts-Faustschlag hatte ich ja schon einmal hier geschrieben.

Mario David: Ein Gradeser beim AC Mailand.

Egal, ich werde auf jeden Fall bald ins Stadion gehen und mir Alaba bei Udinese Calcio ansehen.

Donnerstag, 1. Oktober

Achtung, die Blitzer sind zurück. Denn die waren in den letzten Monaten außer Betrieb, weil nach mehreren Gerichtsurteilen Zweifel bestanden, welche Geräte tatsächlich rechtsgültig zugelassen sind. Jetzt wird wieder scharf geschossen. Denn das italienische Verkehrsministerium hat per Dekret geklärt, dass bei uns im Friaul 71 sogenannte Autovelox eingesetzt werden dürfen. In Triest sind bereits zwei Blitzer wieder aktiv: einer auf der Strada di Fiume, der andere in Opicina. Beide können in beide Fahrtrichtungen messen. In Udine wartet man noch auf die Kalibrierung der Geräte, in Gorizia sollen die Kontrollen bis Ende September wieder anlaufen.

Auch außerhalb der Städte wird es ungemütlicher für Raser. In San Canzian d’Isonzo nicht weit von Grado stehen zwei feste Anlagen, eine davon an der Staatsstraße 14. Auch auf der SP 19, wenn man sozusagen von hintenrum nach Grado kommt, stehen Blitzer, die bald wieder scharf sind – oder es vielleicht schon sind, wenn ihr diesen Newsletter lest.

Und dann sind da noch die Autobahnen. Auch dort kontrolliert die Polizia Stradale wieder verstärkt mit mobilen Lasermessgeräten und natürlich mit dem Tutor-System, das nicht nur an einem Punkt blitzt, sondern die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine längere Strecke berechnet. Also, immer schön vernünftig fahren. Was ihr ja bestimmt sowieso tut.

—

Jetzt wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende.

Und hier sind die Lesetermine.

Freitag, 2. Oktober (heute Abend!): Kolbermoor, Bibliothek
Sonntag, 11. Oktober: Stift Ossiach, Festival »Kunst der Balance« 
Samstag, 17. Oktober: Gutenstein, Buchmesse Bücherträume 

2027
Dienstag, 23. März: Triest, Caffè San Marco
Donnerstag, 8. April: München, Buchcafé Daily Bites
Freitag, 9. April: Coburg, Buchhandlung Riemann 
Sonntag, 11. April: Nürnberg, Deuerlein Wein | Buch | Caffè
Freitag, 16. April: Salzburg, Höllrigl
Samstag, 17. April: Wien, Wiener Ball der Bücher 
Dienstag, 27. April: Klagenfurt, Heyn
Mittwoch, 28. April: Steyr
Donnerstag, 29. April: Leonding