25 Tipps: Venedig für wenig Geld

Venedig sollte für alle da sein. Zumindest für alle, die Kunst und Kultur zu schätzen wissen und die Stadt und ihre Bewohner mit Rücksicht und Respekt behandeln – und das sind ja nicht immer die mit dem dicksten Geldbeutel.

Hier kommen ein paar gute Tipps, wie ihr die Stadt preiswert und trotzdem umfassend erkundet.

Ponte Chiodo

Das ist das zauberhafte Hotel Ponte Chiodo – mehr dazu weiter unten.

Reist mit der Bahn an.

Erspart euch die stressige Anreise mit dem Auto und das teure Parken in einem der Parkhäuser (siehe nächster Absatz). Per Bahn ist es günstig, pünktlich – ich habe in fünfzehn Jahren auf meiner Strecke von Cervignano nach Venedig noch nie eine Verspätung erlebt – und außerdem ein tolles Erlebnis: Der Bahnhof Santa Lucia liegt direkt am Canal Grande. Ihr stoßt die Bahnhofstür auf und steht im Märchenland. Dieser Tipp gilt vor allem dann, wenn ihr schon in Italien seid und einen Venedig-Ausflug einplant.

Preiswert parken

Hört hier denn keiner auf mich? Ihr seid also doch mit dem Auto gekommen. Na schön: Parkhäuser gibt es vor und auf der Piazzale Roma, vom Festland kommend auf der rechten Seite. Je weiter ihr euch Venedig nähert, desto teurer wird es – rechnet mit ca. 30 Euro/Tag. Günstiger: in Mestre parken, z.B. Parcheggio Gregory, Viale Stazione 23, 15 Euro/Tag – gleich beim Bahnhof – und von dort mit dem Zug nach Venedig.

Update (26.7.): Gerade habe ich einen romantischen Bummel zu Mestres Parkgaragen unternommen, weil ich meine Töchter vom Bahnhof abholen musste und zu früh dran war. Noch günstiger ist das Parkhaus Via Ca’Marcello 200 Meter von der Stazione – 6 Euro pro 24 Stunden.

Geht zu Fuß.

Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Venedig ist eine winzige Stadt, nahezu alles lässt sich perfekt zu Fuß erkunden. Gerade Einzelfahrten mit den Vaporetti sind recht teuer (8 Euro). Wer zu Fuß geht, sieht mehr von der Stadt. Natürlich: Eine Fahrt auf dem Canal Grande ist immer ein Erlebnis. Aber wer mit dem Auto oder der Bahn anreist und von der Piazzale Roma aus kommt, kann erst zu Fuß gehen (ca. 30 Minuten bis zum Markusplatz) und dann auf dem Rückweg das Vaporetto nehmen. Tipp: Von der Piazzale Roma bzw. vom Bahnhof gleich auf der ersten Brücke (der Scalzi-Brücke) den Canal Grande überqueren und von dort auf weniger ausgetretenen Pfaden der Beschilderung Richtung Rialto/San Marco folgen.

Klar: Solltet ihr Lido, Burano, Murano und Torcello besuchen wollen, kommt ihr ums Bootfahren nicht herum. Schaut auf veneziaunica.it, wo ihr euch, auch auf Deutsch, eure Tickets günstig zusammenstellen könnt (auf »Öffentliche Verkehrsmittel in Venedig« klicken); außerdem bekommt ihr dort Eintrittskarten für Museen, Flughafentransfers, Ermäßigungen und vieles mehr.

Fahrt in der Gondel für 2 Euro.

Eine Gondelfahrt kostet je nach Tageszeit um die 100 Euro. Zu viel für ein schmales Budget. Dennoch muss niemand auf eine Gondelfahrt verzichten: An mehreren Stellen des Canal Grande setzen Gondeln ans andere Ufer über, wenn keine Brücke in der Nähe ist. Besonders beliebt ist die Gondel-Fähre vom Rialto-Fischmarkt zum Palazzo Ca’d’Oro, aber auch bei San Tomà und Santa Maria del Giglio (bei der Salute-Kirche) geht es mit der Gondel über den Canal.

Kommt umsonst in die Museen.

Jeden ersten Sonntag im Monat sind alle staatlichen Museen kostenlos, darunter in Venedig die Accademia (die reicht in ihrer Üppigkeit schon für einen ganzen Tag), das Archäologische Museum, das Museum für orientalische Kunst, der Palazzo Grimani mit seinen 1500 Fresken (Achtung, es gibt zwei Palazzi Grimani – das Museum ist in Castello) sowie die Marciana-Bibliothek.

…oder lungert in Peggy Guggenheims Garten herum.

Die exzentrische Milliardärin hat eine erstaunliche Kollektion zusammengetragen. Die »Collezione Peggy Guggenheim« direkt am Canal Grande zeigt Werke von Picasso, Kandinsky, Piet Mondrian und Hans Arp. Ein kleiner Teil der Sammlung ist auch im Garten zu bewundern, der sich zu einem beliebten Refugium der Kulturreisenden entwickelt hat. Auch die kunstsinnige Amerikanerin fand Gefallen an dem grünen Winkel: Sie ließ sich dort beerdigen (10–18 Uhr, Mittwoch geschlossen, 12 Euro, Garten: Eintritt frei).

Übernachtet preiswert, aber gut.

Das echte Venedig-Gefühl stellt sich nur ein, wenn ihr eine Nacht oder besser gleich mehrere Nächte dort bleibt. Viele Reiseführer empfehlen, auf dem Festland zu übernachten, aber dann ist eben auch das Venedig-Gefühl dahin. Dabei gibt es auch in Venedig ordentliche und preiswerte Hotels. Es gibt sogar Jugendherbergen und (ehemalige) Klöster, in denen ihr besonders günstig übernachten könnt – in Gemeinschaftszimmern und mit Gemeinschaftsduschen und -toiletten, aber dieser Text heißt ja »Venedig preiswert« und nicht »Venedig – so spart ihr euch die schönste Zeit des Jahres kaputt«.

Ein sehr günstiges und schönes Hotel ist das Ponte Chiodo (www.pontechiodo.it) in einer ruhigen Ecke von Cannaregio; das Frühstück wird in dem kleinen Garten serviert.

Ponte Chiodo Zimmer.jpgEines der Zimmer im Ponte Chiodo. Kannste nix gegen sagen, oder?

Die beiden Hotels Marte e Biasin und La Forcola sind ebenfalls sehr günstig (rechnet mit etwa 70-80 Euro pro Doppelzimmer), das San Cassiano Cà Favretto und das Murano Palaceauf der Glasbläserinsel Murano sind nur einen Hauch teurer. Das Murano Palace ist im Besitz der Familie Giordani. Die Giordanis stellen selbst Muranoglas her und zeigten ihr Können einst vor Königin Elisabeth II. bei ihrem Besuch in Venedig. Die Familie führt auch das Restaurant »Alla Vecchia Pescheria« nur wenige Schritte entfernt.

Ca' Dario

Hier solltet ihr auf keinen Fall übernachten, denn das würde euch schlecht bekommen.
Lest hier alles über Venedigs Spukschloss.

Auf dem Lido gibt es die Villa Casanova. Die Zimmer in der Lido-Villa sind nach Feng Shui eingerichtet (nicht mein Ding, aber manche von euch finden es sicher cool), zum Frühstück gibt es nur Bio-Produkte. Auch bei der Einrichtung wurde auf Gäste und Umwelt geachtet; unter dem Stichwort Bio-Architektur kamen nur unbehandeltes Holz und Naturstoffe zum Einsatz.

Esst preiswert, aber gut.

In Venedig lässt sich für ganz kleines Geld gut und stimmungsvoll essen. Ein Cappuccino, ohne den wir Deutschen ja nicht in den Tag kommen, kostet unter 2 Euro, dazu noch ein Croissant für 1,50 Euro, und das italienische Frühstück ist komplett. Mittags lasst ihr euch entweder die Tramezzini schmecken (nach zweien ist man satt), und am Abend geht es in die wunderbaren Bars und Osterien, wo schon die cicchetti den Hunger stillen. Hier kommen drei meiner Favoriten:

– Al Bottegon: Geniale Weinbar mit großer venezianischer Snack-Auswahl, die cicchetti fliegen nur so über den Tresen. Dorsoduro, Fondamenta Nani 992.

– Al Mercà: Direkt am Fischmarkt gelegen, randvoll mit Marktarbeitern und ihren Kunden, auch Kaufleute treffen sich hier. Gute Weinauswahl, viele cicchetti– so muss eine Bar sein. San Polo, Campo Bella Vienna 213.

Al Mercà

Anzug sitzt, Happen schmeckt: Hier treffen sich wirklich alle.

– Vino Vero: In Cannaregio gelegen, bei den Studenten beliebt, viele köstliche Häppchen und Wein im Offenausschank. Fondamenta Misericordia 2497.

Vermeidet die Hochsaison.

Klar, dass sparsame Menschen immer außerhalb der Hochsaison reisen sollten. Aber wann genau ist in Venedig der Bär los? Natürlich an Wochenenden, vor allem an Brückenwochenenden in Deutschland, Österreich und Italien (Mai!). Ostern ist sowieso eine Katastrophe. Silvester? Vergesst es. Die großen Stadtpartys Regata storica und Festa del redentore sowie das letzte lange Karnevalswochenende solltet ihr ebenfalls meiden. Sehr tricky: Am vollsten und teuersten sind Venedigs Hotels in der Woche vor der Eröffnung der Kunstbiennale. Warum? Weil dann alle Künstler, Kunsthändler, Galeristen, Mäzene und Käufer sowie Journalisten da sind, um vorab die Deals abzuschließen und darüber zu berichten.

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Nicht sparen solltet ihr an der Reiselektüre: Damit reist ihr nicht nur quer durch Venedig, sondern sogar durch ganz Europa, und das für ein paar Euro. Mehr zu meinen Büchern steht hier.

Und denkt immer an die gute und wichtige Initiative #EnjoyRespectVenezia (nicht, dass meine Leserinnen und Leser es nicht wüssten): kein kauendes Herumlungern auf Treppenstufen oder gar mitten auf dem Markusplatz, entsorgt die Abfälle vernünftig, lasst die Fahrräder an der Piazzale Roma (ihr würdet überrascht sein, wie viele Radtouristen versuchen, ihr Rad bis ins Hotel zu schieben), geht rechts und bleibt nicht auf engen Brücken stehen. Auch der freie Oberkörper oder das Bikinioberteil sind völlig zu Recht verpönt und können Geldstrafen nach sich ziehen. Und das Baden in den Kanälen geschieht so häufig – was tut man nicht alles für ein paar Likes auf Instagram? –, dass es ausdrücklich verboten werden muss.

Hier gibt es noch mehr Tipps zu Venedig, ob Hotels, Restaurants oder Einkaufsadressen, außerdem alles über das Spukschloss am Canal Grande und weitere spannende Geschichten.

Wer noch mehr Tipps will und sich generell für Venedig interessiert, sollte der sympathischen Facebook-Gruppe »Venedig-Freunde« beitreten (dort bin ich auch); die Administratoren haben sie mit allerlei Tipps bestückt.

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