Mediterrane Wochenschau, Folge V: köchelnde Saucen, distanziertes Sonnenbaden

Alles über das Leben in Grado: Hier kommt der einzige Wochenrückblick, der sich regelmäßig die Hände wäscht!

Samstag, 30. Mai

Man soll den Tag nicht vor dem Abendessen loben, pflegten wir zu sagen, wenn uns die Oma in Braunschweig einlud und ihre gefürchteten Senfeier servierte.

Jedenfalls habe ich ja letzte Woche verkündet, dass wir in Grado komplett virenfrei sind, aber nein, jetzt ist doch wieder ein positiver Fall aufgetaucht.

Ich bin ja kein Virologe und halte mich tunlichst mit jeder Deutung zurück, dennoch erscheint es mir wahrscheinlich, dass wir alle mit dem miesen kleinen Erreger einfach leben müssen, ob nun noch ein paar Monate oder vielleicht sogar ein paar Jahre. Wer Abstand hält und sich die Hände wäscht, dem passiert nichts.

Sonntag, 31. Mai

Die Touristen aus den umliegenden Städten haben Grado überrannt, und recht haben sie. Wir hingegen sind in die Lagune geflüchtet. Wann, wenn nicht am Sonntag?

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Funkelnde busara (ganz ohne Filter!) mit astici und mazzancolle. Wer braucht da noch eine Übersetzung?

Die Lagune von Grado ist ein echtes Paradies, und ich gerate wirklich selten ins Schwärmen. Ziemlich genau so wie die Lagune von Venedig, bloß völlig unbebaut bis auf ein paar Hütten. Falls ihr sie nicht kennt: Nehmt euch für den Sommer eine Fahrt im Taxiboot vor, das euch zum Restaurant Ai Ciodi bringt. Nach etwa vierzig Minuten Fahrt erreicht ihr das Restaurant, wo Mauro und sein Sohn Christiano Köstlichkeiten aus dem Meer zubereiten. Seit diesem Jahr haben sie auch ein Restaurant am Hafen von Grado namens Portobuso. Alles selbstgefangen!

Montag, 1. Juni

Was gibt es Schöneres, als einfach mal den Tag komplett unter dem Sonnenschirm zu verdösen und sich selbst dabei zu beobachten, wie der IQ pro Stunde um fünf Punkte sinkt?

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Blick von mir aufs Meer. Die Abstände stimmen.

Der Pfingstmontag ist in Italien kein Feiertag, aber morgen ist das Festa della Repubblica, also eine der seltenen Gelegenheiten für die Italiener, eine schöne Brücke zu bauen, und deswegen ist auch einiges los.

Aber ich merke, dass es früher am Strand für mich entspannter war, und ich habe endlich auch begriffen, warum das so ist. Früher war das italienische Geschnatter drumherum eine hübsche Lautkulisse, so wie die Wellen, die sich am Ufer brechen. Doch jetzt, wo ich alles verstehe, höre ich zwangsläufig zu, auch wenn ich es nicht will. Es ist wie der nervende Typ im ICE, der ins Telefon plaudert. Man möchte ja weghören, aber es geht einfach nicht. Und deswegen weiß ich jetzt: Die Windel ist voll, du bist dran mit Wechseln, der Fisch gestern Abend war viel zu teuer, und deine Schwiegermutter ist ganz schön verfressen. Und hast du gesehen, wie Matteo den Grappa runtergestürzt hat? Mannomann, seine Leberwerte will ich gar nicht wissen.

Wie soll man da entspannen?

Vielleicht sollte ich lieber in Spanien Urlaub machen, da verstehe ich immer nur corazon. 

Dienstag, 2. Juni

Eine betrübliche Nachricht aus der italienischen Morgenkaffee-Szene: Aus hygienischen Gründen sind Zeitungen aus den Bars verbannt. Ich finde das sehr schade, denn insbesondere die Gazzetta dello Sport hilft einem gut durch schwierige Zeiten, wenn man sie zum Cappuccino liest. Schließlich beschäftigt sie sich auf 62 von 64 Seiten mit Sport. Auf Seite 63 wird kurz das Weltgeschehen zusammengefasst, auf Seite 64 steht das Wetter. So übersteht man Krisen. ohne sich groß einen Kopf zu machen oder in Depressionen zu verfallen!

Mittwoch, 3. Juni

Hurra, die Grenzen sind offen! Alle EU-Bürger sowie Schweizer können problemlos nach Italien einreisen! Wir freuen uns sehr – denn auch wir können uns jetzt wieder von Region zu Region bewegen. Alle aktuellen Reiseinformationen habe ich hier zusammengetragen.

Ich habe mir eine Italienkarte geschnappt und plane meine ersten längeren Reisen. Dabei fühle ich mich wie der Eroberer einer ganz neuen Welt. Wobei ich als Deutscher mit diesen Gefühlen vielleicht etwas zurückhaltender sein sollte.

Da fällt mir ein: »Immer, wenn ich Wagner höre, möchte ich in Polen einmarschieren.« Diesen Witz von Woody Allen habe ich mal einer Freundin erzählt, die bei den Bayreuther Festspielen arbeitete. Sie hat ihn ein paar Wochen später Wolfgang Wagner weitererzählt, Richard Wagners Enkel und damaligem Festspielleiter, der darüber so herzlich lachen musste, dass sie um seine Gesundheit fürchtete. Kannste mal sehen!

Donnerstag, 4. Juni

Hat mir ein Kumpel zugeschickt, muss ich einfach teilen:

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Danke, K.! Ihr wisst schon: Zum neuen Buch geht’s hier entlang.

Jedenfalls gibt es heute jede Menge guter Nachrichten von der Virenfront: Erstmals wurde im ganzen Friaul-Julisch Venetien keine einzige Neuinfektion nachgewiesen, und in der gesamten (viel größeren) Region Venetien gab es keinen einzigen Todesfall. Und in beiden Regionen ist nun die Maskenpflicht aufgehoben und gilt nur noch in Geschäften und Supermärkten. Die Maske muss lediglich mitgeführt werden.

Es war irre anstrengend, unter der Maske ein freundliches Gesicht zu machen, das sich dem Gegenüber auch mitteilte. Man musste sein gesamte Visage in knautschige Falten legen, damit oberhalb des Maskenrandes etwas Freundlichkeit herauskam. Von heute an reicht wieder ein cooles, entspanntes Lächeln.

Wie klappt es dieses Jahr mit dem Sommerurlaub? Alles über Grenzen, Hotels und Maskenpflicht findet ihr, täglich aktualisiert, hier.

Die neue Wochenschau kommt am nächsten Freitag.

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