24 Geheimtipps: Toskana

Jaja, schon klar – es gibt auf der Welt keine Geheimtipps mehr. Und schon gar nicht in der Toskana; allein Florenz wird jährlich von sechs Millionen Touristen heimgesucht.

Aber erstens kommt das Wort »Geheimtipp« immer gut im Internet. Zweitens habe ich in den letzten zwei Jahren viel Zeit in der Toskana verbracht. Dabei ist Folgendes herausgekommen:

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Kompetenznachweis: Viele Weine mussten getrunken werden.

Einige werden einige Adressen kennen. Andere werden andere Adressen kennen. Aber ich denke doch, dass niemand alle Adressen kennt, die ich hier vorstelle.

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Harte Recherche: Der Schwarze Hahn, Panzano und ich. 

Hotels, von teuer bis preiswert, aber immer charmant

Florenz: Continentale. Designhotel direkt über dem Ponte Vecchio. Die Zimmer sind modern mit Stil eingerichtet, großformatige Bilder erinnern an die goldene Zeit des italienischen und französischen Kinos der 50er- und 60er-Jahre, auch im Möbeldesign findet sich eine bunte Mischung aus Retro und Moderne. Vicolo dell’Oro 6, http://www.lungarnoconnection.com.

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Niente male: Blick vom Hotel Continentale auf den Ponte Vecchio.

Bei Florenz: Val di Rose. Charmantes, mit viel Gespür eingerichtetes Haus 15 Minuten außerhalb. Die Betreiberfamilie kümmert sich rührend um die Gäste. Die fünf individuell eingerichteten Zimmer mit Fischgrätparkett sind in hellen Farben gehalten. Auf Wunsch Transfer zum Flughafen und Führungen durch die Stadt. Besitzerin Irene Berni ist hervorragende Fotografin und hält das B&B-Leben auf ihrem zauberhaften Blog fest.

Bei Florenz: Villa La Massa. Etwas außerhalb gelegen, ist das noble Hotel in einem Anwesen aus dem 15 Jahrhundert der perfekte Rückzugsort nach der florentinischen Kultur-Tour. Zauberhafter Park, luxuriöse Zimmer mit Baldachinbetten und Deckenfresken, exzellentes Restaurant Il Verrocchio unter Andrea Quagliarella, bei dem es exzellente bistecca fiorentina sowie auf Wunsch Kochkurse gibt – und den erhabenen Blick von der Terrasse auf den Arno. Firenze Candeli, Via della Massa 24, http://www.villalamassa.it.

Chianti: Castello La Leccia. 2012 als Agriturismo in einem Borgo eröffnet, dessen Mauern aus dem 11. Jahrhundert stammen, mit selbst für toskanische Verhältnisse atemberaubendem Panoramablick über das Chianti; eigenes Weingut und Olivenölpresse, konsequent ökologische Ausrichtung, Swimmingpool. Selbst die Marmelade vom Frühstücksbüffet kommt aus dem Nachbarort. Loc. La Leccia, Castellina in Chianti, http://www.castellolaleccia.com.

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Castello La Leccia: Die Töchter toben schon mal vor.

Siena: Piccolo Hotel Etruria. Sympathische Betreiber, zentrale Lage, günstige Preise, das alles in seinem Palazzo aus dem 15. Jahrhundert – viel besser kann man es in Siena nicht treffen. Die sympathischen Geschwister Conti, die das Hotel betreiben, geben gern auch Tipps für den Stadtbummel und sind generell sehr hilfreich. Vicolo Donzelle 3, http://www.hoteletruria.com.

Bolgheri: Agriturismo Tra Gli Ulivi. Ganz neuer Agriturismo (seit August 2017) im Weingut Chiappini, auf mehrere Häuser verteilt. Großzügig geschnittene Räume mit Terrasse zwischen Olivenhainen und Weinstöcken, direkt ans legendäre Weingut Ornellaia angrenzend. Salzwasserpool und Kinderbecken, im Sommer Degustationsabende und Kochkurse. Loc. Le Preselle, http://www.chiappinitragliulivi.com.

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Agriturismo, Wein, Olivenöl. Fehlt noch was? Nö.

Zwischen Pisa und Lucca: Locanda L’Elisa. Elegantes, kleines und sehr charmantes Hotel nahe Lucca in einer Villa mit schönem Park, altem Baumbestand und kleinem Pool. Individuell und antik eingerichtete Räumlichkeiten, hervorragendes Restaurant, überaus freundliches Personal. Inspirierende Atmosphäre! Nur zehn Zimmer, fast immer ausgebucht. Via Nuova per Pisa, Massa Pisana, www.locandalelisa.it

Arezzo: Casa Bivignano. Traumhafter Agriturismo und Reiterhof in einem 300 Jahre alten Bauernhaus in romantischer Abgeschiedenheit auf 20 Hektar Grundstück, mit viel Geschmack von einem Schweizer Paar renoviert. Die gutmütigen Pferde machen vor allem Anfängern Spaß, das selbst zubereitete Abendessen ist köstlich. Der kleine Pool wird von der hauseigenen Quelle gespeist. Loc. Bivignano 6, http://www.bivignano.com.

Maremma: Casa Badiola. Hübsches Apartment-Hotel mit 14 vollausgestatteten, zweigeschossigen Räumen (in der Küche gibt es sogar einen Weinkühlschrank!) und Driving-Range vor der Tür, außerdem Spa, Fitnessraum, Fahrradverleih, fünf Kilometer vom Badeort Castiglione della Pescaia entfernt. Auf dem 30 Hektar großen Weingut (komplette Produktion von der Lese bis zur Abfüllung auf dem Anwesen) wachsen Merlot, Shiraz, Cabernet Sauvignon und Vermentino. Zu dem Anwesen gehört auch auch das Luxushotel L’Andana (siehe weiter unten). Loc. Badiola, http://www.andana.it.

Forte dei Marmi: Logos Hotel. Weitläufige Räume, viel Kunst im Erdgeschoss (wechselnde Ausstellungen), Skulpturen im Garten, romantischer Pool, von hohen Bäumen umrankt – hier sind Urlauber richtig, die nach dem Strandtrubel auf Stille und Inspiration Wert legen. Viale Giuseppe Mazzini 153, http://www.logoshotel.it

Restaurants

Florenz: Borgo San Jacopo. Feine Küche unter der Leitung von Chefkoch Peter Brunel. Im Sommer sitzt man auf der Terrasse direkt am Arno. Borgo San Jacopo 62r, Tel. 05 52 81 661.

Florenz: La Leggenda dei Frati. Gastfreundlicher Ort mit Traumterrasse. Chefkoch Filippo Saporito kocht leicht und saisonal Costa San Giorgio 6a, Tel. 05 50 68 05 45.

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Links: Filippo Saporito. Rechts: Neugieriger Nachfrager.

Florenz: Ditta Artigianale. Neues Café mit zwei Gesichtern: Am Morgen riesige Auswahl an Kaffeesorten, am Nachmittag und Abend eine Gin-Bar mit ebenso erlesenen Wahlmöglichkeiten. Via dei Neri 32r, 8–22 Uhr

Chianti: Le Contrade. Einmaliger Blick von der Terrasse in die weinselige Weite. Andrea Oppo präsentiert auch ganz alte Rezepte wie den Medici-Liebling Tonno toscano: Stücke vom Schwein, vor allem von Rippe und Rücken, werden in Weißwein, Olivenöl und Marsala-Likör gekocht und frisch serviert oder konserviert, entweder in Dosen oder in Vakuumbeuteln. In beiden Fällen bekommen sie nicht nur die Farbe und Konsistenz von Thunfisch, sondern sogar ein wenig diesen zugleich weichen und etwas säuerlichen Geschmack. Località Vinci, Gaiole in Chianti, http://www.lecontrade.com.

Chianti: Enoteca Porciatti. Malerisch gelegen im mittelalterlichen Gewölbegang von Radda, betrieben von Riccardo Porciatti, dessen Vater die Macelleria am Ortseingang (Piazza IV Novembre) besitzt. Im Angebot natürlich Chianti Classico, aber auch Brunello di Montalcino und Supertoskaner. Täglich mindestens zwölf offene Weine zur Verkostung, seit Neuestem ein kleines Restaurant für den mittäglichen Happen. Camminamento Medievale, Radda in Chianti, Tel. 05 77 73 82 34, http://www.casaporciatti.it.

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Keine Ahnung, warum sich meine Tochter nicht für die Weine begeistern kann.

San Vincenzo: La Perla del Mare. Deborah Corsi hat von ihren Schwiegereltern einen etwas heruntergekommenen Beachclub namens La Perla übernommen, an einem Strandabschnitt in San Vincenzo mit Blick auf Capraia und Korsika. Sie hätte daraus eine Pizzeria machen oder es als Billighotel aufziehen können. Doch sie hatte eine andere Idee: ambitionierte lokale Küche mit bestem Blick. Die Seeigel-Tortellini werden direkt im Seeigel serviert, der raviolo trasparente ist ein Gambero im Nudelteig. Deborah Corsi spricht vom »Respekt vor der Tradition. Trotzdem will ich alle Kreativität aufwenden, die mit einheimischen Produkten möglich ist.« Via della Meloria 9, Tel. 05 65 70 21 13, http://www.laperladelmare.it.

Cecina: Il Doretto. Bei Mirko Rossi gibt es mal keinen Panoramablick: Sein Restaurant liegt direkt an einer unschönen Landstraße etwas außerhalb von Cecina, immerhin aber in einer schönen Villa. Die Fischküche macht die Lage wett, etwa mit allerlei Crudo und dem »Insalata«, einer kreativen Mixtur aus fünf verschiedenen gedünsteten Krustentieren. Via Pisana Livornese 32, Tel. 05 86 66 83 63.

Castiglione della Pescaia: Osteria del Mare. Ausgezeichnete, schnörkellose Fischküche in einem hübschen Fischerörtchen, das im Sommer auch bei Touristen sehr beliebt ist. Die Osteria ist ein Wohlfühlort, mit den Weinkisten, den verspielten Fischskulpturen an der Wand und dem zwanglosen, aber aufmerksamen Service. Bei Monica und Massimiliano wird das Meer zelebriert, etwa beim Couscous mit Meeresfrüchten oder den gefüllten Tintenfischen. Eine herzhafte Wahl ist der »Fishburger«, der aus Fischfilets mit hausgemachter Mayonnaise, Kartoffelachteln und auf getoastetem Brot serviert wird. Viale IV Novembre 15, Tel. 05 64 93 47 63, http://www.osteriadelmarecdp.it.

Bolgheri: Osteria Magona. Kernig und bodenständig: Hausgemachte Pasta mit Ragout vom Chianina-Rind, Ravioli mit Wildkräutern und Speck, Fiorentina, Lammkoteletts mit Thymian und Salzblüten. Weinkarte zum Schwärmen mit vielen Jahrgängen Sassicaia und Ornellaia, von denen es manche auch glasweise gibt. Achtung, neue Adresse! SP 16b, Loc. Vallone dei Messi 199, Tel. 05 65 76 21 73, http://www.osteriamagona.com.

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Osteria Magona, Weinkarte, erste Seite. Um das Eis zu brechen.

Massa Maritima: La Tana dei Brilli. Winziges, stimmungsvolles Lokal mit einer Handvoll Tische in der Altstadt von Massa Marittima. Auf der Webseite veröffentlicht Chefköchin Raffaella Cecchelli ihre Lieblingsrezepte zum Nachkochen, darunter Pici mit Artischocken, Wildschweinsteaks, mit Bier verfeinerte Schweinshaxe aus dem Ofen oder die deftige toskanische Spezialität trippe. Wenige Tische, unbedingt reservieren! Vicolo del Ciambellano 4, Tel. 05 66 90 12 74, http://www.latanadeibrilli.it.

Für euch Luxus-Chicks da draußen

Fiesole: Villa San Michele. Die Fassade soll Michelangelo selbst gestaltet haben: Die Villa bietet einen Traumblick auf Florenz, die Domkuppel und die sich träge erhebenden Chianti-Berge im Süden – vielleicht das schönste Inlandspanorama, das Italien anzubieten hat. In den terrassenförmigen Gärten wird am Abend erst der Aperitivo getrunken, dann begibt man sich ein paar Schritte weiter ins Hotelrestaurant La Loggia von Attilio di Fabrizio, der in der Enoteca Pinchiorri lernte. Pool, Spa, Kochschule, perfekter Service. Via Doccia, http://www.belmond.com.

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Villa San Michele: Niemand sieht hier deplatziert aus.

Casole d’Elsa: Castello di Casole. Ambitioniertes Projekt, das im Juli 2012 an den Start ging – ein hochwertiges Hotel aus Mauern, die teilweise aus dem Jahr 998 stammen. Zwei Restaurants („Tosca“ für den Anspruch mit großer Terrasse inklusive Traumblick, „Pazzia“ für die Pizza zwischendurch), großes Spa, Fitnessraum, Koch- und Sprachschule, Infinity Pool. Man setzt auf Ganzheitlichkeit, produziert seinen eigenen Wein und eigenes Olivenöl – und der Kräutergarten ist so groß wie ein kleiner Park. Ebenfalls seit neuestem zur Belmond-Gruppe gehörend. http://www.castellodicasole.com.

Castiglione della Pescaia: L’Andana. Luxuriöses Schwesterhotel des legendären L’Albereta in Franciacorta. Großzügig geschnittene Zimmer und Suiten, teilweise zweistöckig, Bar und Wintergarten, Park, eigene Wein- und Olivenölproduktion. Spa mit Innen- und Außenpool, Fitnesscenter. Kinderbereich mit Pavillon, Spielzimmer und Betreuung. Neues, fantastisches Restaurant namens Trattoria Enrico Bartolini. Loc. Badiola, http://www.andana.it.

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L’Andana: Nie auf Reisen, immer im Dienst.

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L’Andana: Ich war noch nie gut im Fotografieren von Essen.

Porto Ercole: Il Pellicano. Großartiges Hotel mit ganz viel Charme auf der Halbinsel Monte Argentario. Erstes Haus in der Toskana für Weltstars. Das Restaurant steht seit April 2018 unter der Leitung von Michelino Gioia. Loc. Sbarcatello, http://www.lhw.com/ilpellicano.

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Druckfahnen korrigieren auf der Terrasse des Pellicano. So sollte das Autorenleben immer sein.

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Il Pellicano: Viel Liebe in vielen Details.

Wer tiefer in die Toskana einsteigen will, findet etwa 500 weitere Tipps in diesen Büchern. Na, ihr wisst schon –

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Hier geht es direkt zum ADAC-Guide Toskana, hier findet ihr Florenz zu Fuß.

Und wer Lesestoff für den Pool/Strand/Balkon braucht, findet hier alles, was wichtig ist.

Love you all – und lasst mich wissen, was fehlt, was doof ist und was ihr sonst noch braucht!

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