Hochwasser in Grado – mit Updates

Alle reden von Venedig – aber was die können, können wir schon lange.

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Ihr entscheidet: Entweder stehe ich auf drei Meter hohen Stelzen, oder das Wasser ist über die Ufer getreten.

Grado ist seit gestern Abend ordentlich unter Wasser. Besonders rund um den Hafen, dem am tiefsten gelegenen Teil der Insel, stand das Wasser in der Nacht fast einen Meter hoch.

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Bereit zum Gassigehen. Luna weiß noch nicht, was sie erwartet.

Was ungewöhnlich ist: Erstmals seit vielen Jahren ist das Wasser auch in viele Nebenstraßen, ins centro storico und sogar in die Fußgängerzone eingedrungen. Das soll es zuletzt beim Jahrhunderthochwasser von 1966 gegeben haben.

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Beruhigt euch: Bei Chiara sind wir alle in guten Händen.

Auch musste der Autodamm zwischen Belvedere und Grado komplett gesperrt werden – zum ersten Mal in den zwanzig Jahren, seit ich hier wohne –, weil gefährlich hohe Wellen die Autos aus der Spur geworfen hätten.

Im Dorf munkelt man, dass der örtliche Trödler, der Gummistiefel normalerweise für 28 Euro verkauft, sie seit gestern für 48 Euro anbietet. Aber nicht nur der Trödler freut sich: Die Kinder haben schulfrei.

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Der rasende Reporter: Immer nah dran am Geschehen. So lange das Geschehen nicht allzu weit vom heimischen Kamin entfernt ist.

Morgen soll sich das Wetter beruhigen – um am Freitag erneut zuzuschlagen. Ich werde hier aktuell berichten.

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Fundstück Stricknadel: Der Pullover wird heute wohl nicht mehr fertig.

Falls irgendjemand von euch plant, nach Grado zu kommen (man weiß ja nie): Fahrt vorsichtshalber hintenrum, also nicht über die Ausfahrt Palmanova, sondern über Redipuglia-Monfalcone Ovest.

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Noch ein letztes Foto, um es irgendwann den Enkeln zu zeigen.

Update Donnerstag, 14.11.:

Ein ruhiger, sonniger Tag. Das Hochwasser hat sich zurückgezogen. Jetzt gehen die Aufräumarbeiten los. Morgen rollt die nächste Welle an. Angeblich soll es nicht so schlimm werden – aber das haben sie vorgestern ja auch gesagt.

Hier kommen neue Fotos von gestern und heute.

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Die Wellen haben es bis Reihe 8 geschafft – und manche sogar bis in die Kabinen.

 

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Ungewöhnlich: Auch die Nebenstraßen hat es dieses Mal erwischt.

 

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Zum Muschelsuchen braucht ihr heute nicht extra an den Strand zu gehen.

 

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Dickes Kind auf Rutsche? Nein, Hochwasser plus Sturm aus Südsüdost.

 

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Heute wird niemand mehr gerettet.

 

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Nicht nur das Meer, sondern auch der Sturm hat ordentlich gewütet: Der Rettungsschwimmer hinten auf Turm 2 könnte im nächsten Sommer besonders braun werden.

UPDATE Freitag, 15.11.:

Natürlich stieg das heutige Hochwasser trotz gegenteiliger Beteuerungen exakt so hoch wie am Mittwoch. Wieder wurden die Innenstadt und der Autodamm gesperrt, wieder lief das Wasser in Cafés und Privatwohnungen, in Garagen und Geschäfte.

Zudem ging pünktlich zum Höchststand ein heftiges Gewitter nieder, was der gesamten Szenerie eine ziemlich apokalyptische Note verlieh.

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Auch die Boote wollen mal am Straßenverkehr teilnehmen.

 

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»Hochwasser: Grado geht in die Knie. Schäden mehr als zehn Millionen Euro«. Wenn es mein Ort schon mal auf die Titelseite der regionalen Zeitung schafft…

UPDATE Samstag, 16.11.: In der Nacht von Freitag auf Samstag fegte ein heftiger Sturm mit Starkregen über Grado hinweg – nicht, dass wir irgendeine miese Wetterlage auslassen wollten.

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Der Sturm hat sogar die Strandkabinen umgeblasen.

Erneut stieg das Wasser, auch am Vormittag kam es zu kleineren Überflutungen. Dennoch sieht es ein wenig nach Entspannung aus. Das Aufräumen wird aber sicher noch ein paar Tage dauern. Am Sonntag soll es erneut heftig regnen, aber zumindest wird sich das Hochwasser in Grenzen halten.

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Eine neue Hoffnung – nach dem Sturm.

UPDATE Sonntag, 17.11.: Von wegen Entwarnung. Das Wasser ist heute zum vierten Mal in fünf Tagen über die Ufer getreten – die Vorhersagen waren deutlich optimistischer. Und so langsam müssen wir wohl eher die Tage zählen, an denen es kein Hochwasser gibt, um nicht durcheinander zu kommen. Von oben kommt der Starkregen hinzu, es blitzt und donnert. Der Autodamm war am Vormittag für den Verkehr gesperrt, das Ortszentrum sowieso.

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