Ein dreister Diebstahl und ein Blick von ganz oben: Mediterrane Wochenschau LXVII

Hier kommt der einzige Newsletter, der darauf wartet, dass die Temperaturen am Nachmittag unter 15 Grad sinken. Denn dann ist – in meinem persönlichen Wertesystem – ein Cappuccino erlaubt. Die Wettervorhersage ist nicht zu meinen Gunsten.

Montag, 30. August

Zum angedachten Italienisch-& Kochkurs kommen wir gleich, aber zuerst eine wichtige Mitteilung in Sachen Kunst & Kultur.

Wenn ihr gerade in Grado seid oder noch im September kommt: Es gibt eine tolle neue Ausstellung. Das italienisch-russisch-holländische Künstlerkollektiv Anotherview hat sich darauf spezialisiert, 24 Stunden lang besondere Orte abzufilmen, von einer Oase in Botswana über eine belebte indische Straße bis zum Trevi-Brunnen in Rom. In diesem Sommer hatten sie sich auf dem Balkon meiner Schwiegereltern einquartiert, um das Perdòn di Barbana zu filmen, jene Prozession, die am ersten Sonntag im Juli vom Fischerhafen zum Inselkloster Barbana führt. Sie erwischten eine heftige Gewitternacht, aber am Morgen schien glücklicherweise die Sonne.

Marco Tabasso und Tatiana Uzlova, zwei der drei Künstler von Anotherview, mit einem sich ins Bild drängenden Fan.

In ihren Ausstellungen werden die 24 Stunden Film nicht einfach an die Wand geworfen, sondern mit einem jeweils passenden und für jede Ausstellung neu angefertigten »Fenster« gerahmt (siehe Foto). Und natürlich wird der Film ausschnittsweise vorgeführt; niemand muss 24 Stunden davor verharren.

Schaut es euch an! Im Casa della Musica (bei den Ausgrabungen, gegenüber vom Rathaus), bis zum 26. September jeden Abend außer Montag von 19.30 bis 22.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

Wie es mit Masken und Viren und Eintritten in Italien derzeit aussieht, lest ihr stets aktuell hier.

Dienstag, 31. August

Erst einmal herzlichen Dank für die vielen Nachrichten! Ich hatte ja letzte Woche vorgeschlagen, einen kombinierten Italienisch-& Kochkurs in Grado zu organisieren. Daraufhin kamen von euch gute Anregungen. Hier eine Übersicht der Reaktionen:

  • Viele von euch suchen genau so etwas!
  • Der Herbst würde den meisten gut passen.
  • Vier bis fünf Tage wären ideal; zwei erfahrene Seminarorganisatorinnen haben mich allerdings darauf hingewiesen, dass fünf Tage am Stück auch mit dem besten Inhalt etwas ermüdend sein können; viele meinten passend dazu, dass man einen der Tage mit einer Wein-Tour durchs Collio samt Verkostung verbringen könnte. Gute Idee – und Wein ist ja auch ein integraler Bestandteil der italienischen Gastronomie!
  • Tendenz: Am Vormittag Italienisch, am Nachmittag Kochen.
  • Beim Italienischunterricht gaben einige von euch zu bedenken, dass die verschiedenen Vorkenntnisse problematisch sein könnten. Daher könnten wir uns überlegen, den vormittäglichen Italienischkurs als optionales Zusatzpaket anzubieten, erst einmal für Anfänger. Wer schon weiter ist, kommt dann einfach zum Kochen hinzu.
  • Allerdings ist die Sache mit der Vorkenntnis – korrigiert mich – vielleicht ein wenig überschätzt. Die meisten von euch können wahrscheinlich eine Speisekarte lesen, die wenigsten einen Artikel im Corriere della Sera. Damit sind ja dann doch alle recht ähnlich. Fast jeder Italien-Urlauber spricht ein paar Bröckchen, und keiner, der es schon fließend kann, würde einen Sprachkurs dazubuchen.
  • Es kam auch der Vorschlag, das Ganze als Bildungsurlaub zu deklarieren, damit es steuerlich absetzbar sei. Falls da jemand genauere Erfahrung hat: Schreibt mir!

Na, da habe ich mir jedenfalls was Schönes eingebrockt.

Mittwoch, 1. September

Ihr kennt ja das inoffizielle Logo Grados, auf das hier alle (völlig zu Recht) stolz sind.

Genial gemacht von Mario Puppo, 1948.

2018 entdeckte ich das Logo auf einem Werbeplakat für den toskanischen Badeort Forte dei Marmi, auch noch dreist mit einer anderen Signatur versehen (»Gaia«) und stellte es auf Facebook. Es folgte ein richtiger Shitstorm gegen Forte dei Marmi, der Bürgermeister reiste extra nach Grado, um sich zu entschuldigen. Hier könnt ihr alles nachlesen.

Nun gibt es einen erneuten Diebstahl: Die Zeitschrift L’Automobile benutzte die Dame mit dem Foulard als Coverbild.

Wer entdeckt meinen Namen im Artikel?

Überall auf der Welt (naja, fast überall) kennt man mich als Journalisten und Schriftsteller. Hier in Grado bin ich dagegen so eine Art Lordprotektor des örtlichen Gütesiegels.

Donnerstag, 2. September

Ein kurzes Sonderlob für die beiden heldenhaften Österreicher, die das Fahrrad einer Dame, das beim Abstellen ins Hafenbecken gekippt ist, herausgefischt haben. Es gibt sie noch, die Helden des Alltags!

Freitag, 3. September

Ich hatte euch ja letzte Woche den Trick meines Schwiegervaters versprochen, in jedem Lokal beachtet zu werden. Er hat da etwas Besonderes auf Lager, das ich immer für eine Marotte hielt, bis ich ihm auf die Schliche gekommen bin: In den meisten Restaurants und auch in einigen Bars wartet man ja, bis man an einen freien Tisch geführt wird. Man dackelt also der Bedienung hinterher.

Doch bevor die Bedienung wieder abrauscht, legt mein Schwiegervater die Hand auf seinen Unterarm, senkt die Stimme zu einem Flüsterton und sagt so etwas wie: »Tu mir einen Gefallen, mein Junge. Bring mir doch schon mal eine Flasche Wasser.« Dann macht es sich mein Schwiegervater bequem, die Bedienung kommt mit dem Wasser und wird sodann umgehend verhaftet, um unsere weiteren Getränkewünsche aufzunehmen. Und wenn sie mit dem Wein zurückkommt, steht auch schon unsere Speiseauswahl fest. Und damit ist das gastronomische Band zwischen Gast und Gastgeber fest geknüpft.

Ganz zusammenhanglos noch eine wunderbare Nachricht zum Schluss: Der zweibeinige Hund Pelù, dessen Besitzer auf so rätselhafte Weise verschwunden ist (hier lest ihr die Geschichte) hat eine neue Besitzerin gefunden. Und der erste Satz in der örtlichen Tageszeitung lautet tatsächlich ganz unironisch (übersetzt): »Unser vierbeiniger Freund kann aufatmen.« Nein, der arme Kerl ist eben nicht vierbeinig!

Euch allen ein schönes Wochenende!

Zur vorherigen Wochenschau geht es hier entlang. Wer mehr Lesestoff will: bitteschön!

Tipps zu Grado stehen hier, über die Reisesituation in Italien berichte ich hier.

PS: Leute, jetzt bin ich gar nicht dazu gekommen, euch vom Filmfestival in Venedig zu erzählen, wo ich zur Eröffnungsparty eingeladen war! Daher kommt nächsten Freitag ein Venedig-Special – mit vielen Fotos, Klatsch und Tratsch!