23 Tipps für Genießer: Gardasee

Diese Abwechslung! Almwiesen und mediterrane Macchia, Edelweiß und Palmen. Alpine Schroffheit und italienische Lässigkeit, Seehecht und Seeigel.

Moment, Seeigel?

Ja, Seeigel. Die ricci di mare hat Maurizio Bufi an den Gardasee gebracht. Der gebürtige Apulier kocht in der Villa Giulia in Gargnano am Westufer und gilt als neuer Star der Szene. Die Seeigel serviert er auf einem getoasteten Brot und einem Püree von violetten Kartoffeln.

Aber bevor wir uns kopfüber in den See stürzen: Was mache ich überhaupt hier? Denn treue Leserinnen und Leser wissen ja: Ich lebe in Grado. Wer nicht weiß, wo das ist, vermutet den Ort immer am Gardasee, weil es ja irgendwie so ähnlich klingt. Nein, Grado liegt an der oberen Adria, zwischen Venedig und Triest, 200 Kilometer vom Gardasee entfernt.

Aber als Reise- und Ess-Trink-und-sei-glücklich-Journalist nimmt der Gardasee einen wichtigen Teil meiner Arbeit ein. Ich durfte ihn schon für viele Magazine und Reiseführer und zuletzt für die Juli-Ausgabe des »Feinschmecker« bereisen.

 

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Meine Titelgeschichte in der Juli-Ausgabe (hier nachzubestellen)…

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… und eine Auswahl meiner aktuellen Werke, in denen immer viel vom Gardasee die Rede ist. Ja, ich weiß, Profifotografen hätten alles viel schöner arrangiert; denkt euch doch einfach die rot-weiß-karierte Tischdecke hinzu.

Hier kommen meine Lieblingsadressen für jede Preisklasse und jeden Anspruch – Hotels, Restaurants, Winzer und Geschäfte. Es geht gleich mit einem der teuersten Hotels Italiens los, aber keine Sorge, unten raus wird’s preiswerter.

Hotels

Villa Feltrinelli
Man wird ja wohl noch träumen dürfen. Eine Hausdame packt den Koffer aus und später auch wieder ein. Der Laundry-Service ist kostenlos, das Frühstück à la carte wird überall und ganztägig serviert, ob in den Liegestühlen am See oder inmitten des drei Hektar großen Parks, der von acht Gärtnern gepflegt wird. In der Villa verbrachte einst die Mailänder Unternehmer- und Verlegerfamilie Feltrinelli ihre Sommerfrische, bis auf die Jahre 1943 bis 1945, als sich Benito Mussolini dort einnistete und von einem zweiten Marsch auf Rom träumte. (Daraus wurde dann nichts, wenig später hing er, von Kugeln durchsiebt, kopfüber vom Dach einer Mailänder Tankstelle.) Neben dem Badesteg gibt es auch einen Bootsanleger, an dem eine Riva-Yacht wartet. Und als wäre das immer noch nicht genug, ist Hauskoch Stefano Baiocco der höchstdekorierte Koch des Sees.
Gargnano, http://www.villafeltrinelli.com

Lido Palace
Traditionshaus in ganz modernem Gewand, mit großzügig geschnittenen Zimmern und von einem edlen Park umgeben. Erstklassiges Spa mit allen erdenklichen Anwendungen. Prachtblick über den See.
Riva, http://www.lido-palace.it

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Lido Palace: Außen hui, innen hui!

Quellenhof Lazise
Gerade 2019 eröffnet, haben die Betreiber Großes vor. Das Luxushotel mit dem größten See-Spa, mehreren Pools (auch chlorfrei sowie Kinderbecken mit Rutsche), diversen Saunabereichen und Infinity-Pool auf dem Dach will den Gardasee mittelfristig als Ganzjahresziel etablieren. Das Spa ist nach Voranmeldung auch für auswärtige Besucher geöffnet.
Lazise, http://www.quellenhof-lazise.it

Villa Giulia
Romantisches inhabergeführtes Hotel mit Seeblick, eigenem Bootssteg und kleinem Privatstrand. Seit Neuestem gibt es neben dem Pool auch ein Spa mit Gym. Aufmerksamer Service, schöner Garten.
Gargnano, http://www.villagiulia.it

Aqualux
Bardolino: Ich finde ja, der Ort klingt schon wie Urlaub. In dem Aqualux mit riesigem Spa und großem Outdoor-Pool könnt ihr euch verwöhnen lassen, äußerlich wie innerlich: In der Hotelküche steht Angelo Ruatti, der konsequent auf chilometro zeros etzt und aus den Spezialitäten des Gardasees Köstlichkeiten zaubert.
Bardolino, http://www.aqualuxhotel.com

Meandro
Schlichtes, sauberes Hotel etwas oberhalb des Zentrums von Gargnano, direkt an der Umrundungsstraße des Sees gelegen, dennoch ruhig. Zimmer mit (herrlichem!) Seeblick erfragen! Bodenständiges Restaurant mit guter Küche. Doppelzimmer schon ab 70 Euro!
Gargnano, http://www.hotelmeandro.it

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Mein Balkon im Meandro. Da schreibt es sich praktisch von allein.

Tiziana
Die Albergo Tiziana liegt auf der Westseite des Gardasees nahe Gargnano. Das Haus wurde im 18. Jahrhundert erbaut und komplett restauriert, gefrühstückt wird im Garten, und der Blick auf den See von den Zimmern ist klasse. Verblüffend preiswert.
Gargnano, http://www.albergotiziana.com

Restaurants

Ristorante Villa Giulia
Maurizio Bufi verbindet lombardische Spezialitäten mit apulischen Köstlichkeiten. Alles erstklassig: Küche, Weinkarte, Seeblick. Hier gibt es auch die Seeigel von oben!
Adresse wie Hotel Villa Giulia.

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Bei Chefkoch Alberto Bertani und seiner Frau Irene Agliardi als Maître und Sommelière spielen die Köstlichkeiten der Region die Hauptrolle. Die Seefische werden bevorzugt mit heimischen Produkten (Kapern, Zitrone, Fenchel, Olivenöl) veredelt.
Salò, Via Pietro da Salò 23.

La Rucola 2.0
Beim experimentierfreudigen Chefkoch Gionata Bignotti gibt es in der Altstadt Sirmiones verspielt-kreative Küche mit regionalem Bezug. Hausgemachter Gin, viele Spezialitäten aus dem See und aus dem unmittelbaren Umland.
Sirmione, http://www.ristorantelarucola.it

Il Re della Busa
Bestes Restaurant am Nordufer, seit Neuestem unter der Leitung von David Cattoi. Das Restaurant mit lauschiger Terrasse erinnert an einen Schiffsbug, dessen Spitze zum See zeigt. Spezialitäten: Spaghettoni »Matt« mit alpinem Weizen, Tortelli mit Kalbsschulter, Steinbutt aus dem Ofen.
Riva, Adresse wie Lido Palace.

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Kleiner Happen vorweg im Re de la Busa: Fassona-Tatar mit Pilz-Crumble. 

Antica Trattoria alle Rose
Auf die Karte kommen vor allem lokale Produkte, etwa Seeforellen, Hechte, außerdem je nach Jahreszeit Morcheln und Pfifferlinge, die in den Hügeln rund um den Lago wachsen, oder Lämmchen und Zicklein aus Tremosine.
Salò, http://www.trattoriaallerose.it

Da Umberto
Eine intime Atmosphäre in romantischer Umgebung, wie sie italienischer nicht sein kann. Direkt am winzigen Hafen könnt ihr Hobbyskippern bei ihren verzweifelten Anlegemanövern zusehen. Unbedingt probieren: hausgemachte Bigoli mit Seesardinen. Der Wein stammt konsequent aus der Region – mit Ausnahme der Champagnermarken Moët und Bollinger für die ganz besonderen Anlässe.
Castelletto, http://www.daumberto.it

Locanda San Vigilio
Verträumter Ort direkt an einem kleinen Hafen. Unter uralten Olivenbäumen schmecken Spezialitäten und Weine aus der Region noch einmal so gut – das Restaurant gehört zum Hotel San Vigilio.
Punta San Vigilio, http://www.locanda-sanvigilio.it

Riviera
Beliebtes Café mit langer Geschichte und wunderbarer Panoramalage. Auch ideal für den abendlichen Aperitivo.
Gardone Riviera.

Einkaufen

Melchioretti Riccardo
In dem Geschäft aus dem Jahr 1870 gibt es eine üppige Auswahl typischer Delikatessen: Wein, Salami, Käse, Konfitüren, Olivenöl und auch Hochprozentiges.
Salò, Piazza Angelo Zanelli.

Macelleria Bignotti
Metzgerei und Käserei – alle Käsesorten werden selbst hergestellt, aus Milch der eigenen Kühe auf der Alm.
Gargano, Via Roma 13.

Cantina ZF4
Die alteingesessene Winzerfamilie bietet in ihrer Cantina auch regelmäßige Degustationen an – entweder im schönen Innenhof oder im urigen Weinkeller.
Lazise, Via Porta San Zeno 7, http://www.zf4.it

Tortellini Remelli
Hausgemachte Pasta im Überfluss, außerdem Wein, Käse, Wurst, Konfitüren. Einiges kann auch direkt im Laden vernascht werden.
Valeggio Sul Mincio, Via Sala 24, http://www.pastificioremelli.it

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Kleine Werbeunterbrechung: meine historischen Romane. Mehr zu meinen Büchern gibt es hier. Weiter im Text: 

Cooperativa Agricola Possidenti Oliveti
Viel Olivenöl, aber auch Honig (der Gardasee ist einer der wichtigsten Produzenten in Italien), Käse, Salami und Weine.
Limone sul Garda, Via Campaldo 10.

Fratelli Zeni
Mehr als ein Weingut: Der Familienbetrieb aus dem Jahr 1870 oberhalb von Bardolino wurde zu einem regelrechten Museum aufgepeppt. Nach dem interessanten Rundgang geht es zur Weinprobe mit herrlichem Seeblick – Tipp: der Rosé Bardolino Chiaretto.
Bardolino, Via Costabella 9, http://www.zeni.it

Ausflug: Verona

Die inoffizielle Hauptstadt des Gardasees verdient auch eine kurze Betrachtung. Hier kommen zwei Genuss-Tipps:

12 Apostoli
Einst traf sich dort eine einflussreiche Gruppe heimischer Kaufleute, die bald den Spitznamen bekam, der dem Lokal den ungewöhnlichen Namen gab. Großartiges Risotto al baccalà mantecato oder Bigoli mit Lauch-Creme und geröstetem Weißbrot.
Corticella San Marco 3.

Osteria del Bugiardo
Rustikales Lokal, das von den Einheimischen gern für einen Aperitivo aufgesucht wird, den man an großen, groben Holztischen oder direkt am Tresen genießt, gern von einer Aufschnittplatte begleitet. Neben Lugana, Soave, Prosecco und Valpolicella wird auch ein exzellenter Amarone der Azienda Buglioni angeboten, jenem Winzer, der das Lokal betreibt. Weitere nette Aperitivo-Bars gibt es auf dem nahen Piazza delle Erbe.
Corso Porta Borsari 17.

NEUNEUNEU: Und kaum habe ich diesen Beitrag veröffentlicht, gibt es noch eine tolle Neuerung zu verkünden. Peter Brunel, einer meiner Lieblingsköche, der lange in Florenz war, hat soeben sein eigenes Restaurant in Arco aufgemacht. Ich war noch nicht dort, werde es aber schnellstmöglich nachholen – und ich kann Peter blind empfehlen. Die Fotos (www.peterbrunel.com) sind ohnehin vielsprechend.

Wer noch mehr Tipps hat – gern her damit! Anregungen und auch Kritik sind immer willkommen.

Wer Gardasee-Fan ist, ist vermutlich auch Italien-Fan. Daher kann ich nur meinen erfolgreichsten Blog-Eintrag »Das Italien-Prinzip: So geht Glück« empfehlen. Auch sonst gibt es auf meiner Seite (zurück zur Startseite geht es hier) viel über unser Lieblingsland zu entdecken.

Und warum es uns überhaupt in Italien so gut schmeckt und alle Welt auf die italienische Küche fliegt, habe ich in diesem Beitrag erklärt.

Und zum Schluss: Unter allen, die sich oben rechts auf der Startseite für meinen Newsletter eintragen (zwei, drei muntere, stressfreie und gute Laune garantierende Italien-Geschichten pro Monat) verlose ich jeden Monat ein Buch.

 

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