Mediterrane Wochenschau XXIII: Das Beinahe-Hochwasser von Venedig und Grado

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Samstag, 3. Oktober

Oh, das war eine knappe Kiste: Beinahe hätte uns am Vormittag das erste Hochwasser der Saison erwischt, aber die Flut entschied sich anders und blieb zwei Zentimeter unterhalb der kritischen Grenze.

Es ging gerade noch ohne Gummistiefel.
Hier seht ihr gut, wie knapp es war.

Auch Venedig blieb vom Hochwasser verschont, bis auf die üblichen größeren Pfützen auf dem Markusplatz. Zum ersten Mal durfte sich das Projekt MOSE in seiner ganzen Pracht zeigen und schien funktioniert zu haben. Die echten Bewährungsproben dürften aber noch ausstehen. Bürgermeister Brugnaro hat jedenfalls genau die Bilder bekommen, die jeder Politiker liebt, der sich als Macher inszenieren will: In Wind und Regen steht er in sicherer Entfernung und scheint mit entschlossenen Handbewegungen höchstselbst die Schleusentore zu bewegen.

Nach schlechtem Wetter gibt es dafür solche Sonnenuntergänge.

Sonntag, 4. Oktober

Alles wieder gut – die Sonne ist zurück.

Hier kommen ein paar schöne neue Wörter, die ich in den letzten Tagen gelernt habe.

  • »Rumknutschen« heißt auf Italienisch »limonare«. Wie erfrischend!
  • Die Schule schwänzen heißt »marinare«. Da merkt man, dass Italien eine Seefahrernation ist, denn ganz frei könnte man es mit »Umsegeln« übersetzen. Beides, limonare und marinare, weiß man, wenn man Teenie-Töchter hat.
  • Ich habe endlich mal meine Küchenmesser geschliffen. Dabei entsteht »Schleifschlamm«, nämlich aus dem Wasser und dem Abrieb von Stein und Messer.
  • Bei Großmeisterin Elena Ferrante entdeckt: Das, was am Meeresufer angeschwemmt wird, heißt »Spülsaum«. Das Wort war mir nicht unbekannt, aber ganz, ganz hinten im Hirn verborgen. Es hat einen schönen Klang, und wir sollten es viel öfter benutzen.
Nach dem heftigen Südwind: jede Menge Spülsaum.

Montag, 5. Oktober

Habt ihr schon über die wunderbare Initiative »Laguna Incantata« gelesen? Musik, Pasta und Wein in der Lagune von Grado? Hier geht’s zum Blogeintrag. Dort erfahrt ihr auch, warum die noblen österreichischen Sommerfrischler, die zur k.u.k.-Zeit in Grado urlaubten, keinen Fisch angerührt haben.

Ach, es war ein schöner Tag mit den Maestri Roberto Camuffo (Koch und Fotograf) und Dino Facchinetti (Maler und Bildhauer). Archivfoto 2019.

Dienstag, 6. Oktober

Ellen Müller ist Italien-Kennerin, war aber noch nie in Venedig. Nun reiste sie mit meinen Tipps zum ersten Mal dorthin – so hört sich eine glückliche Reisende an:

Ponte Chiodo: So süss! Die Lage !!!!!!!! Der verwunschene Feengarten! Ein Traum… Dann sofort los zum ersten Spritz in der gleichen Gasse für 2,50 € 😳. Natürlich haben wir gleich die Tips von Mattia studiert, er selber war nicht da, aber das ist ja auf seiner Beschreibung super gemacht. Wir sind also weiter zum Vino vero zu Wein und cichette, hab ja Deinen Venedigblog nochmal vorher gelesen 😜. Wir kamen auch mit Weekendern und gscheit angezogen. Zum Abendessen waren wir im Promessi sposi und es gab natürlich sepie nere, sehr lecker! 
Heute morgen, ja wir sind folgsam 😊, um 6:30 das Haus verlassen und zum Sonnenaufgang auf dem leeren Markusplatz gestanden, unfassbar schön! Ein Geschenk, Venedig so erleben zu dürfen 🙏🏻. Über die Rialto zwei Stunden später zurück ins Hotel zum Frühstück und Mattia! Sehr cool! Hab gesagt, dass Du uns empfohlen hast und er hat uns dann natürlich noch einen wunderbaren Spaziergang für den Tag durch die Stadt ausführlich erläutert und wild im Stadtplan rumgekritzelt, alles auf dem Kopf geschrieben 😂. Es war wundervoll, mit Spritz, Wein und besten Eis von Nico begleitet. Zum Abschluss gabs noch leckere Pasta beim Restaurant Diana und dann sind wir wieder mit Gepäck zurück gelaufen. Ok, wir sind nur einmal ganz kurz Gondel gefahren zum Übersetzen, also nicht wirklich so richtig 🙈, aber sonst haben wir meiner Meinung nach in 24 Stunden das maximale Ziel erreicht, ohne gestresst zu sein. Gut, das andauernde mit offenem Mund Rumgelaufe ob der gewaltigen Schönheit strengt ein bisschen an. Ein Highlight noch vergessen: der morgendliche Espresso vor acht mit gefülltem cornetto im Cafe ducale mit venezianischen Taxibootfahrern und anderen gutangezogenen Einheimischen, unbezahlbar! Vielen lieben Dank nochmal für Deine tollen Tips, wir kommen sicher bald wieder, solange es noch so „ruhig“ ist in der schönsten Stadt der Welt ❤️.

Das freut natürlich jeden Autor. Alles zu Venedig steht hier, und der erfolgreichste Text von allen heißt »Venedig – 12 Geheimtipps«.

Mittwoch, 7. Oktober

Die zweite Welle ist überall da – in Italien glücklicherweise nicht so stark wie in anderen Ländern, und hier in Grado sind wir ja ohnehin vom Virus praktisch völlig verschont geblieben. Dennoch gilt jetzt eine Maskenpflicht auch im Freien. Details zu den neuen Entwicklungen schreibe ich immer oben auf der Startseite. Faustregel: Im Zweifel Maske tragen!

Donnerstag, 8. Oktober

Heute sind es 24 Grad, viele Touristen baden. Generell war es eine wunderbar warme Woche.

Und der Sport ist auch wieder zurück: Vor zwei Wochen wurde das traditionsreiche Tennisturnier ausgetragen, und erstmals gewann eine Deutsche, die 18-jährige Sina Herrmann.

Gewinnerin Sina Herrmann (rechts) und die Finalgegnerin Lara Salden aus Belgien.

Wenn Sina also demnächst in Wimbledon antritt – in Grado hat sie das Gewinnen gelernt!

Und heute kam auch der Radsport auf die Insel. Im Mannschaftszeitfahren der FVG-Rundfahrt ging es für die Teams von Aquileia nach Grado.

Wer kennt ihn nicht aus Tour-de-France-Übertragungen? Der »Teufelslappen« zeigt an, dass das Ziel noch einen Kilometer entfernt ist.

Warum Italiener so vernarrt in den Radsport sind, habe ich hier geschrieben – eine wirklich faszinierende Geschichte!

Freitag, 9. Oktober

Meine Tochter ist in ihrem (wegen Corona abgebrochenem) Austauschjahr in England begeisterte Teetrinkerin geworden. Nun ist ein Riesenpaket mit 500 Beuteln Yorkshire-Tee angekommen, angeblich der beste überhaupt. Sie ist sehr glücklich. Und Luna gefällt der Duft auch sehr. Klar, als Jack Russell ist sie ja eine Engländerin.

Smells like Heimat, findet Luna.

Ich werde ja erst zum echten Teetrinker, wenn die Temperaturen unter 10 Grad fallen. Davon sind wir im Moment ganz, ganz weit entfernt.

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Frisch aus der Druckerei: Prima Lesestoff für kühle Tage.

Die nächste Mediterrane Wochenschau erscheint am 16. Oktober. Genießt die Zeit bis dahin!