Die Bombe am Strand, der Parkschein im Ausdruck, hallo Frühling! Mediterrane Wochenschau CXXXVIII

Hier kommt der einzige Newsletter, der den Frühling erschnuppert! Endlich: Die Temperaturen steigen ins Zweistellige, und erste vorwitzige Urlauber wagen sich kurzärmlig an den Strand.

Montag, 13. Februar

Im letzten Newsletter hatte ich ja von den Verkehrssündern in Grado berichtet. Dazu ein thematisch passender Ausflug an den Gardasee: Dort ist das Parken richtig teuer – in manchen Orten 20 Euro pro Tag. Nun wurde in Salò ein Anwohner angezeigt, der sich offenbar die Parktickets über Jahre selbst ausgedruckt hat. Keine schlechte Idee (kriminelle Energie vorausgesetzt), denn Parkscheine aus dem Automaten sehen ja wirklich recht simpel aus und dürften sich mit einem vernünftigen Grafikprogramm leicht fälschen lassen. Allerdings beachtete der Mann nicht die korrekte Größe des Papiers und der Schrift, was einem adleräugigen Polizeibeamten auffiel. Und jetzt bekommt er richtig Ärger, denn während das Parken ohne Parkticket nur eine Ordnungswidrigkeit ist, gilt ein selbstgemachter Parkschein als Urkundenfälschung und damit als Straftat. 

Hier mein Parkschein aus der letzten Woche.

Mal ehrlich: Ich will zwar niemanden auf dumme Ideen bringen, aber ein Do-it-yourself-Parkschein wäre wirklich kein Hexenwerk. Die laufende Nummer unten rechts könnte ein Problem sein, aber ob die Polizei wirklich so genau hinschaut?

Dienstag, 14. Februar

Bevor es zum Bombenfund geht, wünsche ich euch allen einen schönen Valentinstag. Ich war gerade in dem großen Outlet Center in San Donà, und ich muss schon sagen: Nichts verleidet einem mehr die Lust auf Mode und Einkaufen als ein Outlet Center. Ein Outlet Center ist der typische Fall einer Idee, die nur gut klingt, sich aber in Wirklichkeit als Vollkatastrophe herausstellt.

Der Blumenstrauß ist für euch, liebe famiglia!

Eine falsche Stadt aus Plastik, Coffeeshops ohne Seele, völlig desinteressierte Verkäuferinnen (und warum sollten sie auch interessiert sein). Und dann die Kunden: Man hört hier wenig Italienisch. Überschminkte Frauen, für die Jahreszeit zu knapp angezogen und so wirkend, als würden sie gleich zum Stangentanz ansetzen. Hinter ihnen missgelaunte, unrasierte Männer in Trainingsanzügen.

Und dann diese obszöne Auswahl: In dreißig Geschäften werden Hemden verkauft. Und deswegen haben kleine Boutique in echten Innenstädten eine Daseinsberechtigung. Denn dort ist für mich schon eine Vorauswahl getroffen worden. 

Und, keine Verschwörungstheorie, sondern aus der engsten Verwandtschaft bestätigt: Große Hersteller produzieren extra für die Outlets. 

Das Schlimmste aber ist, dass ich in einem Jahr all das vergessen haben werde und mich erneut breitschlagen lasse, jemanden zum Einkaufen dorthin zu begleiten.

(Meine Töchter sehen das alles übrigens komplett anders.)

Mittwoch, 15. Februar

Mitte Januar hat meine Frau am Strand diesen Fund gemacht.

Etwa einen halben Meter lang – durchaus beeindruckend.

Was es ist? Vermutlich eine Granate aus einem Panzer- oder Schiffsgeschütz, nach dem Grad der Verwitterung wohl noch aus dem Weltkrieg. Gut, dass das Ding im Januar angespült wurde und nicht im Juli oder August, wenn Kinder möglicherweise auf dumme Ideen gekommen wären.

Jedenfalls setzte sich der italienische Apparat in Bewegung: Meine Frau verständigte die Küstenwache, die Küstenwache kam und verständigte die Carabinieri, die Carabinieri kamen und verständigten die Strandverwaltung, die mit einem Bagger anrückten, um das Ding erstmal vom Ufer zu bergen und weiter hinten tief im Sand zu verbuddeln, zugleich verständigten die Carabinieri die Sprengstoffexperten des Militärs.

Hier versteckte sich das Ding vier Wochen lang.

Und ich hielt die Klappe und schrieb kein Wort darüber. Nicht, dass irgendwelche 15-Jährigen zu einer Mutprobe ausgerückt wären. Auch im Ort wusste es niemand außer uns und den Ordnungskräften.

Jedenfalls sind die Sprengstoffexperten heute gekommen. Ich hatte mit einem weiträumig abgesperrten Strand sowie einem ferngesteuerten Roboter gerechnet, der das Geschütz freischaufelt und in einen mächtigen Stahlcontainer mit dreißig Zentimeter dicken Wänden verfrachtet.

Doch was passierte? Zwei Soldaten, denen die Besatzung eines Ambulanzwagens zuschaute, buddelten das Ding mit dem Spaten aus, steckten es in eine Tüte und fuhren mit ihrem Pick-up davon. 

Ich hatte mir etwas mehr Hollywood-Drama erwartet.

Italiener sind eben unverbesserliche Optimisten.

Übrigens fand die Bergung direkt am geplanten Eingang zum neuen Nobelstand statt, jenem schicken schmiedeeisernen Tor bei den Ville Bianchi; hier habe ich mehr darüber geschrieben. 

Donnerstag, 16. Februar

Ein neues Buch aus Grado – nicht von mir, sondern von Roberto Camuffo (Fotos) und Leonardo Tognon (Texte). Das wurde aber auch mal Zeit, dass Roby seine wahnsinnig guten Fotos veröffentlicht. Denn wer, wie er, mit der richtigen Ausrüstung jeden Morgen zum Sonnenaufgang in der Lagune unterwegs ist, bringt fast immer zauberhafte Bilder mit.

Weil er auch ein begnadeter Koch ist und noch so einige Lebenstricks mehr drauf hat, kommt er auch in meinem neuen Buch vor, das in zwei Wochen erscheint. (Hier lest ihr eine erste Kritik aus der Sindelfinger Zeitung/Böblinger Zeitung – danke dafür!)

Eine kleine Buchvorschau auf die kommenden Wochen und Monate lest ihr hier.

Euch allen ein schönes Wochenende, bis nächsten Freitag!

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Zusammenhangloses Bild der Woche: Wenn die Pizzen pünktlich kommen, die Gäste aber nicht.

Und in diesem Newsletter stehen, ganz am Ende, die gebündelten Italien-Tipps für euren nächsten Urlaub.

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