Mediterrane Wochenschau, Folge I: Roher Fisch & zu viele Stäbchen (Stand: 7.5.)

Achtung, große Änderung voraus (Trommelwirbel):

Mein Corona-Tagebuch wird von euch gern gelesen. Das freut mich sehr. Aber es ist ja albern, dass ich von euch verlange, jeden Tag auf http://www.postausitalien.com vorbeizuschauen.

Genau so albern wäre es aber, für jeden kleinen Eintrag einen neuen Beitrag anzulegen und euch nahezu täglich mit einer Mail zu bombardieren.

Deswegen werde ich zwar weiter Tagebuch führen, aber einmal pro Woche alles bündeln.

Ihr könnt also nach wie vor täglich oder fast täglich vorbeischauen, oder ihr wartet einfach jeden Mittwoch auf Post von mir.

Der Eintrag für den Newsletter steht auf der Startseite oben rechts.

Wenn ihr diese Zeilen hier in eurer Mail lest, herzlichen Glückwunsch! Ihr habt euch schon beim Newsletter angemeldet.

Ich werde die gebündelten Geschichten »Mediterraner Mittwoch« nennen. Wegen der Alliteration. Und weil ich das böse C-Wort nicht mehr sehen kann. »Samstage im Süden« war auch noch im Rennen; mal sehen, vielleicht hole ich das nach.

Und jetzt (Fanfaren): Schickt die Clowns rein! Hier kommt die Woche noch einmal in der Übersicht, hübsch chronologisch und mit dem heutigen Tag (6.5.) endend.

Samstag, 2. Mai

Ich sehe anhand der Mails und Meldungen: Euch fällt in Deutschland und Österreich die Decke auf den Kopf. Denkt mal, wie es uns inzwischen geht! Und: Hier gibt immer noch keine nennenswerten Erleichterungen, neuerdings ist vom 1. Juni die Rede. Alter, Alter, Alter, würde mein 18-jähriges Ich sagen.

Immerhin: Ich habe euch ja berichtet, dass zumindest einige Lieferdienste wieder ihre Arbeit aufgenommen haben. Und wir haben nach langer Zeit mal wieder Sushi genossen.

Sushi in Italien, müsst ihr wissen, ist – jenseits der ganz großen Städte – etwas völlig Exotisches und hat sich hier bislang im Gegensatz zu anderen westlichen Nationen nie etablieren können. Das hat zwei Gründe: Erstens sind Italiener, was fremde Küchen angeht, generell sehr skeptisch – etwa so wie Deutsche, die über ausländische Autos reden. Zweitens begreifen sie nicht den Rummel, der um rohen Fisch gemacht wird, denn rohe Fische und Meeresfrüchte gehören schon seit Jahrhunderten zur mediterranen Diät.

Na, jedenfalls: Die mitgelieferten Essstäbchen (es sind ja immer viel zu viele) brachten mich auf eine Idee.

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Die Herumlümmelei ist vorbei, liebe Masken!

Und habt ihr drüben beim Playboy-Quiz mitgemacht? Gestern Abend habe ich die Auflösung geliefert!

Montag, 4. Mai

Hui, jetzt ist doch einiges passiert. Massimiliano Fedriga, der Ministerpräsident des Friaul, hat sich gestern mit einem Dekret gegen die Regierung in Rom gestellt, so dass ab heute große Erleichterungen gelten. Wir dürfen endlich die Heimatgemeinde verlassen, auch aus banalen Gründen wie zum Einkaufen. Wir müssen, wenn wir allein Sport treiben, keine Masken mehr tragen, und wir dürfen Verwandte bis zum sechsten Grad besuchen (was, wie ein TV-Analyst gestern erklärte, auch die Cousins unserer Cousins einschließe, worüber ich die ganze Nacht nachgedacht habe).

Natürlich gelten immer noch die üblichen Abstandregelungen. Die Region dürfen wir nach wie vor nicht verlassen, aber damit lässt sich ja erstmal leben. Parks und Strände öffnen ebenfalls wieder. In Grado war der Strand glücklicherweise nur ein paar Tage geschlossen; in Lignano dagegen war er in den letzten Wochen komplett abgesperrt.

Das heißt: Ich werde mich nachher das erste Mal nach fast zehn Wochen wieder ins Auto setzen, ich werde Gas rechts, Bremse links summen und einfach so irgendwo hin fahren.

Jetzt ist nur die Frage, wie oft ich angehalten werde, weil ein deutsches Kennzeichen ja geradezu nach Blockadebrecher schreit.

Dienstag, 5. Mai

Seit gestern dürfen die Venezianer wieder Boot fahren. Mein Schreibtischgondoliere ist schon ganz aufgeregt!

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Er wackelt wie verrückt. Aber: Ihr müsst euch die Touristen wegdenken.

Und: Der gommista hat wieder geöffnet, so dass ich meinen ersten freien Vormittag zwischen Stapeln von abgefahrenen (wortwörtlich, nicht bildlich) Autoreifen verbringe und genug heißes Gummi einschnüffle, dass ich Sterne sehe. Der Wechsel von Winter- auf Sommerreifen steht an, der während des Lockdowns nicht möglich war. Ich darf währenddessen in der Werkstatt drauf warten. Ja, genau so aufregend habe ich mir als 15-Jähriger das Leben als Erwachsener vorgestellt.

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Endlich frei! Endlich… äh, Sommerreifen.

Mittwoch, 6. Mai

Tja, wir hatten schon länger eine große Party geplant, denn haltet euch fest: Heute ist unser zwanzigster Hochzeitstag! Allerdings feiern wir zwangsläufig allein, nicht mit 250 Gästen wir vor zwanzig Jahren. Gut, ganz so viele hatten wir dieses Mal ohnehin nicht geplant, aber mit ein paar Freunden wäre es doch ganz angenehm gewesen.

Ansonsten ist heute mein Beitrag für die Italienische Zentrale für Tourismus erschienen, ihr habt den Text ja schon Montag lesen können. Ich habe mich ziemlich über die Präsenz erschreckt, als ich die Seite aufgerufen habe; immerhin habe ich Raffael verdrängt.

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Wie findet ihr mein neues Oberarm-Tattoo?

Wenn ihr selbst mal vorbeischauen wollt: hier entlang.

Und in der Zeitschrift »Golfen« ist das Interview erschienen, das Kollege Jupp Suttner schon vor ein paar Wochen geführt hat.

 

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Im Übrigen ist mein angegebenes Alter (49) maßlos übertrieben – ich bin gerade mal 48!

So, jetzt muss ich aber das Hochzeitsessen vorbereiten. Auch wenn wir nur zu viert sind. Morgen gibt es Fotos!

Die Fortsetzung: hier entlang! (Die Sache mit dem Hochzeitstag habe ich auch in der Fortsetzung dringelassen, aus Gründen des Familienfriedens.)

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