Wie ein heftiger Tritt gegen den Fernseher: Mediterrane Wochenschau XXXVII

Hier kommt der einzige Newsletter, der ganz viele Sonnenuntergangsbilder gesammelt hat, aber sie alle fürs nächste Mal aufhebt!

Sonntag, 24. Januar

Dickes Ding am Strand: Ist das eine Boje oder ein Fender? Ich tippe auf Letzteres, lasse mich aber von den Skippern unter euch gern eines Besseren belehren.

Luna ist eher interessiert an dem feschen Labrador an der ersten Mole.

Aus den vielen Miesmuscheln könnte man auf jeden Fall eine herrliche scharfe pepata di cozze machen.  

Montag, 25. Januar

Ich habe eine Schwäche für US-amerikanische Ratgeberliteratur – je schmieriger der Titel, desto verführerischer. »Die Vier-Stunden-Woche«? Her damit! »I Will Teach You To Be Rich«? Gekauft! Ein bisschen was nehme ich aus diesen Werken tatsächlich immer mit, denn hinter den marktschreierischen Titeln verbergen sich einige gute Ideen. In der »Vier-Stunden-Woche« gibt es gute Tipps, um besonders lästige Arbeiten auszulagern oder zu automatisieren, und »I Will Teach You To Be Rich« erklärt, dass es die kleinen, laufenden Kosten sind, die man im Auge behalten und möglichst drücken muss – was dazu führt, dass ich nur noch 15 statt 30 Euro Bankgebühren pro Quartal zahle. Klingt erst mal nicht viel, aber über ein paar Jahre betrachtet springen doch ein paar Spaghetti vongole mit Weißwein dabei raus.

Das neueste Buch, das ich in den Griffeln habe, heißt »Atomic Habits«. Dort schildert der Autor, wie winzige Veränderungen und kleine Tricks uns zu besseren Gewohnheiten bringen. Und eine Idee hat mir besonders gut gefallen. Wenn du irgendetwas Neues angehst, was dir eigentlich nicht behagt, mach es nur eine Minute lang. Du willst meditieren, aber fünfzehn Minuten Stille und Atemhokuspokus hältst du nicht durch? Mach es eine Minute. Dehnübungen daheim? Eine einzige Minute. Ein Buch lesen? Eine Seite pro Tag! Joggen? Nur eine Minute! 

»Mein Gott, er hat so viel abgenommen, er sieht aus wie ein Mittelgewicht

Und damit hatte er mich. Wie ihr wisst, bin ich ein fleißiger Spazierengeher. Aber um die Kalorien zu verbrennen, die ich jeden Abend mit Wonne in mich hineinstopfe und -schütte, reicht Spazierengehen einfach nicht aus. Die Fitnessstudios sind leider seit Monaten geschlossen, ich habe sieben Kilometer Sandstrand vor der Tür, also wäre es doch vernünftig, laufen zu gehen? Ja, bloß ist es so, dass ich Laufen hasse wie die Pest. Ich habe es immer mal wieder versucht, aber der »Flow«, von dem alle schwärmen, wollte sich nie einstellen. Ich hatte beim Laufen nie tiefschürfende Gedanken oder schwebte in einem Glücksnirwana, sondern war immer viel zu sehr damit beschäftigt, nicht zu sterben.

Aber nun mache ich es dank Atomic Habits so: Beim Spazierengehen, wenn keiner guckt, fange ich an zu laufen (ich finde Laufen auch immer so würdelos). Nur eine Minute zwar, aber eine Minute ist ja erstens besser als keine Minute, und zweitens sind es am Ende doch zwei oder gar drei Minuten. Und ich kann mir am Abend noch einen kleinen Nachschlag gönnen.

Dienstag, 26. Januar

Jetzt ist er also doch zurückgetreten! Premierminister Conte wackelt, wie es in Italien für einen Premierminister zum guten Ton gehört. Wobei ein italienischer Rücktritt immer nur zur Bildung einer neuen Mehrheit dient, es kann also sein, dass alles weiter geht wie bisher. Eine demissione ist in Italien etwa so wie ein Tritt gegen den Fernseher, damit er wieder funktioniert. Es kann aber auch sein, dass es eine Mitte-Rechts-Koalition gibt und Conte nach knapp drei Jahren ausgedient hat. Alles wird von ein paar Stimmen in den beiden Häusern des Parlaments abhängen – und sich noch eine Weile hinziehen.

Zusammenhanglos, beim Spazierengehen entdeckt: ein Zebrastreifen ins Nichts.

Doch in unserem kleinen Wohlfühltempel Grado finden ja auch bald Wahlen statt. Die Opposition ist noch sehr zurückhaltend; offenbar hat sich eine Frauengruppe jenseits der Parteien gebildet, die den Bürgermeister, der ja ebenfalls keiner Partei angehört, herausfordern will. Es wird bald hoch hergehen, und ich halte euch auf dem Laufenden.

Mittwoch, 27. Januar

Hier ein Hinweis auf einen guten Newsletter, der euren Posteingang bereichern wird: Jupp Suttner hat schon Geschichten für die großen deutschen Zeitungen geschrieben, als ich noch als Quark im Regal stand. Er schreibt einen amüsanten wöchentlichen »Juppsletter«, den ich nur empfehlen kann – was ich hiermit tue. Außerdem kommt er einmal im Jahr nach Grado, und dieses Mal schaffen wir es bestimmt auf eine gemeinsame Golfrunde. Wer ihn will: Mail an jsuttner@aol.com mit dem Betreff JUPPSLETTER JA schicken – dann werdet ihr zu Empfängern. (Ein weiterer Text ist nicht nötig, sagt Jupp, der euch alle herzlich grüßt.)

Donnerstag, 28. Januar

Ich denke, ich kann es endlich verkünden: Am 13. April erscheint ein neues Buch von mir! Reportagen, Begegnungen, Essays, randvoll mit Dolce Vita – immer mit viel Humor, ihr kennt mich. Ihr könnt es euch schon auf die Wunschliste setzen oder gleich vorbestellen, dann habt ihr es pünktlich. Denn die Sehnsucht nach dem Süden ist doch überall groß, oder? 

Als Buch, als E-Book – und auch als Hörbuch!

Mehr Lektüre von mir, vom Ratgeber bis zum Krimi, findet ihr hier.

Freitag, 29. Januar

Wie passend zum Buchcover! So wie es aussieht, wird heute die Rückkehr unserer Region in die gelbe Zone verkündet. Dann dürfen die Bars und Restaurants wieder öffnen, und Reisen innerhalb der Region werden erlaubt. Zudem geht ab Montag die Schule wieder los; mein Schreibtisch gehört dann wieder mir und ist nicht mehr von den Zoom-Klassen meiner Töchter in Beschlag genommen. Alle Neuigkeiten zur Entwicklung in Italien stehen, ständig aktualisiert, hier.

Die nächste Mediterrane Wochenschau erscheint pünktlich am 5. Februar, bis dahin euch allen eine sonnige Woche!

Zur vorigen Wochenschau und dem typisch italienischen Wettstreit, wer mehr und schneller »Ciao« sagen kann? Hier entlang.

Es hat vielleicht mit den guten Vorsätzen im Januar zu tun, aber in dieser Woche wurde mein Bericht über die guten, gesunden Amalfizitronen sehr oft aufgerufen, also habe ich ihn noch mal verlinkt.

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