Die beste Bolognese, das geheime Venedig und ein echt mieser Film: Mediterrane Wochenschau LXXXIII

Hier kommt der einzige Newsletter, der findet, dass es noch nicht zu spät ist, euch ein großartiges, erfolgreiches, gesundes und möglichst italienisches neues Jahr zu wünschen!

Ihr Lieben, die zweiwöchige Pause war viel zu lang, es gibt einiges zu besprechen. Aktuelle Viren-News für eure Reise nach Italien findet ihr wie immer hier. Legen wir los!

Aber vorab: Kommt auf Instagram bei meinem neuen Abenteuer @buch_und_wein vorbei – wird lustig! Folgt mir, und ich folge euch sofort zurück. (In Don-Corleone-Stimme🙂 Wir sind ja eine große famiglia.

Montag, 3. Januar

Vor ein paar Wochen habe ich über die ideale Bolognese-Sauce referiert und auch erklärt, warum Italiener einen Anfall bekommen, wenn jemand bolognese statt ragù sagt. Aber wir sind ja hier unter uns. Also, hier kommt das ideale, von Spitzenköchen abgesegnete und doch leicht nachzukochende Bolo-Rezept.

Es muss ein Kompromiss sein zwischen lieblosem Dosenfutter auf der einen Seite und einer disponiblen Großmutter auf der anderen Seite, die sich einen halben Tag lang an den Herd stellt. Die Mengenangaben sind für vier Personen.

Drei Karotten und eine Sellerie klein schneiden, in einen großen Topf mit 500 ml passierten Tomaten werfen – und die passierten Tomaten müssen von der Firma Mutti sein –, kurz aufkochen lassen, behutsam salzen und pfeffern. Eine Mini-Prise Zucker dazu, wie alle wissen sollten, die den Paten, Teil 1, gesehen haben.

Mutti: Mit ihr geht nichts schief. Auch in deutschen und österreichischen Supermärkten erhältlich!

Eine Zwiebel würfeln und in einer Pfanne in etwas Butter oder Pflanzenöl (kein Olivenöl!) glasig braten. 500 Gramm gemischtes Hackfleisch zu den Zwiebeln geben, mit dem Kochlöffel dran bleiben, zerkleinern und immer wieder wenden, damit das Fleisch gleichmäßig gebräunt wird. (Eigentlich ist es ein Grauton, aber das klingt so unsexy.) Behutsam salzen und pfeffern und in den Topf zu den passierten Tomaten geben. Abschmecken, eventuell nachwürzen. Damit habt ihr die Bolognese-Sauce. 

Ihr hört öfter: »Man muss die Sauce stundenlang köcheln lassen.« Das ist genau so ein Angebersatz wie: »Den Film musst du unbedingt im englischen Original anschauen!« Denn das stundenlange Köcheln erfordert dann eben auch, dass ihr immer wieder nachschauen und umrühren müsst, was unter der Woche für viele von euch einfach nicht machbar ist. Außerdem lauft ihr Gefahr, dass die Sauce arg eindickt. Was ihr stattdessen machen könnt: Bereitet die Sauce schon am Mittag vor, lasst sie bis zum Abend bei ausgeschaltetem Herd durchziehen, und wenn ihr euch an die Nudeln macht, gebt ihr auch der Sauce Feuer.

Dass es unzählige Varianten und Verfeinerungen gibt (Pancetta, Kaninchenleber, eigenhändig gezupfte Tomaten), ist ja klar. Aber mit diesem Basisrezept habt ihr die Grundlage für alle weiteren Experimente geschaffen. Und im Hause Maiwald gibt es meistens Bolognese genau wie oben beschrieben.

Ein paar großartige Profitipps meines Mail-Kumpels Thomas F.:

  • für einen kurzen Moment den Pürierstab ins Hackfleisch halten und einen Teil der Fleischmasse zu Sauce verwandeln. 
  • Wer Schalotten verwendet, kann die Prise Zucker weglassen.
  • Knollensellerie ist besser als Staudensellerie.
  • Gemüse vor dem Fleisch durch den Fleischwolf jagen, dann verkocht es schneller.
  • La Fontanella 1957 sind die besten Dosentomaten. 
  • Hackfleisch im Topf mit dem Kartoffelstampfer zerteilen.
  • Keine Lust auf Schweinefleisch? Ragù bianco mit Kalb ist genau so gut.
  • mögliche zusätzliche Verfeinerungen, je nach Geschmack: Knoblauch, Oregano, außerdem ein Schuss Madeira oder Weißwein.
  • der Parmiggiano Reggiano zum Drüberreiben sollte mindestens 24 Monate alt sein.

Es gibt auch noch den Trick, beim Einköcheln der Sauce etwas Milch hinzuzugeben, aber ich mag Milch weder an Fleisch (etwa an der Bolognese) noch an Fisch (etwa beim baccalà mantecato). Das ist allerdings, wie so vieles, Geschmackssache.

Dann die Nudeln kernigeren Typs (Spaghettoni, Tagliatelle, Paccheri, Bigoli) in Salzwasser kochen, eine Kelle Nudelwasser zur Sauce geben. Nudeln abtropfen lassen und in den Saucentopf geben. Dazu einen kräftigen Rotwein aufreißen und genießen.

Außerdem bin ich mir mit Thomas F. einig, dass die Tagliatelle nicht die ideale Pasta fürs ragù sind, auch wenn sie ins traditionelle Rezept gehören. (Jetzt bekomme ich wahrscheinlich Einreiseverbot in die Emilia-Romagna.) Ich finde Spaghettoni perfekt.  

Welche Tricks habt ihr so drauf bei der Bolognese-Zubereitung? Schreibt mir!

Dienstag, 4. Januar

Die deutsche Sprache ist einfach wunderbar – und ihr seid es auch. Denn es kommen immer noch neue Wörter mit der Konsonantenfolge »pfpf« heran. Rosi C. steuerte das »Hüpfpferd« bei, und Doris D. nannte mir »Stumpfpflege«, einen medizinischen Begriff, den ich wohl nicht weiter erklären muss (dabei schreibe ich gerade einen Roman über die Nachkriegszeit, da war der Begriff wohl gegenwärtiger): Und auf Wienerisch heißt ein dummer Mensch »Stumpfpfosten«. Das Wort werde ich bald mal den Wiener Chefermittler Wendelin Kerschbaumer benutzen lassen!

Damit hätten wir Impfpflicht, Topfpflanze, Sumpfpflanze, Dampfpfeife, Dampfpflug, Schlupfpforte, Hüpfpferd, Stumpfpflege und Stumpfpfosten.

Disqualifiziert: Dampfpfanne (steht in keinem Wörterbuch) sowie alle Komposita wie Topfpflanzenerde

Zusammenhangloses Schreibtischbild mit schlecht sitzendem Hemdkragen. Eine persönliche Assistentin – ja, das wär’s.

Mittwoch, 5. Januar

Sätze, die man wohl nur einmal in seinem Autorenleben hört: »Sie müssten mal an Bord unserer Yacht kommen und alle Bücher signieren, die wir von Ihnen im Salon haben.«

Und doch war es heute soweit, eine Leserin sprach mich in einem Restaurant mit diesen Worten an. Kann ich mich jetzt zur Ruhe setzen?

Apropos Yacht: Der ORF-Spielfilm »Stella di Mare – Hilfe, wir erben ein Schiff!«, eine Art Komödie, wurde 1999 in Grado gedreht. Ihr findet den ganzen Film nun auf Youtube (hier entlang), und es ist schön zu sehen, wie Grado vor mehr als zwanzig Jahren aussah. 

Außerdem spielt meine Frau als Komparsin mit, beispielsweise an Stelle 1:20:39 unten links (im gelben Shirt). Und bei 1:21:13 fängt sie an zu tanzen.

Aber ansonsten, au weia, ich sage es mal glattheraus (und ich weiß, dass hier mindestens eine Person mitliest, die am Set gearbeitet hat – sorry): Es ist ein unfassbar schlechter Film. Und das hat diverse Gründe.

  • Keine der vier Hauptpersonen ist auch nur annähernd sympathisch.
  • Dennoch flirtet der Familienvater mit einer hübschen Italienerin, und seine Frau flirtet mit einem gutaussehenden Italiener. Nicht in euren wildesten Träumen! Und die beiden Italiener stellen sich dann noch als Paar heraus und laden die nervtötende Familie zu einem großen Fest auf der privaten Insel ein. 
  • Die Dialoge sind schrecklich hölzern und grotesk unlustig, die Handlung stolpert von Zufall zu Zufall, jeder Witz braucht fünf Minuten Anlauf. 
  • Und die unfassbar billige Auflösung, als das Leben der Familie in Trümmern liegt: ein Lottogewinn! Spätestens jetzt hätte jeder Produzent das Drehbuch zerrissen.

Das Erstaunliche ist, dass Xaver Schwarzenberger, der Regisseur des Films, ja nun diverse Male bewiesen hat, dass er zu den ganz Großen gehört. Meine Theorie: Er wollte einfach ein paar Wochen bezahlten Urlaub in Grado verbringen. Und wer kann es ihm verdenken?

Dennoch: Für die Grado-Bilder lohnt sich der Film.

Donnerstag, 6. Januar 

Ich bin euch ja noch das Krippenbild schuldig! Zur Erinnerung: Im Herbst wurde in Grado ein neuer Bürgermeister gewählt, der eher rechts steht. Der vorige Bürgermeister, ein aus wahltaktischen Gründen zu den Linken konvertierter Rechter (komplizierte Geschichte), musste sich in den Jahren zuvor viel Spott über die vermeintlich ärmliche Weihnachtsdekoration des Ortes anhören – man kennt sie ja, diese gottlosen Kommunisten. Der neue Bürgermeister wollte nun natürlich zeigen, wo der Hammer hängt: Er fuhr schmucktechnisch alles auf, was ging. Doch ausgerechnet die repräsentative Krippe am Ortseingang sieht eher wie die Laubsägearbeit von Grundschülern aus, was wiederum bei den abgewählten Linken für viel Spott sorgte.

In der Nacht macht die Krippe vieles wieder wett. Aber das haben Nächte ja so an sich.

Obwohl: So richtig hübsch ist sie auch in der Dunkelheit nicht.

Freitag, 7. Januar

Jetzt aber zum Kochkurs und Italienischkurs oder einer Kombination aus beidem! Ich habe mehr als hundert Anfragen von euch bekommen und mich gleich brav an die Arbeit gemacht. Und als naiver Nicht-Unternehmer bin ich gleich frontal gegen ein paar Wände gelaufen. 

Vorab: Ich selbst will an diesen Kursen keinen Cent verdienen, denn ich bin mit meinem Schreiben schon reichlich ausgelastet. 

Aber die Sache ist, so wie ich sie andachte, praktisch undurchführbar. Aus rechtlichen Gründen müsste ich erstens eine Firma gründen, möglichst ein Reiseunternehmen. Zweitens müsste ich diverse Versicherungen abschließen, denn was passiert, wenn sich einer von euch beim Karottenschneiden den halben Finger absäbelt? (Ich habe Vertrauen in eure Schneidekünste, aber ihr wisst, was ich meine.) 

Wir bräuchten drittens eine Profiküche, denn jeder Teilnehmer soll ja einen eigenen Posten haben. Und welche normale Küche hat schon sechs, acht, zehn, zwölf Posten? Also müssten wir ein Restaurant oder ein Hotel anfragen. Und die Betreiber, mit denen ich bisher gesprochen habe, sind sehr skeptisch – heikle rechtliche Fragen, Lebensmittelaufsicht, Versicherungsprobleme, und von Covid will ich gar nicht reden. All das (Firmengründung, Versicherung etc.) gilt auch für einen eventuellen Sprachkurs. Bis auf die Sache mit den Karotten.

ABER es kommt Hilfe! Denn meine liebe Freundin Beatrix Eichhorn, die im letzten Jahr ein hübsches ländliches B&B in Grado eröffnet hat (im Gegensatz zu mir also echten Unternehmergeist besitzt), hat tatsächlich für den Februar eine Gemeinsam-Kochen-Woche mit einem Profikoch aus Grado ins Leben gerufen, und an einem Abend komme ich auch dazu! Hier stehen die Einzelheiten.

Ich sollte wohl lieber beim Schreiben bleiben. Deshalb hier ein aktueller Tipp: mein Venedig-Artikel im aktuellen Feinschmecker. 16 Seiten Genuss für euren nächsten Kurztrip!

Mehr darf ich nicht zeigen, aber es ist ein schöner Artikel geworden!

Apropos Venedig: Mein Blogeintrag »Venedig: 12 Geheimtipps« gehört zu den meistgelesenen Texten auf dieser Seite. Warum das so ist? Einerseits, weil es um Venedig geht. Andererseits, weil der Text bei Google auch von Nicht-Lesern dieser Seite schnell gefunden wird, Stichwort SEO (Search Engine Optimization oder Suchmaschinenoptimierung). Die Kombination »Geheimtipps« und »Venedig« wird so oft gesucht, dass mein Beitrag ganz oben auftaucht. Solltet ihr je selbst ein Blog eröffnen, müsst ihr mit solchen Schlagworten um euch werfen, und zwar am besten nicht nur in der Überschrift, sondern auch möglichst im Text selbst. 

Bloß ist das sehr durchschaubar (und macht die Texte nicht gerade lesenswert), deswegen halte ich mich mit diesem SEO-Quatsch zurück. Dennoch sehr interessant zu sehen, wie dieses Internet so funktioniert. Und ihr habt euch ein SEO-Wochenendseminar erspart, zu dem euch euer Chef seit Jahren schicken will.

Zitat der Woche

»Technik ist der Kniff, die Welt so einzurichten, dass wir sie nicht erleben müssen.« – Max Frisch (der noch nichts von Handys und dem Internet wissen konnte).

Jetzt wollte ich euch eigentlich noch vom hässlichsten Haus Grados berichten, weil mich viele von euch danach gefragt haben, aber das verschieben wir auf die nächste Wochenschau. Seid gespannt! 

Und, wie gesagt: @buch_und_wein auf Instagram. Max Frisch wäre begeistert!

Zur vorigen Wochenschau – sie ist und bleibt kostenlos und werbefrei – geht es hier entlang, und zurück zur Startseite geht es hier.

Ihr plant euren Italienurlaub? Dieses Buch hilft dabei, und meine Lieblingshotels stehen hier.

Falls ihr euch für Sport interessiert: Ich schreibe jeden Dienstag fürs Golf Magazin einen Newsletter, der – hoffentlich – auch für Nichtgolfer interessant ist. Hier entlang.

Halt, doch noch etwas vergessen: Der Verlag und ich haben ja ein tolles Gewinnspiel ins Leben gerufen! Was beim »Italien-Prinzip« so schön geklappt hat, machen wir nun auch bei »Der Tote im Bach«: Fotografiert das Buch in freier Wildbahn! Auf der Skipiste, beim Wandern, im Restaurant beim Wiener Schnitzel – wie immer es euch gefällt. Die beiden besten Fotos bekommen ein Buchpaket zu je 100 Euro. Hier könnt ihr schon mal stöbern, was es alles Schönes gibt.

Irgendwo dahinten liegt er, der Tote im Bach. Foto: Rosi C.

Euch allen ein wunderbares Wochenende! Die nächste »Mediterrane Wochenschau« erscheint am 14. Januar.